Süddeutsche Zeitung

Kaiserslauterns OB:"Opel muss bleiben - wir haben keinen Plan B"

Nach dem Aus für den Opel-Verkauf ist das Werk Kaiserslautern in Gefahr. Oberbürgermeister Weichel über die Folgen für Stadt und Region.

Tobias Dorfer

In Kaiserslautern wird gezittert. Nachdem General Motors (GM) den Opel-Verkauf an Magna abgeblasen hat, bangt die Region um ihr Werk. 10.000 Jobs möchte GM abbauen - dass dabei auch Werke geschlossen werden, ist naheliegend. Das Werk Kaiserslautern mit etwa 3600 Beschäftigten ist der einzige deutsche Opel-Standort, wo keine Autos gebaut werden, sondern ausschließlich Komponenten für den Fahrzeugbau. Experten meinen, diese Aufgabe könnte auch durch andere Werke übernommen werden. Ein Aus für das Opel-Werk würde die strukturschwache Westpfalz jedoch hart treffen. Klaus Weichel, 53, ist seit September 2007 Oberbürgermeister von Kaiserslautern. Zusammen mit seinen Kollegen aus Eisenach, Bochum und Rüsselsheim kämpft er für den Erhalt aller deutschen Standorte.

sueddeutsche.de: Herr Weichel, GM wird Opel behalten. Das könnte für das Werk in Kaiserslautern das Aus bedeuten. Am Vormittag werden die Mitarbeiter vor allen deutschen Standorten protestieren. Haben Sie die Trillerpfeife schon eingepackt?

Klaus Weichel: Die Trillerpfeife werde ich zu Hause lassen. Aber ich werde dafür mit großen Teilen des Stadtrats am Opel-Tor erscheinen. Wir werden richtig Dampf machen.

sueddeutsche.de: Was sind Ihre konkreten Forderungen?

Weichel: Am liebsten hätten wir, dass General Motors die Entscheidung rückgängig macht, aber das ist wohl utopisch. Jetzt fordern wir den Erhalt aller Standorte, den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und vor allem eine klare Aussage von GM, wie es mit Opel weitergeht.

sueddeutsche.de: GM droht mit Insolvenz, wenn die Belegschaft nicht spurt. Welches Druckmittel haben Sie noch?

Weichel: Ich finde, es ist ein Skandal, wie sich dieses Unternehmen verhält. Dennoch ist die Belegschaft nicht machtlos. Der angekündigte Lohnverzicht wird doch nicht stattfinden und auch die Finanzierungszusagen von Bund und Ländern sind hinfällig.

sueddeutsche.de: Davon wird sich General Motors nicht beeindrucken lassen - schließlich hat die US-Regierung gerade 50 Milliarden Dollar in das Unternehmen gepumpt.

Weichel: Ich glaube dennoch, dass wir eine Chance haben. Denn die Mitarbeiter der vier Opel-Standorte lassen sich von GM nicht auseinanderdividieren. Gegen den Willen der kompletten Belegschaft kann General Motors nicht viel ausrichten. Ich glaube daher, alle deutschen Werke bleiben bestehen - auch Kaiserslautern.

sueddeutsche.de: Die Entscheidung, Opel zu behalten, war der "Plan B" von General Motors, der immer in den Schubladen lag. Wie sieht Ihr "Plan B" für Kaiserslautern aus, wenn das Werk geschlossen wird?

Weichel: Opel muss bleiben, denn wir haben keinen "Plan B". Wenn die Bundesregierung die Entscheidung von General Motors nicht beeinflussen kann, wie soll das auf Oberbürgermeister-Ebene gelingen?

"Das Werk Kaiserslautern bleibt"

sueddeutsche.de: Sie könnten sich zumindest mit den Folgen für Ihre Stadt auseinandersetzen und Maßnahmen in die Wege leiten für die betroffenen "Opelaner".

Weichel: Die Stadt Kaiserslautern hat 640 Millionen Euro Schulden, da bleibt kein großer Spielraum. Natürlich können wir mit der Landesregierung versuchen, Menschen, die arbeitslos werden, mit Auffanggesellschaften zu helfen. Mehr geht nicht. Doch damit will ich mich nicht beschäftigen. Das Werk Kaiserslautern bleibt.

sueddeutsche.de: Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sieht das anders. Er sagt, Kaiserslautern sei "akut gefährdet". Welche Folgen hätte ein Aus des Werks für die Stadt und die Region?

Weichel: Das würde die gesamte strukturschwache Region treffen, denn die Belegschaft der Fabrik kommt ja nicht nur aus Kaiserslautern. Schlimmer als der Verlust von Kaufkraft und die geringeren Steuereinnahmen wäre jedoch die Mutlosigkeit, die sich breitmachen würde. Die Region steckt mitten in einem Strukturwandel. Wir haben es geschafft, durch Ansiedlungen im IT-, Medien- und Dienstleistungsbereich 8000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Ich habe große Angst, dass diese Aufbruchsstimmung gefährdet wird.

sueddeutsche.de: Was erwarten Sie jetzt von Berlin?

Weichel: Die Bundesregierung muss sich klar für den Erhalt aller Opel-Standorte aussprechen und sofort anfangen, mit General Motors zu verhandeln.

sueddeutsche.de: Fahren Sie selbst eigentlich auch einen Opel?

Weichel: Die Verwaltung fährt fast vollständig Opel und meine Familie auch. Ich selbst habe ein anderes Auto.

sueddeutsche.de: Wenn in Ihrem Rathaus wieder neue Dienstwagen angeschafft werden müssen - werden es wieder Opel sein?

Weichel: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Im Moment habe ich Wichtigeres zu tun.

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