Süddeutsche Zeitung

Neue Provokation:Nordkorea will US-Bürger vor Gericht stellen

Provokation aus Pjöngjang: Nordkorea will einem US-Bürger den Prozess machen. Pae Jun Ho wird seit fünf Monaten festgehalten. Die Staatsführung wirft ihm vor, an Umsturzplänen gearbeitet zu haben.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist angespannt - doch die Führung in Pjöngjang setzt weiter auf Provokation. Nun will sie einen Ende vergangenen Jahres festgenommenen US-Bürger vor das Oberste Gericht des Landes stellen. Pae Jun Ho werde sich bald vor der höchsten Instanz verantworten müssen und verurteilt werden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Der Mann, der seit Monaten festgehalten wird, habe die ihm zur Last gelegten Taten gestanden. Unter anderem wird Pae laut KCNA vorgeworfen, an einem Sturz der kommunistischen Führung gearbeitet zu haben.

"Alle Anhörungen in den niedrigeren Instanzen sind abgeschlossen", schrieb die Agentur. "Während der Anhörungen hat Pae die Verbrechen, der Demokratischen Volksrepublik Korea feindselig gegenüberzustehen und sie stürzen zu wollen, zugegeben", hieß es weiter. Dafür gebe es Beweise. Worauf die Anschuldigungen Nordkoreas im Detail basieren, legte KCNA nicht dar.

Pae war nach nordkoreanischen Angaben am 3. November als Tourist in das abgeschottete Land eingereist. Das US-Außenministerium informierte am 11. Dezember über die Festnahme eines US-Bürgers, äußerte sich aber nicht zu dessen Identität. Am 21. Dezember bestätigte Pjöngjang dann Paes Festnahme. Eine südkoreanische Zeitschrift identifizierte ihn als 44-jährigen Tourismusmanager, der mit fünf Touristen durch Nordkorea gereist sei, von denen einer eine Computerfestplatte mit sensiblen Daten bei sich gehabt habe.

In der Vergangenheit waren in Nordkorea wiederholt US-Bürger festgenommen und nach Verhandlungen mit ranghohen US-Vertretern freigelassen worden. So reiste der frühere US-Präsident Jimmy Carter im Jahr 2010 in das Land und erreichte die Freilassung der zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilten Aijalon Mahli Gomes, die angeblich illegal nach Nordkorea eingereist war. Ein Jahr zuvor hatte Ex-Präsident Bill Clinton in ähnlicher Mission zwei Journalistinnen nach Hause geholt, die auch wegen illegalen Grenzübertritts festgehalten worden waren.

In den vergangenen Wochen spitzte sich der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel allerdings stark zu. So kappte Nordkorea alle Notfallverbindungen zu Südkorea und schloss auch die gemeinsam betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong. Zudem provozierte das Land die Weltgemeinschaft mit Raketenstarts und Atomtests und drohte mit Atomangriffen auf Südkorea und die USA. Nach einem Atomtest im Februar hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen neue Sanktionen gegen Nordkorea verhängt.

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