Die Beschlüsse der EU-Kommission zum CO2-Ausstoß sorgen nicht nur für Begeisterungsstürme. Umweltminister Sigmar Gabriel befürchtet einen Krieg der Autohersteller.
SZ: Herr Minister, dienen die aktuellen Beschlüsse der EU-Kommission zum Kohlendioxid dem Klimaschutz?
Bild vergrößern
Plädiert für einen wettbewerbsneutralen Vorschlag für die CO2-Richtlinie der EU: Umweltminister Sigmar Gabriel. (© Foto: dpa)
Anzeige
Gabriel: Sie bergen mindestens die Gefahr, dass für den Klimaschutz wenig dabei herauskommt. Es wird möglicherweise nur ein Wettbewerbskrieg zwischen Automobilherstellern ausgelöst, bei dem sich am Ende ein Hersteller großer Fahrzeuge einen Hersteller kleiner Fahrzeuge einverleibt, um dann im Durchschnitt auf die geforderte Kohlendioxid-Menge zu kommen - ohne dass dabei der Ausstoß um ein Gramm gesenkt wird.
SZ: Hilft Brüssel also weniger dem Klima, sondern mehr den Kleinwagen-Konzernen in Frankreich und Italien?
Gabriel: Das macht zur Zeit den Eindruck. Die Kommission verstößt damit auch gegen einen Beschluss des Umweltrates, bei dem sie aufgefordert wurde, einen wettbewerbsneutralen Vorschlag zu machen. Wir alle in Europa haben uns dem 120-Gramm-Ziel im Durchschnitt aller Neufahrzeuge verpflichtet. Daran darf nicht gerüttelt werden, auch nicht für die Interessen der deutschen Autoindustrie. Allerdings wollen wir dann auch einen wettbewerbsneutralen Vorschlag.
SZ: Wird die Bundesregierung weiter Widerstand leisten gegen die EU-Pläne?
Gabriel: Der EU-Plan ist nicht fair. Autohersteller dürfen für technologisch gute Entwicklungen wie den Passat Blue Motion nicht bestraft werden. Große Fahrzeuge müssen durchaus stärker zur Emission-Minderung beitragen als kleinere und mittlere. Es geht aber nicht, dass an fünfzig Prozent der französischen Fahrzeuge überhaupt nichts gemacht werden muss, während in Deutschland 98 Prozent der Autos betroffen wären. Das ist ein sehr starkes Ungleichgewicht, auf das wir weiter Einfluss nehmen müssen.
SZ: Geben Sie den Forderungen der deutschen Autoindustrie zu sehr nach?
Gabriel: Nein, überhaupt nicht. Das Ergebnis ist für die Umweltpolitik in Europa immer gleich. Wir streiten ja überhaupt nicht darüber, wie stark die Kohlendioxid-Emissionen in der europäischen Automobilindustrie abgesenkt werden müssen. Es gibt nur einen Streit darüber, wer wie viel beitragen muss.
SZ: Wer bezahlt den Klimaschutz?
Gabriel: Weniger Kohlendioxid bedeutet immer weniger Verbrauch. Selbst wenn ein kleines oder mittleres Auto 500 oder 1000 Euro teurer wird, rechnet sich das sehr schnell an der Tankstelle. Wenn sich jemand ein Luxusauto für 150.000 Euro oder mehr kauft, für den dürfte eine Verteuerung um 4000 bis 5000 Euro kaum ein Grund sein, der ihn vom Kauf abhalten wird.
(SZ vom 20.12.2007)
FC Bayern nach dem verlorenen Finale
Es scheint zum Thema CO2 - Ausstoß zum Show-Down der Lobbyisten zu kommen.
Das EU-Land mit der besseren Auto-Lobby in Brüssel-oder mit dem besseren Durchsetzungsvermögen-bestimmt auch den CO2 -Ausstoß. Andererseits wird die Deutsche Autoindustrie von ihrer Blockadehaltung eingeholt.Immerhin ist zu erkennen, dass sich die Autobauer langsam dazu bequemen, endlich Autos zu bauen, die weniger Kraftstoff verbrauchen und somit weniger CO2 produzieren. Leider wird das Anliegen bei vielen nur als Marketing-Konzept verfolgt. Die wirklich sparsameren Autos sind Zukunftsvisionen. Es ist ziemlich schwer, die Diskussion einigermaßen objektiv zu beurteilen.Selbstverständlich geht es um Pfründe und um Arbeitsplätze.Es geht selbstverständlich auch um die Glaubwürdigkeit in der Politik und in der Wirtschaft.
--------------------------------------------------------------
Anmerkung für die, die es angeht:
Dieser Kommentardienst erfolgt stellvertretend für zahlreiche geschätzte Kommentatoren, die sich über www.szenso.de auf einen Kommentarverzicht aus Protest über die neuen SZ-öffnungszeiten verständigt haben.
Ich respektiere den Schritt und bedauere seither den Verlust der Meinungsvielfalt und Qualität in den Foren
Wenn diese Flitzpiepe nicht nach Bali gejettet wäre, dann wäre weniger Flugbenzin gebraucht worden. Wenn die alle zu Hause geblieben wäre, dann wäre die Einsparung von Flugbenzin enorm gewesen und die Umwelt ein klein bißchen weniger dreckig.
Aber schlimmer noch als das CO2, das auf Gabriels Konto geht, sind seine Dampfplaudereien. Mit denen versaut er die Umwelt richtig.
Das ist ja mal wieder eine große Lachnummer. Da kommt der Ex-Lehrer aus Bali zurück, wo er nur rumgetönt hat, dass viele andere sich nicht energisch genug um den Klimaschutz kümmern.
Und was er hier, nicht mal eine Woche später? Da heult er rum, dass die arme deutsche Autoindustrie doch nicht so hart bestraft werden darf, weil die so viel tun müssen, um die EU Vorgabe zur Reduzierung der CO2-Emissionen einzuhalten.
Ja hätten die deutschen Autobauer mal rechtzeitig umweltfreundliche und weniger durstige Autos gebaut, bräuchten sie heute auch nicht so große Anstrengungen machen. Das ist ja echt der Kalauer der Woche!
Und übrigens noch ein Wort zu dem "Blue Motion" von VW, den der Niedersachse natürlich immer erwähnen muss, da ja VW in Niedersa... na ihr wisst schon.
Jedenfalls ist der "Blue Motion" auch so eine Lügenschachtel. An dem Auto wurde ja nicht groß rumentwickelt, um ihn verbrauchsgünstiger zu machen. Da wurden schmalere Leichtlaufräder genommen, ein paar Kilos abgespeckt, die Motorsteuerung optimiert und der Wagen tiefergelegt. Das wars!
Nix von wegen technologischer Geniestreich und so. Entwicklung auf unterstem, Vereierung auf höchstem Niveau!
sprachs, rechnete dem "kleinen Mann" schnell die Ersparnis teurer werdender Kleinwagen vor und stieg voller Zuversicht in seinen Dienstwagen (Audi A8 L, 4.2 Liter FSI mit über 335 PS).
Der Klimawandel fordert eben von jedem Tribut!
Deutschland baut angeblich die besten Autos, ist in der Lage jeden erdenklichen technischen Schnickschnack innerhalb kürzester Zeit dank hervorragender Ingenieure zu realisieren und kein deutscher Automobilkonzern hat behauptet, die neue EU Richtlinie wäre nicht zu erreichen.
Ausgerechnet Gabriel als Umweltminister stellt sich hin und blabbert sinnfrei etwas von Wettbewerbskrieg unter Automobilherstellern. Den wird es immer geben. Und wenn es auch noch zu einem positiven Zweck ist, sollte ein Umweltminister nicht im Weg stehen.
Anmerkung für die, die es angeht:
Dieser Kommentardienst erfolgt stellvertretend für zahlreiche geschätzte Kommentatoren, die sich über www.szenso.de auf einen Kommentarverzicht aus Protest über die neuen SZ-öffnungszeiten verständigt haben.
Ich respektiere den Schritt und bedauere seither den Verlust der Meinungsvielfalt und Qualität in den Foren
Paging