Verteidigung und Flucht

Krieg in der Ukraine. Eine Dokumentation in Bildern.

Der neunte Tag

Die Ukraine wappnet sich mit allem, was ihr zur Verfügung steht, gegen weitere Angriffe.

In den vielen Gebieten des Landes wird weiter gekämpft, vor allem Städte stehen unter Beschuss. Auch ein Atomkraftwerk wurde angegriffen.

Von Jessy Asmus, Christian Helten und Christine Kokot

4. März 2022

Saporischschja

Nach Angaben der ukrainischen Regierung soll die russische Armee die Anlage von Europas größtem Atomkraftwerk in der Nähe der Großstadt Saporischschja beschossen haben. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij spricht von einem gezielten Beschuss durch russische Panzer.

Auf Videos von Kameras in und um das Kraftwerk sind Explosionen zu sehen. (Lesen Sie hier eine Analyse der Ereignisse und Folgen der Kämpfe um das AKW.)

Kiew

Der ukrainische Präsident Selenskij wendet sich in einer TV-Ansprache direkt an die russische Bevölkerung und ruft sie zum Protest gegen den Angriff auf das AKW Saporischschja auf. Nur Flugverbotszonen über seinem Land könnten sicherstellen, dass das russische Militär keine Atomanlagen bombardiere.

Moskau

Unterdessen sind in Russland mehr und mehr die Auswirkungen der Sanktionen und wirtschaftlichen Isolation zu spüren. Heute stoppte Ikea die Geschäfte mit Russland und Belarus. Der verheerende Krieg habe bereits enorme menschliche Auswirkungen gehabt, zudem führe er zu schweren Unterbrechungen der Lieferketten sowie des Handels, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. In Moskau löste das einen Ansturm auf die noch geöffneten Filialen aus.

Lange Schlangen bilden sich weiterhin auch an Geldautomaten, diese hier windet sich aus der kleinen Bankfiliale durch den benachbarten Supermarkt hindurch. Wegen des Wertverlustes des Rubels wollen viele Leute US-Dollar abheben, aus Angst, dass ihr Erspartes sonst bald nichts mehr wert sein könnte.

Charkiw

Verifizierbare Bilder dringen vor allem aus den Städten an die Öffentlichkeit, in denen sich noch Fotografen aufhalten. Zum Beispiel hier in Charkiw, wo die russischen Angriffe aus der Luft ihre Spuren hinterlassen haben. Aus kürzlich angeblich von russischen Truppen besetzten Städten wie Cherson im Süden gibt es zwar Social-Media-Posts, aber die sind schwer zu verifizieren. (Lesen Sie hier, wie die SZ solche Bilder prüft.)

Laut dem ukrainischen Militär haben die russischen Streitkräfte am Donnerstag „keine nennenswerten“ militärischen Fortschritte erzielt. Weiterhin sind Bilder von zerstörten zivilen Gebäuden zu sehen. (Lesen Sie hier, wo aktuell die Fronten verlaufen.)

Odessa

Die strategisch wichtige Hafenstadt im Süden wappnet sich für bevorstehende Angriffe. Es ist zu befürchten, dass es ihr bald ähnlich geht wie Mariupol weiter östlich. Die Stadt ist laut ihrem Bürgermeister eingekreist und wird beschossen. Man brauche militärische Unterstützung. Es gebe keine Wasserversorgung, Fernheizung oder Stromversorgung mehr. Auch die Lebensmittelvorräte gehen dem Bürgermeister zufolge zur Neige.

Kiew

Auch die Hauptstadt ist weiterhin Bombenangriffen ausgesetzt. Nach Darstellung des ukrainischen Militärs konzentrierten sich die russischen Einheiten darauf, den Nachschub für die eigenen Truppen sicherzustellen. Es soll aber einen weiteren, angeblich erfolglosen Versuch russischer Einheiten gegeben haben, Gostemol nahe Kiew einzunehmen.

Das Straßenbild ist in Kiew inzwischen vom Krieg geprägt: Überreste von Raketen liegen herum.

Die Bewohner stehen plötzlich vor dem Nichts. Sie verlieren von einem Moment auf den anderen ihr Zuhause wie dieser Mann, dessen Haus nach einem russischen Raketenangriff in Flammen steht.

Borodyanka

Dieses Haus in einem Ort etwa 50 Kilometer nordwestlich von Kiew wurde in der Mitte auseinandergerissen.

An den Bahnhöfen sind weiterhin Abschiedsszenen zu beobachten. Die ukrainischen Männer müssen bleiben, um im Krieg zu kämpfen, während Frauen und Kinder das Land verlassen und in einem Nachbarland Zuflucht suchen.

Lwiw

Nach wie vor ist der Hauptbahnhof von Lwiw (Lemberg) im Westen ein wichtiger Knotenpunkt für Menschen auf der Flucht. Freiwillige helfen den dort Gestrandeten mit Essen und heißem Wasser. Die Leute hacken Holz, um Feuer gegen die Kälte zu entfachen.

Korczowa, Polen

Die Solidarität, mit denen die Geflüchteten in den angrenzenden Ländern aufgenommen werden, ist groß. Mehr als eine Million Menschen haben die Ukraine bereits verlassen. Davide Martello, 40, möchte ihnen mit Musik ein wenig Hoffnung geben.

Kroscienko, Polen

Der größte Anteil der Flüchtlinge, 672 000 Menschen, hat über die polnische Grenze die Ukraine verlassen. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) inzwischen auf 1,25 Millionen.

Barcelona

Überall in Europa sammeln Menschen Hilfsgüter für die Ukraine.

Verteidigung und Flucht

Krieg in der Ukraine. Eine Dokumentation in Bildern.

Der neunte Tag

Die Ukraine wappnet sich mit allem, was ihr zur Verfügung steht, gegen weitere Angriffe.

In den vielen Gebieten des Landes wird weiter gekämpft, vor allem Städte stehen unter Beschuss. Auch ein Atomkraftwerk wurde angegriffen.

Von Jessy Asmus, Christian Helten und Christine Kokot

Saporischschja

Nach Angaben der ukrainischen Regierung soll die russische Armee die Anlage von Europas größtem Atomkraftwerk in der Nähe der Großstadt Saporischschja beschossen haben. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij spricht von einem gezielten Beschuss durch russische Panzer.

Auf Videos von Kameras in und um das Kraftwerk sind Explosionen zu sehen. (Lesen Sie hier eine Analyse der Ereignisse und Folgen der Kämpfe um das AKW.)

Kiew

Der ukrainische Präsident Selenskij wendet sich in einer TV-Ansprache direkt an die russische Bevölkerung und ruft sie zum Protest gegen den Angriff auf das AKW Saporischschja auf. Nur Flugverbotszonen über seinem Land könnten sicherstellen, dass das russische Militär keine Atomanlagen bombardiere.

Moskau

Unterdessen sind in Russland mehr und mehr die Auswirkungen der Sanktionen und wirtschaftlichen Isolation zu spüren. Heute stoppte Ikea die Geschäfte mit Russland und Belarus. Der verheerende Krieg habe bereits enorme menschliche Auswirkungen gehabt, zudem führe er zu schweren Unterbrechungen der Lieferketten sowie des Handels, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. In Moskau löste das einen Ansturm auf die noch geöffneten Filialen aus.

Lange Schlangen bilden sich weiterhin auch an Geldautomaten, diese hier windet sich aus der kleinen Bankfiliale durch den benachbarten Supermarkt hindurch. Wegen des Wertverlustes des Rubels wollen viele Leute US-Dollar abheben, aus Angst, dass ihr Erspartes sonst bald nichts mehr wert sein könnte.

Charkiw

Verifizierbare Bilder dringen vor allem aus den Städten an die Öffentlichkeit, in denen sich noch Fotografen aufhalten. Zum Beispiel hier in Charkiw, wo die russischen Angriffe aus der Luft ihre Spuren hinterlassen haben. Aus kürzlich angeblich von russischen Truppen besetzten Städten wie Cherson im Süden gibt es zwar Social-Media-Posts, aber die sind schwer zu verifizieren. (Lesen Sie hier, wie die SZ solche Bilder prüft.)

Laut dem ukrainischen Militär haben die russischen Streitkräfte am Donnerstag „keine nennenswerten“ militärischen Fortschritte erzielt. Weiterhin sind Bilder von zerstörten zivilen Gebäuden zu sehen. (Lesen Sie hier, wo aktuell die Fronten verlaufen.)

Odessa

Die strategisch wichtige Hafenstadt im Süden wappnet sich für bevorstehende Angriffe. Es ist zu befürchten, dass es ihr bald ähnlich geht wie Mariupol weiter östlich. Die Stadt ist laut ihrem Bürgermeister eingekreist und wird beschossen. Man brauche militärische Unterstützung. Es gebe keine Wasserversorgung, Fernheizung oder Stromversorgung mehr. Auch die Lebensmittelvorräte gehen dem Bürgermeister zufolge zur Neige.

Kiew

Auch die Hauptstadt ist weiterhin Bombenangriffen ausgesetzt. Nach Darstellung des ukrainischen Militärs konzentrierten sich die russischen Einheiten darauf, den Nachschub für die eigenen Truppen sicherzustellen. Es soll aber einen weiteren, angeblich erfolglosen Versuch russischer Einheiten gegeben haben, Gostemol nahe Kiew einzunehmen.

Das Straßenbild ist in Kiew inzwischen vom Krieg geprägt: Überreste von Raketen liegen herum.

Die Bewohner stehen plötzlich vor dem Nichts. Sie verlieren von einem Moment auf den anderen ihr Zuhause wie dieser Mann, dessen Haus nach einem russischen Raketenangriff in Flammen steht.

Borodyanka

Dieses Haus in einem Ort etwa 50 Kilometer nordwestlich von Kiew wurde in der Mitte auseinandergerissen.

An den Bahnhöfen sind weiterhin Abschiedsszenen zu beobachten. Die ukrainischen Männer müssen bleiben, um im Krieg zu kämpfen, während Frauen und Kinder das Land verlassen und in einem Nachbarland Zuflucht suchen.

Lwiw

Nach wie vor ist der Hauptbahnhof von Lwiw (Lemberg) im Westen ein wichtiger Knotenpunkt für Menschen auf der Flucht. Freiwillige helfen den dort Gestrandeten mit Essen und heißem Wasser. Die Leute hacken Holz, um Feuer gegen die Kälte zu entfachen.

Korczowa, Polen

Die Solidarität, mit denen die Geflüchteten in den angrenzenden Ländern aufgenommen werden, ist groß. Mehr als eine Million Menschen haben die Ukraine bereits verlassen. Davide Martello, 40, möchte ihnen mit Musik ein wenig Hoffnung geben.

Kroscienko, Polen

Der größte Anteil der Flüchtlinge, 672 000 Menschen, hat über die polnische Grenze die Ukraine verlassen. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) inzwischen auf 1,25 Millionen.

Barcelona

Überall in Europa sammeln Menschen Hilfsgüter für die Ukraine.

Team
Text und digitales Storytelling Christian Helten
Bildredaktion Christine Kokot