Süddeutsche Zeitung

Weiden in der Oberpfalz:Niederlande warnen vor Ecstasy in Champagnerflaschen

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Wie kam die Droge in eine Flasche und die dann in ein Weidener Lokal? In den Niederlanden hat sich inzwischen ein weiterer, vergleichbarer Vergiftungsfall zugetragen.

Von Maximilian Gerl, Weiden in der Oberpfalz

Wie kam das Ecstasy in die Champagnerflasche? Und wie kam die Flasche dann in ein Restaurant in Weiden? Vieles ist in dem Vergiftungsfall, bei dem ein Mann starb und sieben weitere Personen schwer erkrankten, auch knapp zwei Wochen später unklar. Nur eines verdichtet sich: Die ganze Sache könnte weit über die Grenzen der Oberpfalz hinaus gehen. Denn aus den Niederlanden wurde inzwischen ein ähnlicher Fall gemeldet, dort gab es vier Verletzte - woraufhin eine offizielle Warnung vor Flaschen der Marke "Moët & Chandon Ice Impérial" folgte, jener Marke also, die offenbar auch im Weidener Lokal ausgeschenkt wurde. Laut der Niederländischen Behörde für die Sicherheit von Lebensmitteln und Konsumgütern (Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit, NVWA) besteht die Gefahr, dass solche Flaschen die Droge MDMA enthalten könnten, besser bekannt als Ecstasy. Ihr Genuss wäre in diesem Fall lebensgefährlich.

Mussten die Champagnerflaschen also als Vehikel im internationalen Drogenhandel herhalten - bei dem diesmal an irgendeiner Stelle der Transportkette etwas schiefging? Was nach dem Filmplot eines "Tatorts" klingt, gilt zumindest der Öffentlichkeit derzeit als plausibelste Theorie. Auch der Champagner-Hersteller Moët & Chandon geht inzwischen von Drogenschmuggel aus. Es habe sich nicht "um ein Qualitätsproblem, sondern um einen Kriminalfall" gehandelt, erklärte das Unternehmen vergangene Woche. Laut Medienberichten soll sich in der Weidener Flasche die tausendfache Dosis dessen befunden haben, was als eine gebräuchliche Konsumeinheit kristallinen Ecstasys gilt. Nach dem ersten Kosten beanstandeten die Gäste den Geschmack des vermeintlichen Schampus noch, brachen dann aber innerhalb von Minuten zusammen. Acht Menschen mussten an jenem Abend mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht werden. Ein 52-Jähriger aus dem Landkreis Schwandorf starb noch in der Nacht.

Die Ermittler jedoch hüllen sich vorerst in Schweigen. Keine Auskünfte, "die Ermittlungen laufen", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer. Und: "Wir arbeiten mit den niederländischen Behörden zusammen." Kurz nach Bekanntwerden des Falls hatte es in Weiden Durchsuchungen und eine vorläufige Festnahme gegeben, ein Tatverdacht hatte sich aber nicht erhärtet. Von den verletzten Personen sei am Freitag noch eine im Krankenhaus behandelt worden.

Immerhin gibt es erste Erkenntnisse, wie die beiden Flaschen in Umlauf kamen: Laut NVWA wurden sie über "eine bisher unbekannte Website erworben". Die Warnung der Niederländer wurde auch von den deutschen Behörden geteilt. Diese betrifft Drei-Liter-Flaschen der Marke "Moët & Chandon Ice Impérial" mit dem Loscode LAJ7QAB6780004 auf dem rückseitigen Etikett. Von außen sind die Unterschiede zwischen mit Champagner und mit MDMA gefüllten Flaschen allerdings nicht zu erkennen, erst beim Eingießen ins Glas. Stutzig werden sollte man demnach, wenn die Flüssigkeit nicht wie gewohnt sprudelt, nach Anis riecht und eine rötlich-braune Farbe besitzt, die sich mit der Zeit verdunkelt. Dann wird auch von kleinsten Kostproben dringend abgeraten: "Selbst das Eintauchen einer Fingerspitze in die Flüssigkeit und das Schmecken kann auch ohne Schlucken zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen." Stattdessen solle die Polizei informiert werden.

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