Flucht und Zuflucht

Der Krieg in der Ukraine. Eine Dokumentation in Bildern.

Der vierte Tag

Vier Tage Krieg, vier Nächte voller Angst: Während am Stadtrand Raketen detonieren, suchen viele Menschen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew Zuflucht im Untergrund - wie hier in der Tiefgarage eines Hotels.

Andere bringen sich und ihre Liebsten in Sicherheit, mehr als Hunderttausend Ukrainer haben das Land schon verlassen.

Von Wolfgang Jaschensky

26. Februar 2022 - 5 Min. Lesezeit

Kiew

Die ukrainische Hauptstadt am frühen Morgen. Kaum Menschen, kaum Autos sind auf den Straßen. Die Regierung hat eine Ausgangssperre verhängt.

Am Horizont, wie an jedem Morgen, Rauch. Russische Streitkräfte fliegen Luftangriffe und bombardieren ukrainische Stellungen am Stadtrand von Kiew. Sie stoßen jedoch auf erbitterten Widerstand von ukrainischen Soldaten.

Wassylkiw

Südwestlich von Kiew haben russische Raketen ein Ölterminal getroffen. Die Behörden warnen die Bewohner von Wassylkiw vor giftigen Dämpfen.

In der Nähe des Ölterminals beobachten ukrainische Soldaten den Brand vom Militärflughafen in Wassylkiw.

Der Reuters-Fotograf Maksim Levin begleitet hier die ukrainischen Truppen. Informationen und Bilder von russischen Truppen können westliche Journalisten derzeit jedoch kaum bekommen.

Lugansk

Bilder entstehen vor allem, wenn das ukrainische Militär Erfolge feiert, wie hier den Abschuss eines russischen Panzers in der Region Lugansk.

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs seien die russischen Soldaten, bei denen es sich vor allem um junge Rekruten handle, erschöpft wegen der vorangegangenen Manöver. Moral und psychologischer Zustand seien schlecht. Es gebe erste Berichte über Desertationen von Soldaten, die sich weigerten, gegen die Ukraine zu kämpfen.

Einige Gefangene sagten ukrainischen Medien zufolge, sie seien für ein Manöver abkommandiert gewesen und hätten sich dann in einem Krieg wiedergefunden. Überprüfbar sind diese Angaben bisher nicht.

Dass es um die Moral in der ukrainischen Truppe derzeit offenbar besser bestellt ist, dafür dürfte auch dieser Mann mitverantwortlich sein: Der ukrainische Präsident spricht jeden Tag in Videobotschaften zu seinem Volk - und zu den Angreifern.

Diesmal richtete er sich direkt an Ukraines nördlichen Nachbarn, Weißrussland. "Von Ihrem Gebiet aus schießen die Truppen der Russischen Föderation Raketen auf die Ukraine“, sagt Selenskij. "Von Ihrem Gebiet aus werden unsere Kinder getötet und unsere Häuser zerstört."

Selenskyj ruft in seiner Ansprache die Menschen in Belarus dazu auf, sich klar zu positionieren. "Wir sind Ihre Nachbarn. Wir sind Ukrainer. Seien Sie Belarus - und nicht Russland!"

Moskau

Am Nachmittag kommt dann eine weitere Eskalation des Konflikts aus Moskau. Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt im Staatsfernsehen, er habe die Nuklearstreitkräfte seines Landes in Alarmbereitschaft versetzt. Als Grund dafür gab er die Wirtschaftssanktionen des Westens sowie das angeblich aggressive Verhalten der Nato an. "Die Spitzenpersönlichkeiten der führenden Nato-Staaten lassen aggressive Äußerungen gegen unser Land zu, deshalb befehle ich dem Verteidigungsminister und dem Chef des Generalstabs, die Abschreckungsstreitkräfte der russischen Armee in Alarmbereitschaft zu versetzen."

Kiew

Zurück nach Kiew, zu den Menschen, die unter der ständigen Angst leben, von russischen Raketen getroffen zu werden. Dieses Paar hat mitsamt ihren Hunden Zuflucht in einer Tiefgarage gefunden.

Diese Frau mit ihrem Kind in einer U-Bahnstation.

Prezmysl, Polen

Wie schon in den Tagen zuvor fliehen weiter viele Ukrainer in die Nachbarländer. Einer der Hotspots: die polnische Grenzstadt Prezmysl. Von hier aus dürfen ukrainische Flüchtlinge umsonst weiter reisen - die Bahn gewährt ihnen kostenlosen Transport im gesamten Land.

Medyka

In Medyka, dem Dorf östlich von Prezmysl, direkt an der Grenze zur Ukraine, wurden viele Flüchtlinge bereits mit warmer Kleidung und Lebensmitteln versorgt.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass 368 000 Menschen in die Nachbarländer geflohen sind, hinzu kommen 160 000 Flüchtlinge innerhalb der Ukraine. Vermutlich sind es aber noch viel mehr.

Siret, Rumänien

Auch in Rumänien ist die Hilfsbereitschaft groß. In einem Hotel in der Grenzstadt Siret hat ein Hotel den Versammlungsraum zum Matratzenlager für die geflüchteten Ukrainer umgebaut.

Von Siret aus bringen Busse die Flüchtlinge weiter in andere Teile des Landes. Die Behörden in der Ukraine befürchten bis zu fünf Millionen Flüchtende. Der Krieg gegen die Ukraine könnte sich zu einer der größten Flüchtlingskrisen der Gegenwart entwickeln, hatte die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield gewarnt.

Berlin

Erstmals in seiner Geschichte tagt der Deutsche Bundestag an einem Sonntag. Erstmals geht es um einen Angriffskrieg in Europa, der auch die Sicherheit Deutschlands bedroht. Hier erhält Andrij Melnyk, der ukrainische Botschafter, stehende Ovationen. In seiner anschließenden Rede wird Bundeskanzler Olaf Scholz sagen: "Wir stehen ohne Wenn und Aber zu unserer Bündnisverpflichtung". Denn "wir müssen verhindern, dass Putins Krieg auf andere Länder ausgreift". Putin solle an Deutschlands Entschlossenheit nicht zweifeln. Deutschland und die Nato würden jeden Quadratmeter verteidigen. Dabei gehe es nicht nur um die Nachbarn. Es gehe um die Verteidigung "unserer Demokratie und Werte".

Dafür gehen auch Hunderttausende Demonstranten zur gleichen Zeit, nur ein paar hundert Meter vom Reichstag entfernt, auf die Straße.

New York

Der russische Feldzug gegen die Ukraine treibt überall auf der Welt Menschen auf die Straße. Hier am Times Square in New York, oder...

Lissabon

... hier vor dem Nationalpalast von Belem ...

Mailand

... oder in Norditaliens Metropole Mailand. "Stoppt Putin! Stoppt den Krieg!" - die Slogans waren rund um den Globus immer wieder dieselben, eine Welt vereint in der Ablehnung eines völkerrechtswidrigen Krieges.

Flucht und Zuflucht

Der Krieg in der Ukraine. Eine Dokumentation in Bildern.

Der vierte Tag

Vier Tage Krieg, vier Nächte voller Angst: Während am Stadtrand Raketen detonieren, suchen viele Menschen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew Zuflucht im Untergrund - wie hier in der Tiefgarage eines Hotels.

Andere bringen sich und ihre Liebsten in Sicherheit, mehr als Hunderttausend Ukrainer haben das Land schon verlassen.

Von Wolfgang Jaschensky

Kiew

Die ukrainische Hauptstadt am frühen Morgen. Kaum Menschen, kaum Autos sind auf den Straßen. Die Regierung hat eine Ausgangssperre verhängt.

Am Horizont, wie an jedem Morgen, Rauch. Russische Streitkräfte fliegen Luftangriffe und bombardieren ukrainische Stellungen am Stadtrand von Kiew. Sie stoßen jedoch auf erbitterten Widerstand von ukrainischen Soldaten.

Wassylkiw

Südwestlich von Kiew haben russische Raketen ein Ölterminal getroffen. Die Behörden warnen die Bewohner von Wassylkiw vor giftigen Dämpfen.

In der Nähe des Ölterminals beobachten ukrainische Soldaten den Brand vom Militärflughafen in Wassylkiw.

Der Reuters-Fotograf Maksim Levin begleitet hier die ukrainischen Truppen. Informationen und Bilder von russischen Truppen können westliche Journalisten derzeit jedoch kaum bekommen.

Lugansk

Bilder entstehen vor allem, wenn das ukrainische Militär Erfolge feiert, wie hier den Abschuss eines russischen Panzers in der Region Lugansk.

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs seien die russischen Soldaten, bei denen es sich vor allem um junge Rekruten handle, erschöpft wegen der vorangegangenen Manöver. Moral und psychologischer Zustand seien schlecht. Es gebe erste Berichte über Desertationen von Soldaten, die sich weigerten, gegen die Ukraine zu kämpfen.

Einige Gefangene sagten ukrainischen Medien zufolge, sie seien für ein Manöver abkommandiert gewesen und hätten sich dann in einem Krieg wiedergefunden. Überprüfbar sind diese Angaben bisher nicht.

Dass es um die Moral in der ukrainischen Truppe derzeit offenbar besser bestellt ist, dafür dürfte auch dieser Mann mitverantwortlich sein: Der ukrainische Präsident spricht jeden Tag in Videobotschaften zu seinem Volk - und zu den Angreifern.

Diesmal richtete er sich direkt an Ukraines nördlichen Nachbarn, Weißrussland. "Von Ihrem Gebiet aus schießen die Truppen der Russischen Föderation Raketen auf die Ukraine“, sagt Selenskij. "Von Ihrem Gebiet aus werden unsere Kinder getötet und unsere Häuser zerstört."

Selenskyj ruft in seiner Ansprache die Menschen in Belarus dazu auf, sich klar zu positionieren. "Wir sind Ihre Nachbarn. Wir sind Ukrainer. Seien Sie Belarus - und nicht Russland!"

Moskau

Am Nachmittag kommt dann eine weitere Eskalation des Konflikts aus Moskau. Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt im Staatsfernsehen, er habe die Nuklearstreitkräfte seines Landes in Alarmbereitschaft versetzt. Als Grund dafür gab er die Wirtschaftssanktionen des Westens sowie das angeblich aggressive Verhalten der Nato an. "Die Spitzenpersönlichkeiten der führenden Nato-Staaten lassen aggressive Äußerungen gegen unser Land zu, deshalb befehle ich dem Verteidigungsminister und dem Chef des Generalstabs, die Abschreckungsstreitkräfte der russischen Armee in Alarmbereitschaft zu versetzen."

Kiew

Zurück nach Kiew, zu den Menschen, die unter der ständigen Angst leben, von russischen Raketen getroffen zu werden. Dieses Paar hat mitsamt ihren Hunden Zuflucht in einer Tiefgarage gefunden.

Diese Frau mit ihrem Kind in einer U-Bahnstation.

Prezmysl, Polen

Wie schon in den Tagen zuvor fliehen weiter viele Ukrainer in die Nachbarländer. Einer der Hotspots: die polnische Grenzstadt Prezmysl. Von hier aus dürfen ukrainische Flüchtlinge umsonst weiter reisen - die Bahn gewährt ihnen kostenlosen Transport im gesamten Land.

Medyka

In Medyka, dem Dorf östlich von Prezmysl, direkt an der Grenze zur Ukraine, wurden viele Flüchtlinge bereits mit warmer Kleidung und Lebensmitteln versorgt.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass 368 000 Menschen in die Nachbarländer geflohen sind, hinzu kommen 160 000 Flüchtlinge innerhalb der Ukraine. Vermutlich sind es aber noch viel mehr.

Siret, Rumänien

Auch in Rumänien ist die Hilfsbereitschaft groß. In einem Hotel in der Grenzstadt Siret hat ein Hotel den Versammlungsraum zum Matratzenlager für die geflüchteten Ukrainer umgebaut.

Von Siret aus bringen Busse die Flüchtlinge weiter in andere Teile des Landes. Die Behörden in der Ukraine befürchten bis zu fünf Millionen Flüchtende. Der Krieg gegen die Ukraine könnte sich zu einer der größten Flüchtlingskrisen der Gegenwart entwickeln, hatte die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield gewarnt.

Berlin

Erstmals in seiner Geschichte tagt der Deutsche Bundestag an einem Sonntag. Erstmals geht es um einen Angriffskrieg in Europa, der auch die Sicherheit Deutschlands bedroht. Hier erhält Andrij Melnyk, der ukrainische Botschafter, stehende Ovationen. In seiner anschließenden Rede wird Bundeskanzler Olaf Scholz sagen: "Wir stehen ohne Wenn und Aber zu unserer Bündnisverpflichtung". Denn "wir müssen verhindern, dass Putins Krieg auf andere Länder ausgreift". Putin solle an Deutschlands Entschlossenheit nicht zweifeln. Deutschland und die Nato würden jeden Quadratmeter verteidigen. Dabei gehe es nicht nur um die Nachbarn. Es gehe um die Verteidigung "unserer Demokratie und Werte".

Dafür gehen auch Hunderttausende Demonstranten zur gleichen Zeit, nur ein paar hundert Meter vom Reichstag entfernt, auf die Straße.

New York

Der russische Feldzug gegen die Ukraine treibt überall auf der Welt Menschen auf die Straße. Hier am Times Square in New York, oder...

Lissabon

... hier vor dem Nationalpalast von Belem ...

Mailand

... oder in Norditaliens Metropole Mailand. "Stoppt Putin! Stoppt den Krieg!" - die Slogans waren rund um den Globus immer wieder dieselben, eine Welt vereint in der Ablehnung eines völkerrechtswidrigen Krieges.