Süddeutsche Zeitung

FC Bayern München:Die Oktoberfest-Probleme des Weintrinkers Carlo Ancelotti

Im Spiel gegen Ingolstadt fehlen dem FC Bayern drei Stammspieler. Bayern-Trainer Ancelotti verrät viel über seine Aufstellung und über seine Bier-Erfahrungen.

Zunächst, bei allem Respekt vor dem FC Ingolstadt, ein paar Worte zum Oktoberfestauftakt. Das Oktoberfest ist ja für den Trainer des FC Bayern immer auch ein Test, das Team hat traditionell in diesen Wochen eine positive Bilanz (wie traditionell auch in allen anderen Wochen des Jahres), außerdem muss sich der Trainer als volksnah beweisen. Nun sind die Trainer des FC Bayern zuletzt eher Weintrinker gewesen, Louis van Gaal zum Beispiel bevorzugte einen Rioja, und Pep Guardiola gelang sogar das Kunststück, sich auf dem Marienplatz von den Fans mit einem Gläschen Weißwein zu verabschieden. Carlo Ancelotti, der aktuelle Trainer und Weintrinker, ist an diesem Freitag aber gut vorbereitet. Er sagt: "Ich liebe auch Bier."

Ancelotti besteht den Test in der schwierigen Disziplin der Volksnähe aber nicht allein durch dieses überraschende Geständnis schon am Tag vor dem Oktoberfestauftakt. So gut ist er vorbereitet, dass er noch ein paar Anekdoten anfügen kann. Vor drei Jahren sei er schon einmal auf der Wiesn gewesen, er erinnert sich daran gerne: "Ich war sehr glücklich." Einen Kater habe er am nächsten Tag nicht gehabt, "normal" sei sein Kopf gewesen; er ist ja auch eher einer Genießer. Er hoffe, nun mit den Spielern und seinem Trainerteam aufs Oktoberfest gehen zu können. Ja, in Tracht. Und nein, wie viel Bier er trinken werde, das könne er noch nicht sagen, bei aller Liebe. "Ich habe ein gutes Wissen über Wein, ich weiß, wie viele Flaschen ich davon vertrage - aber nicht wie viel Bier."

Geduldig erzählt der Weintrinker von seinem Ausflug auf das Bierfest, aber er weiß, was sich gehört. "Zuvor", sagt Ancelotti, "müssen wir uns auf das Spiel am Samstag konzentrieren."

Vor der Partie macht er, bei allem Respekt vor dem FC Ingolstadt, aus seiner Aufstellung kein Geheimnis. Fragen ihn die Journalisten in der Pressekonferenz nach einem Namen, dann verrät er eben, was er mit diesem oder jenem Spieler am Samstag (15.30 Uhr) im bayerischen Derby vorhat. Kapitän Philipp Lahm, Thomas Müller sowie David Alaba, das sagt Ancelotti am Freitag gleich zu Beginn, werden alle fehlen, aufgrund einer Magen-Darm-Erkrankung. "Die anderen Spieler sind aber okay." Ob das auch für Jérôme Boateng und Arjen Robben gelte, die nach wochenlangen Verletzungen seit wenigen Tagen wieder mit der Mannschaft trainieren? Ja, sagt der Trainer, "sie sind beide auf der Bank". Mats Hummels, der beim 5:0 am Dienstag in der Champions League gegen Rostow einen Tritt ins Gesicht bekam, setzte zwar am Mittwoch und am Donnerstag im Training aus, am Samstag kann er allerdings wieder eingesetzt werden. Ob auch Joshua Kimmich, der Doppeltorschütze vom Dienstag, wieder spielen wird? "Ich habe meine Aufstellung noch nicht festgelegt - aber Kimmich wird spielen." Gleiches gelte für Kingsley Coman, der nach einer Kapselverletzung direkt in die Startelf zurückkehren wird.

Das Spiel gegen den FC Ingolstadt soll für Ancelotti der perfekte Oktoberfestauftakt werden, er hat sich dafür eigens zwei Spiele des Gegners angeschaut. Er erwartet "eine schnell angreifende Mannschaft, die versuchen wird, Fußball zu spielen". Der Trainer will bei seiner Mannschaft abgesehen von der Startaufstellung wenig verändern, "wir versuchen diesen guten Moment fortzusetzen". Alle fünf Pflichtspielen des FC Bayern unter Ancelotti hat das Team gewonnen, nicht ein Gegentor hat es dabei kassiert. Dass eine dieser beiden Serien endet, daran wird sich der FC Ingolstadt versuchen, verspricht Trainer Markus Kauczinski. "Es gibt immer eine Wahrscheinlichkeit. Das ist wie Lottospielen." Verzichten muss Kauczinski dabei auf Verteidiger Romain Brégerie.

Bereits eine Stunde vor Ancelottis Pressekonferenz erreicht den FC Bayern eine Meldung, die sie im Klub genau so erwartet haben. In dieser teilt das Amtsgericht München mit, dass es die Einleitung eines Amtslöschungsverfahrens abgelehnt habe, der FC Bayern München e.V. bleibt also bestehen. Angeregt hatte dieses Verfahren ein Professor der Universität Osnabrück wegen Rechtsformverfehlungen. Anders als dieser erachtet das Amtsgericht die Auslagerung wirtschaftlicher Tätigkeiten des Vereins auf die FC Bayern München AG für zulässig.

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Quelle:
SZ vom 17.09.2016
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