Süddeutsche Zeitung

Anschlag in Bangkok:Was Thailand-Reisende jetzt wissen müssen

So ist die Sicherheitslage in Bangkok - und in Thailand generell. Das rät das Auswärtige Amt.

Tausende deutsche Urlauber reisen jedes Jahr nach Thailand. Was bedeuten die Bombenanschläge in Bangkok für sie? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist zu den Explosionen in Bangkok bekannt?

Bei einer ersten Explosion sind am Montagabend in Thailands Hauptstadt mindestens 20 Personen ums Leben gekommen, 125 wurden verletzt. Das Sprengstoff-Attentat ereignete sich in Bangkoks zentralem Bezirk Pathum Wan. An der wichtigen Kreuzung Rajprasong liegen neben dem beliebten Erawan-Schrein auch mehrere große Einkaufszentren und teure Hotels.

Nach Angaben eines Regierungssprechers sind unter den Toten fünf Thailänder, vier Chinesen, zwei Malaysier und ein Singapurer. Die Identifizierung der anderen Opfer ist noch nicht abgeschlossen.

Am Dienstag kam es zu einer weiteren Explosion in der thailändischen Hauptstadt, bei der jedoch niemand verletzt wurde.

Wer ist für die Anschläge verantwortlich?

Noch ist nicht klar, wer hinter den Anschlägen steckt. Die Polizei verfolgt mehrere Spuren und fahndet nach Verdächtigen.

Am Ort des jüngsten Anschlags protestierten im Mai 2010 bis zu 150 000 Thaksin-Anhänger, die "Rothemden", gegen die vom Militär unterstützte Regierung. Bei den folgenden Straßenschlachten mit Soldaten kamen mehr als 90 Personen ums Leben. Es ist daher durchaus möglich, dass es sich bei den Attentätern um Gegner der Militärregierung handelt.

Es könnte allerdings auch ein Zusammenhang zum bewaffneten Aufstand der muslimischen Malaien im Süden des Landes bestehen. Diese kämpfen dort für eine Loslösung von Thailand. In der Region kommt es beinahe täglich zu Anschlägen, bis in die thailändische Hauptstadt ist der Konflikt bislang allerdings nicht vorgedrungen.

Was ist der Erawan-Schrein?

Bangkok ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Thailands - und gehört zu den meistbesuchten Städten der Welt. Der Erawan-Schrein, vor dem die Bombe am Montag explodierte, ist einer von etwa 400 Tempeln in der Hauptstadt. Er wurde 1956 im Zentrum von Bangkok errichtet und ist dem Gott Brahma gewidmet. Benannt wurde er nach Brahmas sagenumwobenem mehrköpfigen Elefanten.

Der heilige Schrein ist nicht nur ein Touristenmagnet, sondern auch Ziel vieler Einheimischer: Er wird von Hindus und Buddhisten gleichermaßen verehrt. Sie behängen die Statue der Gottheit mit Blumenkränzen, zünden Kerzen und Räucherstäbchen an und bitten um Segen. Urlauber kommen vor allem, weil dort mehrmals Tänzerinnen pro Stunde in prunkvollen Kostümen auftreten.

Wie häufig sind Anschläge in Thailands Touristenregionen?

Immer wieder werden auch in von Urlaubern besuchten Landesteilen Attentate verübt. Erst im Februar kam es vor einem Einkaufszentrum in Bangkok ganz in der Nähe des jetzigen Explosionsorts zu einem Anschlag. Zwei Personen wurden verletzt. Im April wurden bei einer Explosion auf der beliebten thailändischen Urlaubsinsel Koh Samui sieben Menschen verletzt. Eine Autobombe war in der Tiefgarage eines Einkaufszentrums explodiert. Auch im Süden Thailands, wo die muslimischen Separatisten aktiv sind, gibt es häufiger Bombenanschläge.

Am 31. Dezember 2006 waren an mehreren Orten in Bangkok Sprengsätze explodiert, zwei davon in der Nähe des aktuellen Anschlagorts. Drei Menschen kamen ums Leben, mehr als 30 wurden verletzt. Die Täter wurden nie gefunden. Auch damals regierte eine Militärjunta das Land.

Reisehinweise und Stornierungen

Was sollten Touristen jetzt beachten?

Das Auswärtige Amt hat nach der Bombenexplosion am Montag seine Reise- und Sicherheitshinweise für Thailand aktualisiert. "Reisenden wird empfohlen, besonders vorsichtig zu sein und diese Reisehinweise und die aktuelle Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen." Weitere Anschläge, auch in anderen beliebten Feriengebieten, könnten nicht ausgeschlossen werden.

Von Reisen in die unter Notstandsrecht stehenden Provinzen im Süden des Landes und in die Grenzregion zu Kambodscha wurde schon vor dem jüngsten Attentat dringend abgeraten.

Kann man gebuchte Reisen stornieren?

Rechtlich sieht es für kostenlose Stornierungen eher schwierig aus, sagt Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Er sieht keinen Anhaltspunkt dafür, dass Gästen nun wegen höherer Gewalt ein Kündigungsgrund zugestanden werde - zumal das Auswärtige Amt keine Reisewarnung ausgesprochen hat. Zudem habe es in Thailand bereits früher Anschläge gegeben. In einem politisch eher instabilen Land Urlaub zu machen, sei mit einem gewissen Risiko behaftet.

Die Reiseveranstalter informierten derzeit ihre Gäste über die aktuelle Entwicklung und die Hinweise des Auswärtigen Amts, sagte Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV). "Mehr kann man im Augenblick noch nicht sagen."

Wie ist die generelle Sicherheitslage in Thailand?

So beliebt das Urlaubsland gerade auch bei Deutschen ist, Touristen sollten sich vorsichtig verhalten und Sicherheitshinweise sehr ernst nehmen. In Thailand hat die Kriminalität in der letzten Zeit zugenommen - gerade auch an den beliebten Reisezielen Phuket, Koh Samui und Pattaya.

Das Auswärtige Amt warnt zudem vor Banden, die mit korrupten Polizeibeamten gemeinsame Sache machen. Diese würden zum Beispiel von Touristen hohe Geldbeträge fordern, weil diese gemietete Jet Skis oder Motorroller angeblich beschädigt zurückgegeben hätten. Reisende, denen so etwas passiert, wird geraten, direkt die deutsche Botschaft zu kontaktieren (+66 2 2879000 während der Dienstzeiten und +66 81 8456224 Bereitschaftsdienst).

Frauen sollten gerade auch auf den monatlich stattfindenden "Full Moon Partys" auf der Insel Koh Pha-ngan höchste Vorsicht walten lassen. Wiederholt wurden hier Frauen und Mädchen von unter Drogen oder Alkohol stehenden Teilnehmern vergewaltigt.

700 000 deutsche Urlauber pro Jahr

Ist gerade Hauptreisezeit in Thailand?

Die Hauptreisezeit ist im europäischen Winter, von November bis Februar herrscht in Thailand die "kühle" Jahreszeit: Dann ist die Luftfeuchtigkeit nicht so hoch, trotzdem ist es tagsüber oft über 30 Grad warm. Die heiße Zeit von März bis Mai ist für Europäer eher unangenehm: Die Tagestemperaturen steigen auf 40 Grad Celsius, hinzu kommt sehr schwüle Luft.

Die aktuelle dritte Jahreszeit von Juni bis Ende Oktober ist vom Südwest-Monsun geprägt - allerdings heißt das nicht, dass es in der Regenzeit durchgehend schüttet. Reisende müssen nur ab und zu mit Schauern rechnen, sodass Deutsche auch in den Sommerferien gerne nach Thailand reisen. Für südliche Inseln wie Koh Samui ist es sogar die beste Reisezeit.

Wie viele deutsche Touristen sind in Thailand unterwegs?

Das Land ist sehr beliebt bei den Deutschen, die sich hier gerade in den Wintermonaten vom heimischen Schmuddelwetter erholen. Vergangenes Jahr buchten mehr als 715 000 eine Reise in die Region - trotz des Militärputsches im Mai. Das ist im Vergleich zum Rekordjahr 2013 nur ein geringer Rückgang von drei Prozent - damals reisten 737 000 deutsche Urlauber nach Thailand.

Besonders viele Touristen besuchen die Küstenregionen im Süden bei Koh Samui und auf der Insel Phuket sowie am Golf von Thailand, etwa Pattaya oder Koh Chang.

Militärjunta an der Macht

Wie ist aktuell die politische Lage im Land?

Nachdem das konservative königsnahe Establishment Premierministerin Yingluck Shinawatra gestürzt hat und eine Militärjunta unter Armeechef Prayuth Chan-ocha im Mai 2014 die Macht übernommen hat, ist die politische Lage weiterhin angespannt.

Die versprochene Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen ist nicht in Sicht. Unter Kontrolle der Junta wird zwar an einer neuen Verfassung gearbeitet, wann es zu Neuwahlen kommt ist jedoch unklar. Auch wird erwartet, dass die gestürzte Premierministerin und ihre einflussreiche Familie in ihrer politischen Tätigkeit eingeschränkt werden. Zuletzt hatten mehrere Gerichte drakonische Haftstrafen wegen Majestätsbeleidigung verhängt.

Welche Bedeutung hat der Tourismus für das Land?

Die politische Krise hat die thailändische Wirtschaft deutlich geschwächt. Die Binnennachfrage stagniert, der Export ist eingebrochen. Im vergangenen Jahr lag das BIP-Wachstum bei gerade einmal 0,7 Prozent.

Im Norden des Landes belastet aktuell eine schwere Dürre die Landwirtschaft. Im Oktober 2011 erlebte Thailand die schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Auch die Millionen-Metropole Bangkok wurde von Wassermassen geflutet.

Der Tourismus ist ein wichtiges Standbein der thailändischen Wirtschaft. Nachdem die Zahl der Touristen nach dem Putsch im vergangenen Jahr zunächst merklich zurückgegangen war, hatte sich die Zahl zuletzt wieder deutlich erhöht.

Gerade viele Chinesen haben Thailand als Reiseziel entdeckt. Die chinesischen Anschlagsopfer könnten jetzt dazu führen, dass viele Landsleute gebuchte Reisen stornieren und das Land meiden.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.2611373
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de mit Material von dpa/cag/leja
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.