Süddeutsche Zeitung

Bundesliga:Elf furiose Minuten auf Schalke

Die Eintracht verliert spektakulär beim Absteiger. Am letzten Spieltag müssen Bielefeld, Bremen und Köln zittern. Das Wichtigste zum 33. Spieltag in der Übersicht.

Von Thomas Gröbner, Barbara Klimke und Martin Schneider

FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt 4:3 (1:1), Tore: 1:0 Klaas-Jan Huntelaar (15.), 1:1 Andre Silva (29.), 1:2 Evan N'Dicka (51.), 2:2 Blendi Idrizi (52.), 3:2 Florian Flick (60.), 4:2 Matthew Hoppe (64.), 4:3 Andre Silva (72.)

Großer Kampf, feines Kombinationsspiel? Hat der FC Schalke 04 alles im Programm: Mit einem würdevollen 4:3 gegen Frankfurt hat sich der Absteiger in seinem vorerst letzten Bundesliga-Heimspiel aus der Arena in Gelsenkirchen verabschiedet. Frankfurts Chancen auf einen Champions-League-Platz sind damit so gut wie versiegt.

Schalkes Trainer Dimitrios Grammozis hatte Aydin für Kolasinac (Gelbsperre) aufgeboten, und die Gelsenkirchener legten vor: Tuta ließ Harit im Sechzehner nach einer Viertelstunde über sein Bein stolpern, den Elfmeter verwandelte Huntelaar im Nachschuss. Frankfurt glich durch Silva aus, ging nach der Pause durch N'Dicka sogar in Führung, dessen Kopfball vom Schalker Salif Sané noch ins eigenen Tor abgefälscht wurde (51.). Aber dann folgten Schalkes furiose elf Minuten: eine Gala, als ob das Team noch einmal an seine glorreichsten Zeiten erinnern wollte. Huntelaar verlängerte einen Pass aus dem Mittelfeld auf Idrizis, der ins Eck traf (52.). Dann ließ Flick mit einem Rechtsschuss (60.) Frankfurts Keeper keine Chance. Hoppe markierte das 4:2 - ehe erneut Silva für Frankfurt traf.

Die Eintracht verharrt vor dem letzten Spieltag mit 57 Punkten auf Platz fünf hinter Wolfsburg (60) und Dortmund (58). Und dass auch Frankfurt einen historischen Torrekord verzeichnen durfte - Silva übertraf die 26-Treffer-Bestmarke von Bernd Hölzenbein aus der Saison 1976/77 - dürfte wenig Trost gewesen sein.

Hertha BSC - 1. FC Köln 0:0 (0:0)

Mit dem schlimmsten Szenario im Nacken spielt es sich nicht leicht, und der 1. FC Köln wusste: Wenn es schlecht läuft, dann kann das hier und heute alles schon zu Ende sein. Immerhin: Der direkte Abstieg blieb ihnen erspart, aber die Lage am Rhein ist alles andere als rosig, Hertha hat den Ligaverbleib dagegen sicher.

Köln übernahm zu Beginn des Spiels die Initiative - klar, sie mussten punkten, Hertha leistete sich den Luxus des Abwartens. Viel kam dabei auf beiden Seiten nicht heraus. Elvis Rexhbecaj hatte eine Schusschance, danach rettete FC-Torwart Timo Horn zweimal, es ging mit 0:0 in die Pause. Hertha trat ersatzgeschwächt an, bei Köln fehlte vor allem Kapitän Jonas Hector und so lief dann auch die zweite Halbzeit: Berlin wusste wahrscheinlich, dass ein Remis reichen würde, und Köln hatte große Probleme mit der Offensive. Ein Tor muss der FC nun am letzten Spieltag im Heimspiel gegen den Tabellenletzten Schalke erzielen - und hoffen, dass Bielefeld und Bremen nicht gewinnen. Sonst geht es in die zweite Liga.

FC Augsburg - Werder Bremen 2:0 (0:0), Tore: 1:0 Rani Khedria (57.), 2:0 Daniel Caligiuri (90., Foulelfmeter)

Existenzialisten und Freunde von Endzeitstimmung dürften wieder Freude haben an der Vorstellung von Werder Bremen, wieder balanciert Trainer Florian Kohfeldt mit seiner Mannschaft am Abgrund entlang. Dabei schien Augsburg erstmal gnädig zu sein mit Werder: Schon nach zwölf Minuten leistete sich der Augsburger Ruben Vargas fernab vom Ball einen Tritt gegen Theodor Gebre Selassie, der dem Videoschiedsrichter nicht entgangen war. Rot für Vargas, der seinen Gegenspieler gar nicht getroffen hatte - doch auch der Versuch einer Tätlichkeit ist strafbar.

Und was fing Bremen an mit der Überzahl? Erst mal nicht viel, ohne Tore ging es in die Pause. Und schnell war der Vorteil auch wieder dahin: Es wurde nun Zehn gegen Zehn gespielt, nach einer gelb-roten Karte für Mittelfeldmann Christian Groß.

Und dann der nächste Schock: nach Ping Pong im Strafraum traf Rani Khedira für den FCA, mitten ins Herz der Bremer, denen die Beine zu zittern schienen und die sich kaum mehr befreien konnten in den letzten Minuten. Daniel Caligiuri machte per Elfmeter dann den sogenannten Deckel drauf.

Gleich im ersten Heimspiel für FCA-Trainer Markus Weinzierl gelingt die Rettung. Immerhin: Die Hoffnung der Bremer bleibt bestehen, bis zum Schluss, sie bleiben auf dem Relegationsplatz. Gegen Gladbach muss Werder am 34. Spieltag aber dringend punkten, sonst droht bei einem Sieg der Kölner sogar der direkte Abstieg.

Arminia Bielefeld - TSG Hoffenheim 1:1 (1:1), Tore: 0:1 Andrej Kramaric (5.), 1:1 Andreas Voglsammer (23.)

Wenn man die Arminen vor der Saison gefragt hätte, wie sie es denn finden würden, am 34. Spieltag noch gute Chancen auf den Klassenverbleib zu haben, die Antwort wäre eine freudige gewesen. Der Bundesligist mit dem kleinsten Etat war erster Tipp für Tabellenplatz 18. Nun hat Bielefeld am letzten Spieltag in Stuttgart noch alles selbst in der Hand, mit einem Sieg bleiben sie in der Liga - doch es hätte gegen Hoffenheim sogar besser laufen können.

Nach einem eigenen Eckball konterte die TSG zunächst und Andrej Kramaric erzielte sein 19. Saisontor, Andreas Voglsammer glich per gezwirbeltem Fußgelenksfreistoß über die Mauer ins kurze Eck aus. Und Voglsammer hätte noch eins drauf setzen können - doch als er nach einem Fehler der TSG völlig frei zum Schuss kam, parierte Torhüter Philipp Pentke mit dem Hintern. Kurz darauf hatten er und Fabian Klos erneut die Chance zum 2:1 - wieder hielt Pentke stark, ehe Pavel Kaderabek rettete.

SC Freiburg - FC Bayern München 2:2 (1:1), Tore: 0:1 Robert Lewandowski (Foulelfmeter, 26.), 1:1 Manuel Gulde (29.), 1:2 Leroy Sané (53.), 2:2 Christian Günter (81.)

Die Frage in diesem Spiel war ja vor allem, wer Robert Lewandowski das 40. Saisontor auflegen würde, mit dem er den ewigen Rekord von Gerd Müller einstellen könnte. Die Blumen dafür dürfte Lewandowski an Lukas Kübler schicken, der mit einer tollpatschigen Umarmung gegen Thomas Müller dem Münchnern einen Elfmeter bescherte, den - natürlich - Lewandowski verwandelte (26.). Damit zog der Pole mit Gerd Müller gleich, zur Feier gab es einen Spalier für den Angreifer, inklusive T-Shirt-Gruß an den Münchner Ur-Stürmer.

Weil die Bayern danach auch den Freiburgern Spalier standen beim Eckball, konnte Manuel Gulde zum Ausgleich einköpfen. Das dürfte wohl ausschließlich Torhüter Alexander Nübel nerven, der als erste Amtshandlung für die Münchner in der Bundesliga den Ball aus dem Netz fischte. Ein Moment, der gegen die Rekord-Jagd von Lewandowski verblasste, doch statt Lewandowski traf Leroy Sané (52.), und Christian Günter zum Ausgleich (81.). Dem Mann mit der Neun auf den Rücken blieb tatsächlich ein weiterer Treffer versagt, auch weil er 30 Zentimeter vor der Linie den Ball mit dem Oberschenkel nicht im Tor unterbrachte. Und so bleibt noch ein Spiel, in dem Lewandowski eine außergewöhnliche Saison mit einem Eintrag in die Fußball-Geschichtsbücher krönen könnte.

Borussia Mönchengladbach - VfB Stuttgart 1:2 (1:0), Tore: 1:0 Lars Stindl (45.), 1:1 Wataru Endo (73.), 1:2 Sasa Kalajdzic (77.)

Vielleicht waren die Gladbacher schon in der Sommerpause, es lief ja alles wie am Schnürchen: Stindl traf nach toller Vorarbeit von Christoph Kramer zur Führung kurz vor der Pause. Doch den laxen Sommerfußball der Gladbacher bestrafte der VfB: Wataru Endo traf per Distanzschuss zum Ausgleich, und dann haben sie in Stuttgart ja noch diesen Sasa Kalajdzic, der die Stuttgarter sogar wieder in die Nähe des internationalen Geschäfts bringt (78.).

Bayer 04 Leverkusen - Union Berlin 1:1 (1:0), Tore: 1:0 Florian Wirtz (26.), 1:1 Joel Pohjanpalo (72.)

Um viel ging es nicht mehr in diesem Spiel, vielleicht noch um die goldenen Flug-Mango, die den Berlinern deutlich besser schmecken dürfte. Immerhin winkte den Eisernen ein sportliches Interrail-Ticket durch Europa, falls sie sich für die Conference League qualifizieren, einen neuen drittklassigen internationalen Wettbewerb. Union drückte, doch die Leverkusener blieben unbeeindruckt und gingen in Führung: Florian Wirtz drückte am zweiten Pfosten einen abgefälschten Ball über die Linie (26.). Aber es war nun ausgerechnet Urs Fischers Joker Joel Pohjanpalo, die Leihgabe aus Leverkusen, die den Traum vom Europa nun weiter am Leben hält für die Eisernen: Seinen wuchtigen Kopfball konnte Hradecky noch abwehren, den Abstauber verwandelte der Finne höchstpersönlich.

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