Süddeutsche Zeitung

FC Sion gegen Fifa und Uefa:Asterix stellt Strafanzeige

Fifa und Uefa haben den FC Sion wegen eines angeblichen Transferverstoßes aus der Europa League geworfen. Ein Schweizer Kantongericht entschied allerdings, dass der Verein starten darf. Jetzt geht es um alles: Die Politik ist alarmiert, Uefa-Chef Platini muss zum Staatsanwalt - und es droht "Bosman II".

Thomas Kistner

Es geht los. Asterix packt, zur Verteidigung seines kleinen wallisischen Dorfes, das riesige Römische Reich an den Angeln. Wobei hinter Asterix, dem neuen Schweizer Medien-Helden, Christian Constantin steht, Klubchef des FC Sion, und das Römische Reich durch den Fußballweltverband Fifa und den Europa-Verbund Uefa verkörpert wird. Letzterer warf den FC Sion wegen eines angeblichen Transferverstoßes aus der Europa League, für die sich der Schweizer Erstligist qualifiziert hatte.

Das Problem: Diesem Verdikt der Sportrichter steht der Spruch eines Kantonalgerichts gegenüber. Die Zivilrichter gaben Constantin Recht und verfügten "superprovisorisch", dass Sion in der Europa League starten darf. Eine Katastrophe wäre nur das allein, weil ja der erste Spieltag bereits gespielt ist, mit Celtic Glasgow anstelle Sions.

Doch es geht um mehr. Es geht um alles. Hier steht staatliches Recht gegen das Sportrecht; sollte letzteres fallen, hätte das katastrophale Folgen für die autonome Gerichtsbarkeit des Sports. Deshalb wird in der Schweiz nicht nur über Asterix debattiert, sondern auch über "Bosman II" - in gruseliger Erwartung eines noch größeren Erdrutsches für den Sport, als er vom damaligen Urteil ausging, das das Transfersystem pulverisierte.

Und schlimmer: Asterix hat Strafanzeige gestellt, weil die Uefa-Regenten den Entscheid des Kantonsgerichts einfach ignoriert und sich über richterliche Anordnungen hinweggesetzt hätten. Nun muss Uefa-Chef Michel Platini im Oktober mit Generalsekretär Gianni Infantino zur Anhörung bei Staatsanwalt Eric Cottier erscheinen. Persönlich - oder mit Polizeieskorte, verbreitet Sion genüsslich. Das wird kein schönes Bild abgeben. Cottier könnte das Duo sogar als Angeklagte befragen.

Die Tatsache, dass das Gericht diesen Fall annimmt und in Teilen bereits gegen das Sportrecht entschieden hat, lässt erahnen, dass die Causa durchaus auf Bosman II hinauslaufen könnte. Die Politik hat der Fall schon alarmiert. Die Regierung will ja sowieso eine neue Gesetzgebung, weil sie dem Fußball-Weltverband nach seinen Korruptionsaffären eine Selbstreinigung nicht zutraut.

Der Berner Senat versucht, dies hinauszuzögern. In dieser Gemengelage stören Asterix' Aktivitäten auch die diskreten Kreise der Lobbyisten. Die Schweiz war schon einmal ein gemütlicherer Ort für den Sport.

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Quelle:
SZ vom 24.09.2011/segi
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