Süddeutsche Zeitung

Klassikfestival:Musik für die Zukunft

Zum "Festival der Nationen" in Bad Wörishofen sind wieder viele Stars der Klassikszene eingeladen. Doch besonders Kindern gilt in diesem Jahr die Aufmerksamkeit.

Von Rosanna Großmann, Bad Wörishofen

Das alte Rock'n'Roller-Motto "Live fast, die young" trifft auch auf den noch viel älteren Wolfgang Amadeus Mozart zu. Der verstarb schon vor 230 Jahren recht jung und hinterließ dennoch ein Gesamtwerk, das mehr als ein ganzen Leben füllen würde. Seine Zeitgenossen überforderte er noch bisweilen, heute würde kaum einer noch einmal zu behaupten, Mozarts Kompositionen wiesen zu viele Noten auf. Beim "Festival der Nationen" in Bad Wörishofen wird vom 24. September bis zum 2. Oktober neben den Werken anderer Komponisten auch viel Mozart zu hören sein, um ihm feierlich zu gedenken. Angekündigt sind unter anderem die Klarinettistin Sabine Meyer, die Sopranistin Diana Damrau, die Piano-Schwestern Gvantsa und Khatia Buniatishvili und ein Arienabend mit der Sopranistin Olga Peretyatko. Bereits am 5. September gab es ein Sonderkonzert mit Anne-Sophie Mutter.

2020 fand das Festival als eines der wenigen im ersten Coronajahr statt, wenn auch unter Einschränkungen, erzählt Intendant Winfried Roch. Anders 2021: "Jetzt ist wieder eine volle Besetzung mit knapp 80 Musikern und Musikerinnen möglich, und wir freuen uns, auch keine Bläser mehr Zuhause lassen zu müssen!" Fast alle Konzerte finden zweimal statt, um dem im Schachbrettmuster gesetzten Publikum Platz zu bieten. Einen besonderen Schwerpunkt legen die Organisatoren des Fests im Allgäu auf die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen und die Erweiterung ihrer jungen Festivalfamilie: "Wir wollen versuchen, ihnen die spannende Welt der Klassik näher zu bringen", so Roch, "fast 1000 Kinder nehmen in diesem Jahr teil." Unter anderem bei einem Konzert des Pianisten Fazil Say, der gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendorchester des Festivals auftritt - dort spielen junge Menschen im Alter von elf bis 17 Jahren mit, die aus ganz Bayern zusammenkommen. Auch "Classic for Kids" bietet einen kindgerechten Zugang, in diesem Jahr zu Mozarts wohl berühmtester Oper, der Zauberflöte. "Für Jugendliche ist es in diesen Zeiten ein sehr wichtiges Signal zu zeigen, dass Kultur eine Zukunft hat", gemahnt Roch eindringlich.

Nigel Kennedy präsentiert sein erstes selbst komponiertes Violinkonzert

Zu übernehmende Eintrittskarten-Patenschaften ermöglichen auch Kindern den Zugang zur Musik, deren Eltern mit der Klassik nicht so vertraut sind oder sich keine Konzertkarten leisten können. Durch die Begegnung mit Weltstars der Klassik sollen Impulse geschaffen werden; die Lust an der Musik soll geweckt werden. Auf dem Programm stehen des Weiteren ein Eröffnungskonzert mit der Pianistin Beatrice Rana, die sich neben Mozart auch Ludwig van Beethoven widmet. Von diesem Zeitgenossen Mozarts ließ sich ebenfalls der Violinist Nigel Kennedy inspirieren: Beim Festival der Nationen präsentiert er sein erstes selbst komponiertes Violinkonzert. "Kennedy hat versucht zu fühlen, wie es wäre, wenn Beethoven in der heutigen Zeit gelebt hätte", schwärmt Intendant Roch. "Wie würde das dann klingen?" Im großen Saal des Bad Wörishofener Chorhauses wird man es hören können.

Festival der Nationen, 24.9. bis 2.10., Bad Wörishofen, Programm unter www.festivaldernationen.de

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