Süddeutsche Zeitung

Sportübertragungen:Teufelskreis der Leere

Die Vergabe der Fußball-TV-Rechte verzögert sich wegen Corona. Wenn die Gelder erst mal ausbleiben, bringt das nicht nur Dazn und Sky in schwere Bedrängnis, sondern auch den Sport.

Mehrere Stunden haben die Mitglieder des Präsidiums der Deutschen Fußball Liga (DFL) getagt. Danach verkündete deren Chef Christian Seifert nicht nur, dass die Bundesliga bis mindestens Ende April ruhen solle, sondern auch, dass die geplante Ausschreibung der Fußball-Fernsehrechte verschoben werde. Zunächst müsse die "gegenwärtige Herausforderung" gemeistert werden, hieß es. Nun droht nicht nur für die DFL eine unangenehme Hängepartie. Für die Klubs sind die Fernsehrechte extrem wichtig, sind sie doch eine wichtige Einnahmenquelle für den deutschen Fußball, die Vereine planen damit.

Ursprünglich sollte die Vergabe für die vier Spielzeiten von 2021/22 an bis zum 11. Mai stattfinden. Dieser Zeitplan ist aber nicht zu halten. Jetzt sei das ab Juni vorgesehen, so die DFL. Allerdings gehen viele Beteiligte davon aus, dass sich der Verkauf angesichts der Folgen der Corona-Epidemie noch deutlich weiter verschieben wird. Noch sei ja völlig unklar, ob im Mai überhaupt wieder gespielt werden kann. Manche sprechen schon jetzt von Herbst, wenn dann die Corona-Lage etwas übersichtlicher sei.

Was heißt das für den Verkauf der TV-Rechte von 2021/22 an? "Die wirtschaftliche Bereitschaft für große Investitionen ist gerade sehr begrenzt", sagt ein Beteiligter. Jeder halte sein Geld zusammen. Zudem sei ja unklar, welche Auswirkungen die Krise auf den Fußball noch haben könne. Gehen möglicherweise Vereine pleite? Einige Traditionsvereine gelten als gefährdet. Fehlten aber die bekannten Namen, wären auch die TV-Rechte weniger attraktiv.

Manche bei der DFL hoffen dagegen, dass es durch die Corona-Krise keine negativen Auswirkungen auf den Rechteverkauf geben wird. Es werde nun klar, wie groß die Bedeutung von Fußball für das Fernsehen ist, heißt es: "Viele merken jetzt ja, wie es ohne Bundesliga ist." In der Tat haben die Pay-TV-Plattform Sky oder der Streamingdienst Dazn, aber auch einige frei empfangbare Sender gerade ein Problem, weil keine Spiele stattfinden und Sendeplätze anders gefüllt werden müssen. Bei Dazn soll es auch überproportional viele Kündigungen geben, das Unternehmen nahm dazu keine Stellung. Dazn-Abos können oft monatlich beendet werden, Sky-Verträge haben in der Regel längere Laufzeiten.

Auf der anderen Seite brauchen die Sender auch nicht an die DFL zahlen, wenn es keine Spiele gibt. "Es muss nur gezahlt werden, was gezeigt wird", heißt es. Sky alleine liefert in dieser Saison etwa eine Milliarde Euro an die DFL. Die nächste Tranche, die Anfang April fließen sollte, sei bereits eingefroren, sagen Insider. Das bringt viele Vereine in Bedrängnis, vor allem kleinere, die das Fernsehgeld dringend brauchen. Außerdem könnte die Spannung in der Liga weiter leiden, wenn die Kleinen noch schwächer werden und die Großen wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund relativ unbeschadet durch die Krise kommen. Das Bundeskartellamt hatte der DFL erst Ende vergangener Woche grünes Licht für das eingereichte Vermarktungskonzept gegeben.

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Quelle:
SZ vom 26.03.2020
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