Süddeutsche Zeitung

Deutsche Bank:Verdi kritisiert geplante Filialschließungen bei der Postbank scharf

Die Deutsche Bank will die Zahl der Postbank-Filialen fast halbieren. Bei der Gewerkschaft hält man nichts davon. "Kaputtsparen" allein sei noch keine Strategie.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Die geplanten Filialschließungen bei der Postbank rufen nun auch die Gewerkschaft Verdi auf den Plan. Bis 2026 will die Deutsche Bank fast die Hälfte der Postbank-Filialen schließen. 250 der derzeit noch 550 Standorte würden in den kommenden zweieinhalb Jahren dichtgemacht, kündigte der Privatkundenvorstand des Bankkonzerns, Claudio de Sanctis, in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Financial Times an.

Bei Verdi hält man wenig von dem Vorhaben. "Diese Ankündigung kommt zum völlig falschen Zeitpunkt", sagt Jan Duscheck der SZ. Er ist Bundesfachgruppenleiter Bankgewerbe bei Verdi und dort für die Deutsche Bank zuständig. Die Reputation der Marke sei nach der IT-Migration ohnehin angeschlagen. "Jetzt macht der Vorstand bereits die nächste Baustelle auf, obwohl man die aktuelle Krise noch nicht bewältigt hat."

Tatsächlich kämpft die Deutsche Bank gerade mit den Folgen des Umzugs sämtlicher Kundendaten von der Postbank auf die IT-Systeme der Deutschen Bank. Dabei aber hatten sich Tausende Kunden beschwert: Viele kamen wochenlang nicht an ihre Konten oder beklagten sogar unberechtigte Abbuchungen. Betroffen waren vor allem Kunden mit Pfändungsschutzkonten, die laut Verbraucherschützern teils in existentielle Nöte gestützt wurden.

Wie viele Stellen nun wegfallen? Das ist noch nicht bekannt

Eines der Hauptprobleme war, dass der Vorstand um Konzernchef Christian Sewing die IT-Migration in einer Art Sparvariante durchziehen wollte und nicht ausreichend Mitarbeiter für die Callcenter eingeplant hatte. Dies hat vor Kurzem sogar die Finanzaufsicht Bafin beschäftigt. Ein Sonderbeauftragter der Aufsicht soll nun dafür sorgen, dass der ordentliche Geschäftsbetrieb wieder läuft. Sewing hatte sich Ende September öffentlich für das Debakel entschuldigt.

Wie viele Stellen im Zuge der Filialschließungen wegfallen, hat der zuständige Privatkundenvorstand Claudio de Sanctis indes noch nicht gesagt. Es dürften aber mehrere Hundert bis Tausend sein. Duscheck von Verdi kritisiert, die Pläne führten nun zu einer weiteren Verunsicherung von Kunden und Beschäftigten. Viele Mitarbeiter würden jetzt überlegen zu gehen. Dabei habe die Bank derzeit ohnehin schon Probleme, Nachwuchs zu rekrutieren. In Kürze würden zudem immer mehr Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. "Wir halten einen derart aggressiven Filial-Rückbau daher für völlig falsch, schließlich muss man erst mal beweisen, dass man digital auch ein gutes Angebot hat."

Die Gewerkschaft fordert deswegen, dass sie "zeitnah den Kündigungsschutz bis Ende Januar 2024 verlängern, um den Beschäftigten ein Signal zu geben". Der Vorstand solle zudem konkret sagen, wie viel er in die Digitalisierung investieren will. "Denn Kaputtsparen und Filialen schließen ist ja noch keine Strategie."

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