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Kim Jong Uns Drohgebärden:Provokation als Familientradition

North Korean leader orders missile forces to be on standby

Kim Jong Un plant Provokationen und folgt der Familientradition.

(Foto: dpa)

Kim Jong Un droht, beleidigt und hat in seiner kurzen Zeit als neuer Diktator Nordkoreas bereits einen erfolgreichen Raketen- und einen Atomtest absolviert. Er treibt damit die konfrontative Politik seines Vaters und Vorgängers Kim Jong Il auf die Spitze. Dennoch glauben Experten nicht an einen Krieg.

Seit dem 30. März befindet sich Nordkorea offiziell im Krieg mit Südkorea, bereits zuvor hatte das Land mit einem präventiven Atomangriff auf den südlichen Nachbarn und die USA gedroht. Die Amerikaner reagieren mit der Entsendung eines Kriegsschiffes und atomwaffenfähiger Flugzeuge. Nordkorea verkündet, dass es die Atomanlage in Yongbyon wieder in Betrieb nehmen will. Der Konflikt des kommunistisch regierten Nordens mit dem Westen hat damit vorläufig einen Höhepunkt erreicht. Nichtsdestotrotz ist der Krieg bisher nicht mehr als ein Wortgefecht. Kim Jong Un hatte bereits kurz nach seiner Machtübernahme martialische Drohungen von sich gegeben und wenig Zweifel daran gelassen, dass er die konfrontative Politik seines Vaters Kim Jong Il fortsetzen werde.

Eine Chronologie der Ereignisse:

  • Tod von Kim Jong Il: Am 17. Dezember 2011 stirbt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il, der Sohn von Staatsgründer Kim Il Sung, an den Folgen eines Herzinfarkts. Im staatlichen Fernsehen verkündet eine Nachrichtensprecherin zwei Tage später: "Es ist der größte Verlust für unsere Partei und der größte Trauerfall für unser Volk." Zugleich fordert sie die Bevölkerung auf, nun treu Kim Jong Un zu folgen, dem Sohn des verstorbenen Diktators. Er war schon in den Jahren zuvor systematisch zum Nachfolger aufgebaut worden.
  • Hoffnung auf Öffnung: Schon wenig später äußern westliche Politiker die Hoffnung, Nordkorea könnte nach dem Tod Kim Jong Ils bereit sein, mit der internationalen Staatengemeinschaft zu verhandeln, insbesondere über das Atomprogramm des Landes. Aus dem Weißen Haus heißt es, die USA wollten ihren Umgang mit Nordkorea nach dem Tod seines langjährigen Machthabers Kim Jong Il möglicherweise auf den Prüfstand stellen. Konkret geht es um Überlegungen, das isolierte Pjöngjang wieder in Atomgespräche einzubinden und dem Land Nahrungsmittelhilfen zukommen zu lassen. Doch es kommt anders.
  • Offizielle Machtübernahme Kim Jong Uns: Als Höhepunkt der elftägigen Staatstrauer wird Kim Jong Il am 28. Dezember 2011 im Rahmen einer pompösen Trauerfeier beigesetzt. Den Sarg des verstorbenen Machthabers begleiten Kim Jong Un, dessen Onkel Jang Song Thaek und der Stabschef der Armee, Ri Yong Ho. Diese Konstellation lässt darauf schließen, dass Onkel und Stabschef eine wichtige Position im Machtgefüge des Staates zukommen wird. Nur einen Tag später ruft das protokollarische Staatsoberhaupt, Kim Yong Nam, Kim Jong Un vor Zehntausenden Menschen als "obersten Führer unserer Partei und des Militärs" aus.
  • Nordkorea zerschlägt Hoffnung auf Wandel: Bereits einen Tag nach Ende der Trauerzeit macht das Regime jegliche Hoffnungen des Westens auf eine Öffnung des Landes zunichte. Das mächtigste Gremium Nordkoreas, die Nationale Verteidigungskommission, lässt mitteilen: "Wir erklären feierlich und voller Stolz den dummen politischen Verantwortlichen in der Welt, darunter der Marionettenregierung in Südkorea, dass sie von uns nicht die geringste Änderung erwarten dürfen."
  • Drohung mit "erbarmungslosen Vergeltungsschlägen": Militärübungen des südlichen Nachbarn nimmt die Regierung in Pjöngjang immer wieder zum Anlass für martialische Drohungen. So auch am 20. Februar 2012, als Seoul eine Schießübung seiner Marine im Gelben Meer abhält. Nordkorea wurde über das Vorhaben bereits zuvor in Kenntnis gesetzt und drohte daraufhin mit "massiver Vergeltung". Sollten die Truppen des Südens in die Gewässer des Nordens eindringen, werde Pjöngjang "unverzüglich erbarmungslose Vergeltungsschläge" anordnen.
  • Erste Atomgespräche nach Kim Jong Ils Tod: Schließlich kommt es doch zu einer Annäherung mit dem Westen - zumindest scheinbar. Bei den ersten Atomgesprächen nach dem Tod des alten Diktators verspricht Pjöngjang den USA zufolge, auf Raketen- und Atomtests zu verzichten, die Urananreicherung einzustellen und Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ins Land zu lassen. Im Gegenzug versprechen die Amerikaner 240.000 Tonnen Nahrungsmittel für die hungernde Bevölkerung zu liefern. Experten warnen jedoch davor, die Reformbereitschaft der nordkoreanischen Führung zu überschätzen.
  • Nordkorea plant Start einer Langstreckenrakete: Es dauert nicht lange, bis es zwischen Nordkorea und seinen Verhandlungspartnern erneut zu schweren diplomatischen Verwerfungen kommt. Lauf offizieller Darstellung aus Pjöngjang soll aus Anlass des 100. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung ein Satellit ins All geschossen werden. Die USA und ihre Verbündeten vermuten dahinter jedoch den versteckten Test einer Langstreckenrakete und werfen Nordkorea vor, gegen mehrere UN-Resolutionen zu verstoßen. Doch die Interventionen sind vergebens. Am 13. April 2012 unternimmt Nordkorea den Versuch, einen Satelliten mit Hilfe einer Langstreckenrakete in die Erdumlaufbahn zu bringen. Doch der Test scheitert. Südkoreanischen Angaben zufolge explodiert die Rakete in 150 Kilometer Höhe und stürzt ins Meer. Die internationale Gemeinschaft verurteilt den Test - die USA kündigen einen Stopp ihrer Nahrungshilfen an.
  • Raketenpräsentation in Pjöngjang: Am 15. April 2012 präsentiert das Regime in Pjöngjang der Öffentlichkeit sechs Raketen und verstärkt seine Drohungen an Südkorea und dessen Verbündete: "Spezielle Aktionen der revolutionären Streitkräfte werden alle rattengleichen Gruppen und ihre Stützpunkte in drei oder vier Minuten zu Asche verwandeln - dank nie dagewesener, besonderer Mittel und Methoden", verliest eine Sprecherin im staatlichen Fernsehen. Experten halten die zur Schau gestellten Flugkörper für Attrappen. Es wachsen jedoch die Befürchtungen, dass Kim Jong Un als Kompensation für den gescheiterten Raketentest einen Atomtest planen könnte.
  • "Offiziere warten auf Befehl zum Kampf auf Leben und Tod": Und wieder ist es eine Militärübung, die Nordkorea für weitere Verbalattacken nutzt. Im August 2012 arbeiten die USA und Südkorea bei der Simulation eines Krieges zusammen. Pjöngjang reagiert höchst aggressiv. Sollten die Feinde nur ein Geschoss auf nordkoreanisches Staatsgebiet feuern, werde die gesamte Armee zum Gegenangriff aufmarschieren, zitiert die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Kim. "Die mutigen Offiziere warten nur auf einen endgültigen Befehl zum Kampf auf Leben und Tod gegen die Feinde."
  • Erfolgreicher Raketentest: Acht Monate nach dem missglückten Start einer Langstreckenrakete kann Kim Jong Un dann doch einen Propaganda-Erfolg verbuchen. Am 12. Dezember unternimmt Nordkorea erneut den Versuch, einen Satelliten auf einer Trägerrakete in die Erdumlaufbahn zu schießen, diesmal mit Erfolg.
  • Dritter Atomwaffentest: Am 12. Februar 2013 unternimmt das Land nach 2006 und 2009 den dritten Atomtest in seiner Geschichte. Zwei Wochen später beaufsichtigt Machthaber Kim eine Artillerie-Übung, die einen "tatsächlichen Krieg" simulieren soll.
  • Nordkorea droht mit präventivem Atomangriff: Doppelte Provokation für Kim: Die USA und Südkorea beginnen am 1. März mit ihrem jährlichen Militärmanöver. Gleichzeitig kündigt der UN-Sicherheitsrat wegen des Atomtests härtere Sanktionen gegen das kommunistische Regime an. Am 7. März droht Nordkorea mit einem präventiven Atomangriff auf Südkorea und die USA. Einen Tag später kündigt das Regime den Nichtangriffspakt mit dem Süden auf.
  • Amerika schickt atomwaffenfähige Bomber: Die USA geben am 19. März den Einsatz von atomwaffenfähigen B-52-Bombern bei ihrem Militärmanöver mit Südkorea bekannt. Zur Abschreckung schicken die Amerikaner am 28. März zusätzlich zwei atomwaffenfähige B-2-Tarnkappenbomber nach Südkorea.
  • Erklärung des Kriegszustandes: Nordkorea versetzt am 29. März nach eigenen Angaben seine Raketen für Angriffe auf Ziele in den USA in Bereitschaft. Die Schießübung der Tarnkappenbomber sei "ein Ultimatum zum Atomkrieg" sagt Kim der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge. Es ist allerdings nicht klar, ob Nordkorea tatsächlich Ziele in den USA treffen könnte. Einen Tag später erklärt Pjöngjang dem Süden offiziell den Krieg.

Trotz der zunehmend martialischen Drohungen glauben Experten nicht, dass Nordkorea tatsächlich einen Krieg will. Joseph DiTrani, früherer US-Geheimdienstexperte, hält Kims Drohungen lediglich für einen Versuch, aus dem Schatten seines Vaters zu treten. Kim müsse der militärischen Elite seine Stärke beweisen, sagte DiTrani. Kim habe nach seinem Amtsantritt Ende 2011 zwar mehrere Generäle gefeuert, dennoch könnte ihm die einflussreiche Militärführung Schwierigkeiten bereiten.

Auch asiatischen Experten zufolge versucht Kim derzeit, mögliche Widersacher beim Militär mit dem Festhalten an der Politik seines Vaters gnädig zu stimmen. Dieser räumte dem Militär die höchste Priorität im Staat ein.

Bislang beharrt die US-Regierung darauf, dass es keinen Grund zu übermäßiger Sorge gibt. Ungeachtet allen Säbelrasselns: Noch seien weder verstärkte militärische Aktivität noch Truppenbewegungen in Nordkorea registriert worden. Außerdem betont das bedrohte Südkorea, dass die nordkoreanische Armee ohnehin nicht kampfbereit sei. Die Versorgung der Soldaten sei schlecht, die Waffen veraltet. Andere politische Beobachter kritisieren hingegen US-Präsident Barack Obama. Seine Strategie der positiven Anreize im Gegenzug für Nordkoreas Verzicht auf sein Atomprogramm habe nichts gebracht.

Ausführliche Reaktionen auf die Situation in Nordkorea finden Sie hier.

Mit Material von AFP und Reuters.

© Süddeutsche.de/dpa/AFP/Reuters/mane/beitz

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