Süddeutsche Zeitung

Neuer Sponsor beim FC Bayern:Herr Miao greift an

Chinas Solarhersteller Yingli steigt als Sponsor beim FC Bayern ein - und will sich so auf dem deutschen Markt etablieren. Aus Sicht von Marketingexperten ein durchaus logischer Schritt. Andere aber belächeln den Exoten.

Liansheng Miao lebt für sein Unternehmen. Der Chef des Solarkonzerns Yingli aus Baoding, südlich von Peking, wohnt auf dem Werksgelände. Morgen für Morgen begrüßt er die Arbeiter am Werkstor und nimmt im blauen Arbeitsanzug auf dem Hof an Tai-Chi-Übungen teil. Der 54-Jährige hat mit dem erst 1998 gegründeten Konzern längst einige deutsche Konkurrenten überholt. Unter den ersten fünf der Weltliga tummelt sich das Unternehmen, doch das reicht Miao noch lange nicht.

Vor allem in Deutschland, dem größten Solarmarkt der Welt, wollen die Chinesen Marktanteile gewinnen. An diesem Samstag soll der Startschuss fallen. Dann wird Miao nach München kommen zur Pressekonferenz mit dem FC Bayern München. Als erstes Unternehmen aus China dürfte Yingli dann zu einem der großen Sponsoren des deutschen Fußball-Traditionsklubs gekürt werden.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wollen beide Seiten in der Allianz-Arena kurz vor dem anstehenden Bundesliga-Spiel der Münchner gegen den 1. FC Kaiserslautern eine millionenschwere Partnerschaft bekannt geben. Bereits im vergangenen Jahr hatte Miao Gespräche mit dem Verein eingeräumt. Weder Yingli noch Bayern München wollten sich am Donnerstag zu dem Thema äußern.

Werbefachleute schätzen, dass Yingli als Premium-Sponsor einen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr investieren dürfte. Der Konzern war 2010 schon Sponsor der Fußballweltmeisterschaft. Das Unternehmen wächst derzeit rasant. Gerade lässt Miao in China zwei neue Fabriken bauen, Pläne für weitere liegen in der Schublade.

Bis Mitte 2011 will Chinas zweitgrößter Solarkonzern Module mit einer Gesamtleistung von 1,7 Gigawatt herstellen. Zwar liegt der Konzern damit deutlich hinter dem Branchenführer Suntech, der in diesem Jahr zum weltweit größten Hersteller aufsteigen dürfte.

Doch die Konkurrenten fragen sich längst, wie lange Suntech noch vorn liegen wird. Denn das Tempo der Aufholjagd ist hoch. Zum Börsenstart im Jahr 2007 lag die Produktionskapazität von Yingli noch bei gerade mal 200 Megawatt.

Gut investiert

Vor allem in Deutschland wollen die Chinesen in den nächsten Jahren an Einfluss gewinnen. "Deutschland ist noch immer der größte Solarmarkt weltweit. Wir sehen hier große Chancen", sagt Yingli-Vizepräsident Yaocheng Liu. Die am Donnerstag beschlossene Kürzung der Solarförderung werde den Konkurrenzkampf mit deutschen Herstellern verschärfen, so Liu. "In jeder Industrie gewinnen die Starken."

Dass das Unternehmen sich für ein Sponsoring des FC Bayern entschieden hat, um seinen Bekanntheitsgrad in der Bundesrepublik zu erhöhen, ist aus Sicht von Marketingexperten ein durchaus logischer Schritt: "Fußball ist in Deutschland sehr populär, die Reichweite einer solchen Kommunikationsmaßnahme ist enorm", sagt Steffen Schöler, Projektmanager bei der Sponsoringagentur BBDO Live.

Die Millionen, die der neue Bayern-Sponsor in den Fußball-Klub steckt, wären gut investiert: Denn durch die Präsenz im Umfeld der Bayern würden viel mehr Menschen auf die Marke Yingli aufmerksam, als das bei vergleichbarem wirtschaftlichem Aufwand mit Fernsehwerbung oder Radiospots der Fall wäre. "Gemessen an der Werbewirkung ist ein Sponsorenvertrag mit Bayern München auch ökonomisch sinnvoll", sagt Schöler.

Dennoch wirken die Chinesen in der Riege der Bayern-Sponsoren ein wenig exotisch: Sie reihen sich ein neben der Deutschen Telekom, Audi oder Lufthansa. Dennoch sei Sport-Sponsoring gerade für Unternehmen wie Yingli sinnvoll, die ihre Marke überhaupt erst bekannt machen müssten, meint Experte Schöler: "Die Menschen nehmen dann nicht nur die Existenz der Marke wahr, sie assoziieren auch gleich viele positive Eigenschaften damit."

Im Fall der Bayern wäre es der Glanz von Professionalität, Erfolgshunger und Siegermentalität, der vom Rekordmeister auf den kleinen Angreifer aus China abfärben könnte. Beim Blick auf die Tabelle könnten freilich Zweifel entstehen, wie viel vom Gewinner-Image des Klubs am Ende der Saison noch übrig sein wird: Aktuell liegen die Bayern auf Platz fünf.

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SZ vom 21.01.2011/ebc
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