Süddeutsche Zeitung

Podcast von Herzogin Meghan:Blank poliert

Lesezeit: 2 min

Herzogin Meghans neuer Podcast ist ein smartes Stück PR.

Von Alexander Menden

Ein amerikanischer Werbespot für Spülmittel war das Erweckungserlebnis. 1993 hatte ihn die damals elfjährige Meghan Markle gesehen. Der Werbetext, in dem es um den Kampf "der Frauen" mit angebackenem Fett in Töpfen und Pfannen ging, habe sie damals wütend gemacht, erzählt die Herzogin von Sussex. Jungs sollten nicht denken, dass nur Frauen in der Küche stehen. Die junge Meghan schrieb an den Sender und wurde daraufhin eingeladen, sich zu äußern. Drei Monate später kam tatsächlich ein neuer Werbespot heraus, in dem "women" durch "people" ersetzt worden war.

Damit ist der Ton gesetzt für die erste Folge des Podcasts "Archetypes", die soeben bei Spotify veröffentlicht wurde: Steh für dich ein, besonders als Frau. Es ist ein Projekt von "Archewell Audio", einer von Meghan und ihrem Mann Prinz Harry gegründeten Produktionsfirma, die - nebenbei bemerkt - nach dem gemeinsamen Sohn Archie Harrison Mountbatten-Windsor benannt ist. Sie hat einen Exklusiv-Vertrag mit Spotify und will in Zusammenarbeit mit der preisgekrönten New Yorker Podcast-Firma Gimlet Media Sendungen "mit einer Vielzahl von Perspektiven" produzieren.

In "Archetypes" wolle sie Stereotypen betrachten, die Frauen einschränken, sagt Markle - "Schubladen wie 'Diva', 'verrückt'" - und der Frage auf den Grund gehen, warum diese sich so hartnäckig hielten. "Natürlich weiß ich selbst das ein oder andere über diese Etiketten", fügt sie hinzu. Vor allem der offene Ehrgeiz, der ihr von Teilen der britischen Presse immer wieder als schlechte Eigenschaft vorgehalten wird, ist ein zentrales Thema der ersten Folge. "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich persönlich die negative Konnotation hinter dem Wort Ehrgeiz gespürt habe, bis ich anfing, mit meinem jetzigen Ehemann auszugehen", sagt sie. "Anscheinend ist Ehrgeiz eine schreckliche, schreckliche Sache - bei Frauen."

Der Podcast ist auch ein Gruß Richtung königliche Familie und britische Boulevardpresse

Vorhang auf für eine, die das auch kennt: Serena Williams. Williams ist mit Markle befreundet und soeben vom aktiven Sport zurückgetreten. Als Talk-Gast berichtet die erfolgreichste Tennisspielerin der Geschichte recht emotional von den Widerständen, auf die sie gestoßen sei, als sie die Entscheidung getroffen habe, ihre Karriere "weiterzuentwickeln". Ein Gespräch mit Harry, der auch noch kurz im Podcast vorbei schaut, habe ihr geholfen. "I love that", sagt Meghan ergriffen und meint die Art, wie Williams ihren Abschied formuliert hat.

"Archetypes" erscheint also als exakt das, was erwartet wurde: als geschmeidigePR in eigener Sache und als jüngste Runde im Ringen des Ehepaars Sussex mit der königlichen Familie und der britischen Boulevardpresse um die Deutungshoheit über sein Image. Meghan und Harry hatten sich 2020 von allen Pflichten zurückgezogen, waren nach Kalifornien umgezogen und hatten Oprah Winfrey ein brisantes Interview gegeben, in dem sie Mitgliedern der Royal Family Rassismus vorwarfen. Wenn man "kämpferisch, stark oder mutig" sei, verdiene man anscheinend jeden Angriff, sagt Markle in "Archetypes", und zielt damit offenkundig auf die Berichterstattung über sie ab, "wie unverhältnismäßig oder unfair es auch immer sein mag - selbst wenn es schlimmer ist, als die meisten Menschen ertragen könnten."

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