Süddeutsche Zeitung

Liverpool in der Premier League:Klopps irrsinnige Quote

  • Nach dem Derby gegen den FC Everton feiert Liverpool seinen 15. Heimsieg in der Premier League in Folge.
  • Trainer Klopp kommt damit auf Quote von 2,64 Punkten pro Spiel - in den vergangenen eineinhalb Jahren.
  • Beim Spiel gegen Manchester United holt sich Tottenham-Coach Jose Mourinho einen ersten Dämpfer in seiner Statistik.

Statistiken im Fußball sind oft ermüdend - die aktuellen Rekordzahlen des FC Liverpool sind überwältigend. Auch das Merseyside Derby gegen den Stadtnachbarn FC Everton haben die Serientäter von Trainer Jürgen Klopp gewonnen, 5:2 (4:2) am Mittwochabend nach turbulenter erster und diskreterer zweiter Halbzeit, es läuft und läuft und läuft, immer weiter, immer weiter. 15 Premier-League-Heimsiege nacheinander sind an der Anfield Road nun erreicht, unbesiegt ist Liverpool seit 32 Ligaspielen.

Auf dem Weg zum großen Sehnsuchtsziel, im Mai 2020 erstmals seit 30 Jahren englischer Meister zu werden, haben die Reds in dieser Saison bisher 43 von 45 möglichen Punkten eingesammelt. Addiert man die Vorsaison hinzu, als famose 97 Punkte nur für Platz zwei hinter Manchester City genügten, holte Liverpool damit in den letzten eineinhalb Jahren im Schnitt 2,64 Punkte pro Spiel (140 in 53 Partien). In der stärksten Liga der Welt so konstant so nah am Optimum zu sein, was soll der Trainer dazu noch sagen?

Jürgen Klopp sagte nach dem 5:2: "Das einzige, was mich jetzt interessiert, sind drei Punkte am Samstag in Bournemouth."

Klopps 100. Sieg nach 159 Spielen

Gegen Everton erlaubte sich Klopp den Luxus, seine Topstürmer Mo Salah und Roberto Firmino auf die Reservebank zu rotieren. Ergebnis dieser Schonmaßnahme: Die beiden Vertreter im Angriff, Origi (6. Minute) und Shaqiri (17.), schossen Liverpool zeitig 2:0 in Führung. Die kriselnden Toffees aus Everton hielten tapfer dagegen und erzielten Anschlusstreffer durch Keane (21.) und Richarlison (45.+2). Sie lagen aber trotzdem zur Pause bereits 2:4 zurück, weil Liverpool mit unverschämter Effizienz von seinen ersten fünf Torschüssen vier ins Ziel brachte. Erneut Origi (3:1/31.) und der überragende Sadio Mané nach einem Bilderbuchkonter (4:1/45.) erhöhten, ein Tor schöner als das andere.

Für Klopp brachte der Derby-Erfolg, den das späte 5:2 (90.) durch den Niederländer Wijnaldum abrundete, auch noch ein persönliches Jubiläum mit Goldschleife: Es war sein 100. Sieg als Trainer in der Premier League - nach nur 159 Spielen. In der dazugehörigen Rekordstatistik der Liga hat der Deutsche damit Trainerlegenden wie Sir Alex Ferguson (Manchester United, nach 162 Spielen) und Arsene Wenger (Arsenal, nach 179) links überholt. Nur einer wurde bisher in England noch flotter ein Hundert-Siege-Coach: José Mourinho (142 Spiele). Dass demnächst Pep Guardiola alle Genannten übertrumpfen wird (bisher 97 Siege in 129 Spielen), dürfte Klopp ebenfalls piepegal sein. Für ihn zählt nur die aktuelle Tabelle - und da liegt Guardiola mit Manchester City weiterhin elf Punkte abgehängt auf Platz drei, obwohl dem Meister am Dienstag ein 4:1 in Burnley gelang.

Es folgte ein Liga-Mittwoch mit lauter Heimsiegen und vielen strahlenden Gewinnertrainern. Tabellenzweiter bleibt der Nordire Brendan Rodgers mit Leicester City. Die Tuchfühlung zu seinem Ex-Klub Liverpool ist zwar allenfalls zart (acht Punkte Rückstand), dennoch ist es eine verblüffende Leistung, wie stabil der vor neun Monaten verpflichtete Rodgers den Meister von 2016 zurück in die Ligaspitze gecoacht hat - nur ein Jahr, nachdem der thailändische Klubbesitzer bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam. Auch das Heimspiel gegen den Ligaletzten Watford gewann Leicester seriös 2:0.

Guter Tabellenvierter ist Trainer Frank Lampard mit dem FC Chelsea. Mit dem 2:1-Sieg gegen Aston Villa revanchierte er sich nun bei seinem alten Chelsea-Kumpel John Terry, der bei Villa Assistenzcoach ist. Im Mai, als Lampard noch Derby County coachte, hatte er das Aufstiegs-Playoff gegen Aston Villa und Terry verloren. Ebenfalls bemerkenswert: Die Wolverhampton Wanderers, bereits in der Vorsaison als Siebter hinter den "Big-Six"-Klubs die Besten vom Rest, sind nach einer Siegesserie auf Platz fünf klettert. Der portugiesische Wolves-Trainer mit dem prachtvollen Namen Nuno Espirito Santo gilt allerdings beim FC Arsenal als möglicher Nachfolger für den entlassenen Coach Unai Emery.

United-Coach Solskjaer atmet auf, Hasenhüttl verlässt Abstiegszone

Die beiden anderen derzeit Schwächelnden der sechs Großvereine Englands, Manchester United und Tottenham, trafen sich am Mittwoch im Old Trafford. Für José Mourinho, den neuen Spurs-Coach, war es die Rückkehr an den alten Arbeitsplatz, den er vor einem Jahr mit verbrannter Erde und mit zig Abfindungsmillionen im Rucksack verlassen hatte. Die Spieler von ManUnited waren offenbar ausreichend motiviert, um gegen den Ex-Coach ihre beste Saisonleistung abzurufen. Das verdiente 2:1 für United war Mourinhos erste Niederlage mit Tottenham - sehr zur Erleichterung seines Nachfolgers in Manchester: Ole Gunnar Solskjaer setzte nach dem Sieg sein schönstes Bubilächeln auf. Seit Wochen gilt er als Entlassungskandidat, laut englischer Yellow Press soll just Mauricio Pochettino, Mourinhos Vorgänger bei Tottenham, Solskjaers Nachfolge anstreben. Verrückte Inseltrainerwelt.

Über eine Genesungswoche kann sich der frühere Leipziger Trainer Ralph Hasenhüttl freuen. Genau ein Jahr nach seinem Einstieg beim FC Southampton war sein Team zu Wochenbeginn Vorletzter. Doch die Gnade des Spielplans ergab innerhalb von vier Tagen zwei Heimspiele gegen zwei Leidensgenossen von ganz hinten, Watford und Norwich. Beide Kellerduelle gewann Southampton 2:1, womit Hasenhüttl die rote Abstiegszone verlassen hat, während sein deutscher Kollege Daniel Farke mit Aufsteiger Norwich akut in Not ist.

Überholt hat Southampton im Ligakeller auch den FC Everton. Dessen Trainer, der Portugiese Marco Silva, 42, wurde 24 Stunden nach dem 2:5 gegen Liverpool am Donnerstagabend entlassen.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir den Co-Trainer von Aston Villa fälschlicherweise Frank Terry genannt. Tatsächlich ist John sein richtiger Vorname.

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SZ vom 06.12.2019/lys/cat
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