Süddeutsche Zeitung

Krieg in Syrien:Waffenruhe in Syrien hält offenbar weitgehend

  • In Syrien hat am Montagabend mit Sonnenuntergang eine von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe begonnen.
  • Aktivisten berichten, die Armee von Machthaber Assad habe teilweise dennoch Rebellenstellungen angegriffen. Die Angaben können nicht überprüft werden.
  • Zahlreiche Menschen benötigen dringend humanitäre Hilfe.
  • Hält die Waffenruhe für sieben Tage, wollen die USA und Russland gemeinsam militärisch gegen Terrorgruppen in Syrien vorgehen.

Die Feuerpause für Syrien scheint in der ersten Nacht weitgehend gehalten zu haben. Aktivisten und Beobachter berichten jedoch auch von vereinzelten Gefechten. US-Außenminister John Kerry spricht von der "vielleicht letzten Chance", Syrien zu retten.

Die von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe für das Land, in dem seit mehr als fünf Jahren der Bürgerkrieg tobt, soll für alle Kräfte gelten, die nicht von den Vereinten Nationen als Terroristen eingestuft werden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist explizit von der Vereinbarung ausgenommen. Mit Beginn der Feuerpause zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs seien auch die Kampfflugzeuge aus dem Himmel über der besonders umkämpften nordsyrischen Metropole Aleppo verschwunden, sagte ein Sprecher der lokalen Hilfsorganisation Weißhelme.

Die Nachrichtagentur AFP berichtet, in von der Armee kontrollierten Hauptstadt Damaskus und den von Rebellen gehaltenen Vororten sei die Lage ebenfalls ruhig geblieben. Die Einwohner Aleppos nutzten die Feuerpause, die am Montagabend in Kraft getreten war, um das islamische Opferfest Eid al-Adha zu feiern.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die in Großbritannien ansässig ist und sich auf ein Netz von Informanten in Syrien beruft, berichtete jedoch, Regimekräfte hätten Rebellengebiete in der nordwestlichen Provinz Idlib beschossen. In der Stadt Kuneitra an der Grenze zu Israel habe es anhaltende Schusswechsel zwischen Regierungseinheiten und Aufständischen gegeben. Die Angaben können nicht überprüft werden. Der britische Guardian berichtet ohne Nennung genauer Quellen von Angriffen in Homs, Hama und Deir ez-Zor.

US-Außenminister Kerry sagte in Washington, die ersten Berichte deuteten auf einen "gewissen Rückgang der Gewalt" hin. Berichte über einzelne Verletzungen der Vereinbarung seien normal. Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, wie effektiv das Abkommen sei.

Misstrauen auf Seiten der Regierung und der Opposition

Die Armee von Machthaber Baschar al-Assad kündigte an, die Kämpfe gegen Rebellen zunächst sieben Tage einstellen zu wollen. Man behalte sich jedoch das Recht vor, Vergeltung für jegliche Verletzung der Waffenruhe von anderer Seite zu üben, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Montag unter Berufung auf die Militärführung. Die moderate Opposition in Syrien hatte die Feuerpause begrüßt, aber "Garantien" dafür gefordert, dass sich die syrischen Truppen an die Absprachen halten. Sie befürchtet, das Regime könnte die Feuerpause nutzen, um Gebiete zurückzuerobern.

Hält die Waffenruhe für sieben Tage, wollen die USA und Russland nach eigenen Angaben gemeinsam militärisch gegen Terrorgruppen in Syrien vorgehen. Die Feuerpause ist Voraussetzung dafür, dass Millionen Menschen in belagerten und umkämpften Gebieten wie etwa Aleppo humanitäre Hilfe erhalten.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.3159508
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/dpa/ewid/vbol
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.