Auch wenn Hersteller und Veranstalter noch schnell versuchen, dem Genfer Automobilsalon einen grünen Anstrich zu verpassen: Die Ökodebatte hat sie kalt erwischt. "Öko" sind die wenigsten neuen Autos auf der Show.
Schein und Sein klaffen auch in den Messehallen der Genfer Palexpo weit auseinander. Warum sollte es dort auch anders sein als im realen Leben vor den Toren? Feinstaubrichtlinie und Klimakatastrophe bestimmen zwar seit Wochen in ungewohnter Heftigkeit die öffentliche Diskussion.
.Jeder vierte Autofahrer könnte sich den Kauf eines Hybrid-Autos vorstellen. (© Foto: AP)
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Und man könnte fast vergessen, dass Kraftwerksschlote, Zentralheizungen und Kettenraucher mehr Staubpartikel und CO2 emittieren als die ganze Autoflotte zusammen. Das Auto gilt als Umweltsau. Otto Autofahrer ist entrüstet, gibt sich in Meinungsumfragen brav in der Wolle grün gefärbt - und fährt mit dem SUV zum Zigarettenholen, sobald der Mann von Infratest den Telefonhörer wieder aufgelegt hat.
Billige Polemik? Zwei Nachrichten vom gleichen Tag: Jeder vierte Autofahrer könnte sich den Kauf eines Hybrid-Autos vorstellen, zitiert die Automobilwoche online eine Untersuchung des Reifenherstellers Continental. Und vermeldet einen Bildschirmhöhe weiter oben die Zulassungszahlen für den Februar 2007 und deren Botschaft: "Bei einem rückläufigen Markt sind lediglich die Segmente der Sportwagen und der Geländewagen gewachsen."
Da verwundert es nicht, dass auch in Genf nur wenig neue Autos stehen werden, deren Motor und Konzept nicht auf konventionellen Techniken beruht. Und die nicht auf Spaß und Kraft, sondern auf ein ruhiges Gewissen getrimmt sind. Die Tour de Salon ist also wie alle Jahre wieder vor allem eine Tour de Lust & Leidenschaft.
Mehr Power und mehr Spaß
Bei Audi zum Beispiel wird der A5 stehen: "Der vielleicht schönste Audi, der je gebaut wurde," ist vorab zu lesen. Und das kein halbes Jahr nach der Präsentation des R8. Sei's drum: Bildschön ist das Coupé aus Ingolstadt in der Tat. Und kräftig. Schon der Einstiegsmotor hat 170 PS. Und auch das zweite Highlight am Audistand ist nicht gerade ein Sparschwein: ein Q7 mit V8-Diesel und 326 PS.
So wie Audi halten es die meisten Hersteller: mehr Power und mehr Spaß. Wenn man sie effizienter gewinnen kann - um so besser. Bei BMW stehen die überarbeiteten Versionen der 1er- und 5er-Baureihe im Mittelpunkt. Die immerhin sollen - nun mit Direkteinspritzung statt Saugmotor - bis zu zwölf Prozent Benzin weniger verbrauchen. Obwohl die Leistung von 258 auf 272 PS gewachsen ist.
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... mit der Polemik. Was mich an diesem Hype so ärgert:
Es ist ausschließlich die böse, böse deutsche Automobilindustrie, die den armen, unmündigen Verbraucher zum Erwerb PS-strotzender, umweltzerstörender, nutzwertreduzierter SUVs, Sportwagen, etc. nötigt.
Wie groß ist denn der Anteil des Prius am Gesamtabsatz von Toyota und vor allem in Relation zu den bestimmt "sehr umweltfreundlichen" Toyota und Lexus SUVs? Komme mir keiner ein Lexus RX400h sei umweltfreundlich...
Tatsächlich gab es in den 80ern die Polo, Golf, Passat "Formel E", in den 90ern den Golf Ecomatic und Ende des Jahrtausends das 3-Liter-Auto von VW, '96 einen Diesel-Hybrid (!) von Audi, den A4 Avant Duo und von BMW gab es einen 525 e wie eta. Diese Liste von deutschen Autos ließe sich fortsetzen. Die Produktion aller dieser verbrauchsreduzierten, ergo umweltfreundlicheren Autos wurden mangels Nachfrage wieder eingestellt. Jedes vernünftig wirtschaftende Unternehmen entwickelt und produziert nur was sich voraussichtlich so oft verkaufen lässt, daß unter'm Strich etwas übrigbleibt.
Schon Mitte der 80er wurde ich als Automobilverkäufer von selbsterklärten Umweltschützern ob des zu geringen Angebots an Katalysatormodellen heftig attackiert. Nur das sich eben diese Leute dann für den 50%-ineffektiveren ungeregelten Kat entschieden um das gesparte Geld in eine Metalliclackierung zu investieren...
Leider kein Witz, sondern tatsächlich passiert.
Ich fürchte, daß letztendlich nur eine "fiskalische Incentivierung" und gesetzliche Regelungen sprich Verteuerung des Autofahrens an sich und zu einer Veränderung des Verbraucherverhaltens führt. So war's ja zumindest bisher.
Ansonsten halte ich die ganzen Statements und Anklagen für Lippenbekenntnisse. Es erleichtert einem ja das Gewissen, zu wissen die Schuld und Pflicht liegt bei anderen, möglichst noch in Form .
Wobei ja allein das Rauchen aufzuhören schon ein Anfang wäre...
Nix für ungut...
Auch Elektroenergie muss erzeugt werden - vielleicht denken wir einmal über intelligentere Verkehrsleitsysteme, unnötige Transportwege (ich will in Bayern kein Jever trinken), Arbeitsplätze vor Ort ... es ist ein Globalisierungsproblem. Die Autoindustrie wird sich nach den Kunden (uns) richten, nur wir wollen keine 3 Liter Lupos ...
Ja tatsächlich - Ihr Text, Herr Wolff , hat's mir kalt besorgt . So etwas brauche ich alle 14 Tage, um meine Misanthropie aufzufrischen . Könnte ja sonst wieder glauben , dass die Menschheit noch zu retten ist . In aufrichiger Verachtung aller SUV-Köppe verbleibe ich Ihr filus , ausgewiesener Neidhammel .
Typisch für heutige Motorjournalisten ist es, dass selbst ein angebliches "Ökoauto" irgendwas verbrennen muß, ansonsten geht es über den vom SUV-Dach begrenzten Horizont und wird aktiv ignoriert.
Bloß nicht erwähnen, dass z.B. Subaru mit dem R1e ein schnellladefähiges Elektroauto vorstellt, mit dem in Tokio bereits ein Flottentest läuft!
Ja niemandem erzählen, dass am Stand von e-mobile.ch Elektroversionen des Fiat Panda und Renault Twingo stehen werden (war zumindest letztes Jahr so, da gabs sogar einen Panda Plug-in-Hybrid als Prototyp), die in der Schweiz und Italien bereits zu kaufen sind!
Auf keinen Fall verraten, dass der Reva, von dem in London bereits über 800 Stück verkauft wurden, unter dem Namen Greeny präsentiert wird und ab April auch in der Österreich und der Schweiz angeboten werden wird (in Deutschland, wenn überhaupt, erst ab 2008)!
Schließlich könnte bei Berichten über solche auspufflosen Ketzerfahrzeuge die deutsche Autoindustrie ja Anzeigen stornieren - da berichtet man lieber nicht über etwas, das nicht sein kann und nicht sein darf...