Süddeutsche Zeitung

Bundesliga:Schneller als Lukas Podolski

Leverkusen gewinnt - und Florian Wirtz schafft einen Rekord. Hoffenheim erledigt Wolfsburg, Union Berlin trifft sehr spät. Das Wichtigste zum Spieltag.

Von Tim Brack, Johannes Kirchmeier und Carsten Scheele

Bayer 04 Leverkusen - FSV Mainz 05 1:0 (0:0), Tor: 1:0 Wirtz (62.)

Bayer Leverkusen überzeugt in der jungen Saison bislang als Blitzstarter: In der Anfangsviertelstunde gelangen schon sieben Treffer in fünf Partien. Die Mainzer rührten deshalb vorsichtshalber früh Treibsand an: Je schneller die Leverkusener anrannten, desto fester liefen sie sich. Die gefährlicheren Aktionen gehörten Mainz - vor allem über Standards. Als die Konzentration der Gäste kurz schwanden, stand Florian Wirtz bereit. Das 1:0 war schon sein zehntes Bundesliga-Tor, mit 18 Jahren und 139 Tagen löste er Lukas Podolski (18 Jahre 353 Tage) als jüngster Spieler in dieser Kategorie ab. "Er ist ein geiler Zocker", lobte ihn Torwart Lukas Hradecky: "Er schreibt wahrscheinlich Woche für Woche Geschichte."

Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln 1:1 (1:1), Tore: 0:1 Skhiri (14.), 1:1 Borre (45.+6)

Wieder kein Sieg für Eintracht Frankfurt, auch am sechsten Spieltag der noch jungen Saison nicht, dagegen schon das fünfte Unentschieden. Gewinnen ist auch schwierig, wenn man es dem Gegner so einfach macht. Das frühe Kölner Führungstor war so ein Fall: Langer Ball, Jonas Hector legte ihn mit der Fußspitze in die Mitte, dort stand Ellyes Skhiri - das 1:0, ganz simpel. Tief in der Nachspielzeit der ersten Hälfte kam Frankfurt zwar zum Ausgleich, für mehr reichte es aber nicht. Im Gegenteil, der Punkt war recht glücklich, Köln wurde noch ein zunächst regulär anmutender Treffer durch Florian Kainz aberkannt.

TSG 1899 Hoffenheim - VfL Wolfsburg 3:1 (1:1), Tore: 0:1 Baku (25.), 1:1 Kramaric (45.+2), 2:1 Baumgartner (74.), 3:1 Kaderabek (81.)

Schon vor der Partie seiner Hoffenheimer sagte Trainer Sebastian Hoeneß über seinen Angreifer Andrej Kramaric beim TV-Sender Sky: "Ich mache mir keine Sorgen und so lange wir eine Vielzahl von Torchancen herausspielen, wird Andrej auch wieder treffen." Gesagt, getan: Kramaric erzielte nach einer Ecke von David Raum vom zweiten Pfosten aus das 1:1 gegen den VfL Wolfsburg. Es war das erste Saisontor für den stärksten TSG-Angreifer, da haben sich die Extraschichten im Training gelohnt. Christoph Baumgartner drehte in der zweiten Halbzeit das Spiel und Pavel Kaderabek sorgte für den 3:1-Endstand. Auf der anderen Seite blieb der Top-Stürmer dagegen überraschend blass: Nach sieben Toren in sechs Spielen gegen Hoffenheim traf Wout Weghorst diesmal nicht. Stattdessen erfolgreich: Ridle Baku mit einem sehenswerten 25-Meter-Schuss.

1. FC Union Berlin - Arminia Bielefeld 1:0 (0:0), Tor: 1:0 Behrens (88.)

Es ist eine Binsenweisheit, aber sie stimmte auch an diesem Samstag: Die Schnellsten sind nicht immer die Besten. Während der Rest der Bundesliga sich noch in aller Ruhe die Stutzen richtete, legten Union Berlin und Arminia Bielefeld am Samstag um Punkt 15.30 Uhr schon mit dem Fußballspielen los. Doch dann schien es so, als übten die beiden Teams ihren Sport in Köpenick eben genau so gemächlich aus wie die anderen zuvor ihr Beinkleid bearbeiteten. Das folgerichtige Ergebnis des ausbaufähigen Bundesligaspiels? Nullnull natürlich - zumindest sah es lange danach aus. Doch zwei Minuten vor dem Schlusspfiff schrieb der eingewechselte Stürmer Kevin Behrens das Skript mit seinem umjubelten Führungstor um. Damit besteht eine bemerkenswerte Serie weiter: Seit 20 Bundesliga-Partien sind die Berliner an der Alten Försterei ungeschlagen.

RB Leipzig - Hertha BSC 6:0 (3:0), Tore: 1:0 Nkunku (16.), 2:0 Poulsen (23.), 3:0 Mukiele (45.+3), 4:0 Forsberg (60., Foulelfmeter), 5:0 Nkunku (70.), 6:0 Haidara (77.)

Ach ja, so einfach ist das? Einfach das System aus dem Vorjahr kopieren und schon läuft es? Leipzigs neuer Coach Jesse Marsch hat gegen Hertha BSC jedenfalls genauso aufgestellt, wie es sein Vorgänger Julian Nagelsmann getan hätte: hinten Dreierkette, vorne ein Stürmer. Aber macht ja nix, wenn es so schön funktioniert: Früher Führungstreffer durch Christopher Nkunku, gleich das zweite hinterher durch Yussuf Poulsen, der in der Startelf André Silva ersetzen durfte. Der Leipziger Vortrag wirkte plötzlich viel lockerer als in den Vorwochen, ob es am neuen, alten System lag? Vielleicht auch am Gegner, der nicht viel tat, um dieses Spiel den Leipzigern noch zu entreißen. Am Ende wurde es bitter für die Hertha: 3:0, 4:0, 5:0, 6:0. Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic hat mit großer Verärgerung auf die 0:6-Pleite von Hertha BSC bei RB Leipzig am Samstag reagiert. "Wir müssen uns bei unseren Fans für den Auftritt entschuldigen", sagte Hertha-Geschäftsführer Fredi Bobic bei Sky: "So einen Auftritt möchte ich in der Form nicht mehr sehen."

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