Detroit Motorshow 2005 Mr. Big und das große Zittern

Zwischen Verschwendung und neuer Vernunft: Der US-Automarkt bietet echte Herausforderungen.

Von Von Jörg Reichle

In der Einschätzung, was die Wachstumsmärkte der Zukunft sind, wissen sich die Autohersteller rund um den Globus einig: USA und Asien. Europa und der Rest der Welt? Bloß noch unter ferner liefen, das große Geld von morgen wird, wenn überhaupt, in der Neuen Welt gemacht.

ford explorer concept

Alles geht: Der Ford Explorer Sport Trac Concept zeigt, dass man Sport- und Lastwagen kreuzen kann.

(Foto: Foto: AP)

Mit entsprechendem Interesse schauen denn auch die deutschen Autobauer auf die Detroit Motor Show, die vom 9. bis 23. Januar in der um diese Jahreszeit traditionell eisig kalten Autometropole am Eriesee stattfindet.

Zumal die Trauben auf dem US-Markt nach wie vor hoch hängen. So gingen die Verkäufe der Deutschen zwischen Januar und November 2004 um 4,9 Prozent zurück, während beispielsweise die asiatische Konkurrenz aus Japan und Korea um 6,2 Prozent zulegte.

Besonders hart traf es Volkswagen: 15,8 Prozent Minus hatten die Wolfsburger in den ersten elf Monaten zu verkraften. Nur Porsche (plus 12,3 Prozent) und BMW (plus 5,9 Prozent) durften 2004 einigermaßen zufrieden sein.

Beliebte Asiaten

Dass der Marktanteil der Deutschen insgesamt nicht über 5,2 Prozent hinauskam, unterstreicht aber auch die wahren Größenverhältnisse, um die es hier geht. Die Asiaten lagen im Vergleichszeitraum bei 34,7 Prozent.

Flagge zeigen ist für die Deutschen also wichtig in Detroit. Mercedes, unter neuer Führung durch Eckhard Cordes, tut das in diesem Jahr allen voran. Die neue M-Klasse, die in Tuscaloosa/Alabama gebaut wird, feiert in Detroit nicht nur Weltpremiere, auch der Verkaufsstart im Sommer erfolgt erst in den USA und danach in Deutschland.

Nicht zuletzt im Design meint man, deutliche Spuren des amerikanischen Kundengeschmacks wahrzunehmen. Der Edel-Offroader ist zwar etwas niedriger geworden als der alte, doch ansonsten in allen Dimensionen gewachsen. Zusammen mit den schärferen Linien ergibt das ein betont bulliges Erscheinungsbild, gegen das die bisherige M-Klasse wie ein schmalbrüstiger Chorknabe wirkt.

Langes R für USA

Für den US-Markt besonders interessant sein dürfte auch die bis zu sechssitzige R-Klasse. Das Sports Tourer genannte Crossover-Modell, das vor allem innen mit reichlich cremefarbigem Leder und allgegenwärtigen Alu-Applikationen geradewegs auf den US-Geschmack zielt, ist in zwei Radständen lieferbar, und da Amerika nun mal auf das XXL-Format steht, misst R hier deutlich mehr als fünf Längen-Meter. Die kleinere B-Klasse soll im Frühjahr auf den Markt kommen, die R-Klasse erst Ende dieses Jahres.