Süddeutsche Zeitung

Freizeitparks:"Wir sind vergessen worden"

Die Freizeitparks in Bayern sind immer noch geschlossen. Selbst ein Lockerungsbeschluss am Freitag käme für die Pfingstferien zu spät. Das führt zu Frust bei den Betreibern.

Von Johann Osel

Die Ungeduld wächst in vielen bayerischen Familien und der Nachwuchs im Haus scheint der Treiber zu sein: Wann öffnen endlich die Freizeitparks? Deren Betreiber müssen dieser Tage potenzielle Besucher vertrösten, in sozialen Netzwerken lässt sich das nachlesen. "Wann macht ihr auf? Ich dreh durch", schreibt einer an den Skylinepark im Allgäu, offenbar ein Achterbahnfan. "Ich verstehe das Problem der Politiker nicht. Ihr könnt alles so perfekt umsetzen, wir hatten gehofft, euch in den Ferien zu besuchen", schreibt eine Mutter auf Facebook beim Freizeitland Geiselwind in Unterfranken, unter Verweis auf Hygienekonzepte. Und Freunde des Bayernparks in Reisbach im Landkreis Dingolfing-Landau meinen: "Fröhliches Kinderlachen" interessiere die Politiker anscheinend nicht. Oder ganz konkret: "Mein Großer vermisst eure Schweinchenbahn ganz schrecklich."

Überall berichten Parkbetreiber von einer Flut an Anrufen und Nachrichten - in der Regel sind es eben Familien, die wissen wollen, wann es denn so weit ist mit der Öffnung. Jetzt, wo die Leute vielerorts wieder Biergärten aufsuchen, in Hotels logieren oder ins Fitnessstudio gehen. Und ob sich nicht in den Ferien noch etwas tue, im Sinne der Kinder, die in der Pandemie ohnehin so stark litten? Der Blick geht dabei in viele andere Bundesländer, wo Parks unter Auflagen wieder öffnen durften oder wo zumindest eine Perspektive in Aussicht steht - zuletzt in Baden-Württemberg, das nach einem Modellversuch im Europapark Rust die Parks eine Stufe vorzog, auf 8. Juni. In Bayern dagegen liegt noch nichts auf dem Tisch, weder Termine noch Perspektiven.

Die Geschäftsführerin des Parks in Reisbach klagte neulich im Bayerischen Fernsehen: "Wir sind vergessen worden, als Freizeitpark gehört man nirgends richtig rein." Die Hoffnung, mit den Pfingstlockerungen im Tourismus ebenfalls die Pforten zu öffnen, sei enttäuscht worden - während etwa die Bergbahnen längst in Betrieb seien. Nicht nachvollziehbar sei die Einstufung des Risikos im Freien, Aerosolforscher und Virologen sagten das Gegenteil.

Eine Sprecherin des Freizeitparks Schloss Thurn bei Heroldsbach in Oberfranken spitzte die Lage sehr flott zu. In der Öffnungsmatrix finde man sich "zusammen mit den Bordellen". Eine Sprecherin von Legoland Günzburg sagt: "Wir sehen den Punkt der Gleichbehandlung nicht gegeben, wenn Zoos und Gartenschauen sowie Museen und Kinos wieder eröffnen dürfen und Freizeitparks in Bayern noch nicht einmal eine Perspektive aufgezeigt wurde. Das ist unserer Meinung nach doch etwas kurz gegriffen." Unverständnis äußerte auch die Betreiberfamilie der Märchenparks in Marquartstein und Ruhpolding in Oberbayern. Dort dürfen aber seit einigen Tagen die Sommerrodelbahn beziehungsweise die Märchenwelt mit Schaukästen wieder Gäste empfangen, offenbar mit Genehmigung des Landratsamts Traunstein. Immerhin.

"Nicht akzeptabel" nennt Jürgen Gevers, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU), die aktuelle Situation in Bayern. Tatsächlich seien in fast allen Bundesländern mittlerweile Parks offen oder hätten einen klaren Fahrplan dafür. In Bayern fehle dies noch. Das Bundesland mache "eine Insel-Politik, ohne eine Insel zu sein", so Gevers. "Das ist natürlich super frustrierend für unsere Mitglieder." Zu erwarten ist laut VDFU, dass Familien aus Bayern Parkausflüge nach Hessen, Baden-Württemberg und Sachsen unternehmen, wenn sich nichts ändere. Was der Verband nicht versteht: Im vergangenen Sommer hätten in Bayern die Freizeitparks vor den Kinos und Fitnessstudios geöffnet. Warum es dieses Jahr andersherum sei, bleibe "unerklärlich". Zu berücksichtigen sei außerdem, dass sich die Parks mit ihren Hygienekonzepten 2020 bundesweit bewährt hätten.

Gründe für das Zögern in der Sparte führte zuletzt das Gesundheitsministerium auf: Es seien weiterhin Maßnahmen zur Einschränkung von Kontakten geboten, hieß es. Zudem würde in Fahrgeschäften und in Warteschlangen davor oft nicht genug Abstand eingehalten. Das sei etwa in Zoos anders. Dagegen forderte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) unlängst weitere "Schritte in Richtung Normalität": "Jetzt müssen zeitnah auch Innengastronomie und Freizeitparks folgen." Am Freitag entscheidet das Kabinett über die Fortschreibung der Infektionsschutzverordnung. Neben Aiwangers Drängen dürfte auch die Neubewertung der Corona-Lage in die Beratungen einfließen. Eine Regel für die Parks ist erwartbar, würde aber wohl nicht mehr für die Ferien gelten.

Auf die Kabinettssitzung hofft auch Legoland: Das Hygienekonzept stehe, alles sei "auf Hochglanz gebracht", alle Fahrgeschäfte seien vom TÜV abgenommen und ein Teil der Mitarbeiter zurückgeholt - "im Prinzip könnten wir nun innerhalb weniger Tage starten. Jetzt fehlt nur noch der Startschuss, auf den wir sehnlich warten."

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SZ vom 01.06.2021/van/syn
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