Süddeutsche Zeitung

Promi-Rankings:Das Maß aller Stars

Die Welt wird unübersichtlicher, zum Glück gibt es Statistiken, Bestenlisten und Rankings. Wie absurd diese sind, merkt man oft erst auf den zweiten Blick.

Franziska Seng

Ohne Rankings geht nichts mehr. Heute muss sich alles und jeder regelmäßig messen lassen. Das gilt nicht nur für EU-Staaten, Hochschulen und Unternehmen, sondern auch für Polit-Stars, Denker und Künstler, für Steve Jobs, den Papst oder Victoria Beckham.

Kein Wunder, dass sich Top- und Flop-Listen mittlerweile großer Beliebtheit erfreuen. Soeben wählten nun die deutschen Leser des Männermagazins FHM die 28-jährige Moderatorin Collien Fernandes zur "Sexiest Woman in the World". Auch Überraschungen wie Grand-Prix-Teilnehmerin Lena Meyer-Landrut (Platz 13) oder Familienministerin Kristina Schröder (Platz 41) landeten auf der Liste der FHM-Top-100. Schlusslicht der Liste wurde, wie schon im verganenen Jahr, Germany's-Next-Topmodel-Einpeitscherin Heidi Klum.

Mutter aller Top-100-Listen ist die "Time 100", die im Jahr 1999 zum ersten Mal erschien. Dort werden die 100 einflussreichsten Personen eines Jahres vom amerikanischen Time Magazine aufgestellt. Ursprünglich als einmalige Auflistung gedacht, urteilten Persönlichkeiten wie der CBS-Anchorman Dan Rather oder Condoleezza Rice über die 100 einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts. Aufgrund des großen Erfolgs werden jedoch seit 2004 jedes Jahr in den vier Kategorien "Leader", "Heroes", "Artists" und "Thinkers" jeweils die 25 Einflussreichsten ihrer Sparte benannt. Auch Rankings zu anderen Kategorien erfreuen sich großer Beliebtheit - auch wenn in dem ganzen Wirrwarr aus Willkür und sich widersprechenden Kriterien niemand mehr weiß: Welcher dieser ganzen Promis ist denn nun wirklich wichtig?

Die wichtigsten Ranking-Listen und deren skurrilste Ergebnisse haben wir auf den folgenden Seiten gesammelt.

Die ultimativ besten und schlechtesten

Da wären einmal die Top-Listen der am besten und schlechtesten gekleideten Frauen, Männer und Pärchen. Dann erfolgen jährlich die Wahlen des "Sexiest Man Alive" des People Magazines sowie der "Sexiest Woman Alive" im Esquire . Sie sollen helfen bei der schwierigen Entscheidung, welches Pin-up wir uns in diesem Jahr an den PC-Bildschirm heften sollen: nämlich Johnny Depp und Kate Beckinsale.

Gerne erscheinen auch immer wieder ultimative Listen: Die Leser des Empire Magazines etwa erkoren im Februar den Film Batman und Robin zum "Worst Film of all Time".

Rankings zum Allerheiligsten des Mannes

Auch vor dem Stolz und Allerheiligsten vieler Männer macht der Ranking-Wahn nicht halt: Businessweek wählte den AMC Pacer zum hässlichsten Auto aller Zeiten, das gleiche Modell landete außerdem bei der Time-Liste der 50 schlechtesten Autos aller Zeiten auf Platz sieben. Gleichzeitig besitzt das auch "rollendes Aquarium" genannte Vehikel unter Sammlern heute Kultstatus: Er sieht einfach wahnsinnig gaga aus.

Eine zweifelhafte Auszeichnung

"Gaga" ist überhaupt das richtige Wort, um die scheinbar hemmungslose Willkür zu bezeichnen, mit der Juroren bei ihrer Wahl vorgehen. Die Liste der "Best dressed Women" des Glamour Magazines etwa führt in diesem Jahr die britische Popsängerin Cheryl Cole an. Und wer steht in Glamour auf Platz fünf der Liste der "Worst dressed Women"? Genau: ebenfalls Cheryl Cole. Wen wählt Glamour auf Platz zwei der bestgekleideten Frauen? Popsänerin Rihanna. Wer steht auf Platz vier der am schlechtesten Gekleideten? Ja, richtig, Rihanna.

Dauergast in Mode-Rankings

Dauergast dieser Rankings ist natürlich Victoria Beckham, die, wenn sie es auch seit Jahren nicht mehr in die Musikcharts schafft, doch immerhin seit mehr als einem Jahrzehnt sowohl "Best-" als auch "Worst-dressed"-Listen ziert. Aktuell belegt sie bei Glamour Platz acht der "Best-dressed"-Liste, mit Gatte David hat sie es sogar auf das Treppchen geschafft: Sie sind Zweite in der Kategorie "Worst dressed Couple". Vielleicht kann man sagen, dass Victoria Beckham der AMC Pacer der Popgeschichte ist. Extrem daneben und deswegen wieder gut.

Der Papst und Oprah Winfrey

Wie aussagekräftig sind also die vielen Top-Listen mit ihren Champions und Losern? Vielleicht ist es bei Rankings, die jeweils nur einen kleinen Ausschnitt abbilden, wie im richtigen Leben: Es kommt nicht darauf an, stets in einer Disziplin der Erste, sondern möglichst flexibel und gut vernetzt zu sein. Als Leser gilt es, sich nicht auf die Ergebnisse eines Rankings zu verlassen, sondern Querverbindungen zu schaffen, um den wahren Stellenwert eines Promis erkennen zu können. So erscheint es nicht mehr ausreichend, einfach nur oft genug auf der Time-100-Liste aufzutauchen, wie etwa Papst Benedikt XVI. (dreimal), Steve Jobs (fünfmal) oder Oprah Winfrey (achtmal). Es kommt darauf an, in welchen Listen man noch erscheint. Welche der Time-100-Promis auch in anderen Rankings auftauchen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Facettenreiche Persönlichkeiten

Angelina Jolie zum Beispiel. Sie war 2006 und 2008 auf der Time-100-Liste zu finden, doch nicht nur dort. In diesem Jahr ist es ihr gelungen, in der Glamour auf Platz 23 der "Best dressed Woman" und mit Brad Pitt auf Platz fünf der "Worst dressed Couples" zu landen. Aufgrund ihrer sexuellen Eskapaden und ihres Images als leidenschaftliche Multi-Mama wurde sie von Internet-Usern als gutes als auch schlechtes Vorbild gewählt. Sie hat einen Oscar gewonnen, war viermal für das Gegenstück "The Golden Raspberry for Worst Actress" nominiert und 2004 "Sexiest Woman Alive".

Rebellinnen haben gute Chancen

Und wie der AMC Pacer bereits gezeigt hat: Gaga sein hilft. So steht Lady Gaga auf der Time-100-Liste in der Sparte "Artists" auf Platz eins. Natürlich ist sie gleichzeitig ganz weit vorne auf der diesjährigen "Worst-Dressed"-Liste, nur Katie Price kleidet sich noch geschmackloser. Gleichzeitig wählte sie das People Magazine im vergangenen Herbst zum "Year's best Fashion Rebel".

Der König aller Rankings

König aller Rankings ist George Clooney. Viermal auf der Time-100-Liste, steht er noch vor Angela Merkel, dem Papst und dem Dalai Lama. Mittlerweile hat er sich auch einen Platz in der ewigen Vanity-Fair-Hall-of-Fame als "Best dressed Actor" gesichert. Zweimal wurde der Oscarpreisträger zum "Sexiest Man Alive" gewählt. Und nicht zu vergessen: Er ist Hauptdarsteller in Batman und Robin - dem schlechtesten Film aller Zeiten.

Alle Rankings und Bewertungen, so zeigen diese Beispiele, sind relativ. Der Entdecker der Relativitätstheorie übrigens, Albert Einstein, war ein Spätentwickler, der erst im Alter von drei Jahren zu sprechen begann, im Jahr 1999 jedoch trotzdem zum größten Physiker aller Zeiten gewählt wurde.

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