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GM: Kühne Pläne mit Opel:Welt AG - das neue alte Ziel

Nach dem überstandenen Insolvenzverfahren ist bei GM Ruhe eingekehrt. Zugleich ist die Erkenntnis gereift, Europa nicht aufgeben zu wollen. Doch das geht nur mit Opel.

Nikolaus Piper, New York

Wer das Hin und Her um General Motors und Opel besser verstehen will, muss zwei Monate zurückblicken. Damals, Anfang September, sollte der Verwaltungsrat GM schon einmal endgültig darüber entscheiden, an wen man das deutsche Tochterunternehmen verkaufen würde.

General Motors, Foto: Reuters

General Motors wird das Europageschäft mit Opel in Eigenregie weiterführen.

(Foto: Foto: Reuters)

Die deutschen Politiker waren mit Wahlkampf beschäftigt, was dem Votum eine besondere Brisanz gab. Schließlich hatten alle Parteien um die Rettung von Opel gekämpft - und "Rettung" bedeutete nach allgemeinem Verständnis den Verkauf an das Konsortium aus dem Zulieferer Magna und seinen russischen Partnern.

Kurz vor der Sitzung kam das Gerücht auf, General Motors wolle Opel lieber behalten. Aus dem Verwaltungsrat wurde europäische und amerikanische Zeitungen sogar mit der Nachricht gefüttert, die Kehrtwende sei bereits beschlossene Sache. Das war dann doch etwas voreilig; am 8. September billigte GM das Geschäft mit Magna. Viele Beobachter trauten dem Frieden allerdings nicht und rechneten nach diesem merkwürdigen Vorlauf damit, dass noch irgendetwas dazwischenkommen würde. Sie sollten recht behalten.

Automarkt erholt sich

Der Mann, der den Gesinnungswandel bei GM vor allem zu verantworten hat, heißt Edward Whitacre. Der 67 Jahre alte frühere Chef des Telefonkonzerns AT&T wurde von Präsident Barack Obamas Autoteam ausgesucht, um den Verwaltungsrat von GM zu leiten. Weil der einst größte Autobauer der Welt seit der Insolvenz im Frühjahr faktisch ein Staatskonzern ist, wurde Whitacre damit der mächtigste Mann in der Firma.

Er erwarb sich schnell den Ruf, das Management straff zu führen und auch vor Eingriffen in Einzelentscheidungen nicht zurückzuschrecken. Whitacre hatte, wie man heute weiß, von Anfang an Bedenken gegen den Opel-Verkauf. Er will General Motors als einen global operierenden Konzern erhalten, und dazu sind Opel und Vauxhall notwendig.

Zunächst sah es aus, als würde der Krisenkonzern nicht in der Lage sein, aus eigener Kraft das Europageschäft weiterzuführen, aber diese Einschätzung hat sich geändert. GM ist durch die staatlich gesteuerte Insolvenz im Frühjahr seine Schulden losgeworden, außerdem scheint sich der Automarkt schneller zu erholen als erwartet, in den USA ebenso wie in Europa.

Im Oktober konnte GM in Amerika 4,7 Prozent mehr Autos verkaufen als im Monat zuvor. Der Einspruch der EU-Kommission gegen die deutsche Opel-Politik gab vermutlich den Ausschlag, um GM-Chef Fritz Henderson zur Umkehr zu zwingen.

Die Argumente Whitacres, die schon im September in der US-Presse diskutiert wurden, tauchen jetzt in der Erklärung auf, die Henderson nach der Verwaltungsratssitzung in Detroit abgab. Opel mache sich derzeit deutlich besser als erwartet, heißt es. Und: "Das Geschäftsumfeld in Europa ist zwar noch angespannt, hat sich aber verbessert.

"Gute Entscheidung für GM"

Gleichzeitig haben sich die finanzielle Gesundheit und Stabilität von GM in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Das gibt uns die Zuversicht, dass wir das europäische Geschäft erfolgreich restrukturieren können." Die Restrukturierungskosten gibt Henderson mit überraschend niedrigen drei Milliarden Euro an.

Trotz des langen Vorlaufs waren die Autoexperten in den USA doch überrascht, dass die Entscheidung so eindeutig ausgefallen war. Die Reaktionen war gemischt. Michael Robinet von der Analysefirma CSM Worldwide sagte den Detroit News: "Es ist eine schlechte Nachricht, dass GM Europa behält. Das wird Aufmerksamkeit und Ressourcen binden; beides gibt es nicht im Überfluss bei GM."

Der Umbau von Opel werde Kräfte binden, die in Nordamerika und Asien notwendig wären. Dave Cole, Direktor des Center of Automotive Research, sagte dagegen der SZ: "Es ist eine gute Entscheidung für GM. Der Konzern hat zuvor schon durch globale Integration massive Kostensenkungen durchsetzen können.

Um diese Struktur zu erhalten, ist Opel notwendig. Die Verkaufsgespräche begannen seinerzeit in einem Zustand der Panik. Das hat sich jetzt dramatisch geändert." Der Verwaltungsrat, so Cole, habe von Anfang an die Bedenken dagegen gehabt, technisches Wissen und geistiges Eigentum an Konkurrenten weiterzugeben. Außerdem sei befürchtet worden, Opel langfristig als Partner bei der Entwicklung neuer Autos zu verlieren.

© SZ vom 05.11.2009/tob
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