Öko-Ranking für Autos von Politikern Dienstlimousinen werden umweltfreundlicher

Rote Karte für einen Grünen: Der Dienstwagen des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann wurde in einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) als nicht umweltfreundlich eingestuft.

(Foto: dpa)

Lob für den Hamburger Senat, Schelte für Hessens Ministerpräsident: Umweltschützer haben den CO2-Ausstoß von Dienstwagen analysiert. Die Autos von Politikern werden demnach immer grüner. Doch noch immer sind die Hälfte der untersuchten Fahrzeuge Spritschlucker.

Von Sascha Gorhau

"Formal korrekt" habe Ex-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt während ihrer Amtszeit ihren Dienstwagen genutzt - allen Vorwürfen zum Trotz, sie hätte das Fahrzeug im Urlaub in Spanien verwendet. Das bescheinigte der SPD-Politikerin 2010 der Bundesrechnungshof. Dennoch war Schmidts Ruf ruiniert und ihr Ministerium verloren. Spätestens seit dieser Dienstwagenaffäre stehen die Fahrzeuge von Politikern im Fokus der Öffentlichkeit. Nicht nur in Hinblick auf deren Nutzung, sondern auch auf deren Umweltverträglichkeit. Und da ist Deutschland nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) "Schlusslicht unter der größeren Ländern der EU".

In seinem aktuellen Bericht stellt das Öko-Forum bei Politikern wachsendes Umweltbewusstsein fest. Dennoch seien die Hälfte der untersuchten Fahrzeuge "übermotorisierte und spritdurstige Dienstwagen". Bei ihrer Untersuchung berücksichtigt die DUH Autos von Bundesministerien und Landesregierungen und teilt die Fahrzeuge in drei Kategorien ein: Eine grüne Karte bekommen Fahrzeuge mit einem Ausstoß von höchstens 130 Gramm CO2 pro Kilometer. Eine gelbe Karte gibt es für Werte zwischen 131 und 174 Gramm pro Kilometer und alle darüber liegenden Emissionen bedeuten eine rote Karte.

Unionspolitiker fahren die größten Spritschlucker

An der Spitze der Spritschlucker im Fuhrpark der Bundesministerien steht der DUH zufolge der Wagen von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, ein Mercedes S350 Bluetec mit einem CO2-Ausstoß von 193 Gramm pro Kilometer. Auch der grüne Landeschef von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, bekommt eine rote Karte von der DUH. Doch der Landesregierungschef mit der schmutzigsten Limousine ist der Studie zufolge wie im Vorjahr Volker Bouffier. Der Hesse nutzt demnach eine Langversion des Audi A8 mit einem 6,3-Liter-großen Benzinmotor. Der CO2-Ausstoß liege bei 277 Gramm pro Kilometer. Der Fuhrpark der hessischen Landesregierung gibt generell kein gutes Bild ab und landet auf dem vorletzten Platz beim CO2-Durchschnitt der Dienstwagen der Landesregierungen. 180 Gramm pusten die hessischen Limousinen im Schnitt in die Luft. Nur Niedersachsen steht mit durchschnittlich 187 Gramm CO2 pro Kilometer noch schlechter da.

Umso positiver ist die Bilanz des Hamburger Senats. Die Regierung der Hansestadt unterschreite mit 128 Gramm CO2 pro Kilometer als einzige den von der EU vorgegebenen Zielwert von 130 Gramm. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz fährt zudem den umweltfreundlichsten Wagen aller Regierungschefs, einen BMW 530xd mit einem CO2-Ausstoß von 146 Gramm pro Kilometer. Unter den Bundesministern belastet Dirk Niebel mit seiner Langversion eines BMW 730d die Umwelt mit 148 Gramm CO2 am wenigsten.

Umweltminister sollten beim Thema Umweltverträglichkeit eigentlich voran gehen - und werden von der DUH darum gesondert beurteilt. Tatsächlich stellt die Studie den Verantwortlichen für die jeweiligen Umweltressorts ein gutes Urteil aus. Rote Karten gibt es keine, fünf Ministerien erhalten eine grüne Karte. Robert Habeck aus Schleswig-Holstein fährt mit seinem Mercedes-Benz E300 Bluetec, einem Diesel-Hybrid, mit 109 Gramm CO2 am umweltfreundlichsten. Über die schlechteste Umweltbilanz verfügen im Hinblick auf die Parteizugehörigkeit Politiker von Union und FDP. Insgesamt jedoch stellt die DUH fest, dass die "durchschnittlichen CO2-Emissionen der Politiker-Limousinen seit dem Start unserer Erhebungen im Jahr 2007 deutlich schneller zurückgehen als die Emissionen aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw," wie DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin sagte.

DUH verwendet fragwürdige Herstellerangaben

Die DUH berücksichtigt allerdings nur den CO2-Ausstoß der Fahrzeuge im Verkehr und verwendet dazu die Angaben der Hersteller. Der reale Verbrauch - und damit die entsprechende CO2-Bilanz der Fahrzeuge - liegt meist weit darüber. Außerdem stellen die Emissionen im Verkehr nur einen Bruchteil der tatsächlichen CO2-Bilanz dar, die ein Auto in seinem Lebenszyklus verursacht. Untersuchungen des Instituts für Produktdauer-Forschung in Genf zeigen beispielsweise, dass ein Auto dann am umweltfreundlichsten ist, wenn es möglichst lange im Verkehr bleibt und kein neues dafür gebaut werden muss.

Nach Informationen einer DUH-Sprecherin allerdings leasen Politiker die Fahrzeuge lediglich, meist für zwei Jahre. Danach würden die Hersteller neue Limousinen liefern. Was dann mit den ausrangierten Fahrzeugen passiert, ist offen. Ständig neue Dienstwagen sind also auch nicht gut für die Umwelt - mögen sie noch so spritsparend sein.