Süddeutsche Zeitung

Michael Klonovsky:"Focus"-Autor stellt Petry seinen "Kopf zur Verfügung"

Michael Klonovsky fiel mit drastischen Äußerungen zu Islam, Merkel und Feminismus auf - und mit programmatischen Ideen für die Rechten. Das will die AfD-Chefin nun nutzen.

Der Publizist Michael Klonovsky wechselt vom Focus zur Alternative für Deutschland (AfD). Das Redaktionsnetzwerk Deutschland meldete, Klonovsky werde "Pressesprecher von AfD-Chefin Frauke Petry. Der 53-Jährige selbst beschreibt seine Rolle allerdings als deutlich umfassender. "Ich werde nicht Pressesprecher, ich tauge nicht zur Sprechpuppe, sondern ich stelle Frauke Petry und der AfD sozusagen meinen Kopf zur Verfügung", schrieb er der SZ auf Anfrage. Der Begriff "Spin-Doctor" treffe es ganz gut. "Publizistischer Berater" sei die korrekte Formulierung.

Dazu passt, dass Klonovsky aktuell auf seinem Blog einen Artikel postete, den er bereits im Jahr 2010 für den Focus verfasst hatte. Darin beklagt der Autor das Fehlen einer "konservativen oder rechtskonservativen Partei" in Deutschland. Er entwirft eine Art Programm für eine solche Partei - das in vielen Bereichen Anknüpfungspunkte an die AfD bietet.

"Eine konservative Partei würde darauf bestehen, dass Volk und Nation keineswegs Begriffe aus der politischen Rumpelkammer seien, sondern Tatsachen", schreibt Klonovsky da. Er nennt die "deutsche Leitkultur als Selbstverständlichkeit" und "Gegenbegriff zur Multikultur". Eine konservative Partei nach seinem Verständnis wäre demnach eine "Partei der EU-Skepsis", die sich "gegen Brüsseler Zentralismus und die Entmündigung ganzer Völker wenden" würde. Und sie wäre eine Partei, die darauf bestehen würde, "dass Deutschland kein Einwanderungsland ist".

Weiter macht sich Klonovsky für eine Stärkung der traditionellen Familie stark. Er wendet sich gegen Frauenquoten und andere Maßnahmen zum "Gendermainstreaming". Er befürwortet, dass der "Gedanke der Sühne ins Gerichtswesen zurückkehrt". Und nimmt damit vieles Vorweg, was sich heute so ähnlich auch im AfD-Programmentwurf findet, der auf dem Parteitag am Wochenende als Grundlage für die Diskussion dient.

Eigener Humor

Was die Sichtweise des Islam angeht, scheinen sich die Ansichten von Klonovsky und der Rechtsaußen-Partei ebenfalls zu decken. 2014 zog eine Focus-Titelstory Klonovskys über die "Dunkle Seite des Islam" Kritik auf sich, die als unsauber und vorurteilsbehaftet verurteilt wurde. Klonovsky wies das allerdings zurück - 2015 schob er eine Story über "Die helle Seite des Islam" hinterher. Markante Sinnsprüche des Autors wie "Jeder Muezzinruf beinhaltet eine Feinderklärung" ließen manche allerdings an der Unvoreingenommenheit Klonovskys bei dem Thema zweifeln.

Überhaupt fällt Klonovsky, selbsterklärter Gegner der political correctness und des Feminismus', vehementer Verfechter von Männerrechten, immer wieder durch grenzwertige Äußerungen auf (The European listet einige ziemlich drastische Aphorismen Klonovskys auf, die dieser 2014 in einem Sammelband veröffentlicht hatte). Und was soll man auch davon halten, wenn jemand auf seinem Blog am Monatsende Fotos von hübschen, figurbetont gekleideten Frauen postet, als sogenannte "Monatsendfiguren".

AfD-Beratung ja, AfD-Beitritt nein

Auch bei seinem Noch-Arbeitgeber, dem Focus, soll Klonovsky mehr und mehr angeeckt sein - das berichtet zumindest Spiegel online. Dort arbeitete er seit 1992 als Redakteur, zeitweise war er Chef vom Dienst und leitete das Debattenressort. Zuletzt war der 1962 in der DDR geborene Klonovsky bei dem Nachrichtenmagazin Autor in der Rubrik "Debatte".

Seine drastischen Blogeinträge, aber auch seine publizistischen Tätigkeiten, zum Beispiel bei der Rechtsaußen-Zeitung Eigentümlich frei, wurden dort offenbar zunehmend kritisch betrachtet. Besondere Irritationen in der Redaktion soll der Autor Spiegel online zufolge mit einem "Tagebucheintrag" vom 23. Januar 2016 gesorgt haben, in dem er einen, wenn auch ironisch gebrochenen, Zusammenhang zwischen Hitler und Merkel herstellte.

Spiegel online berichtet auch, dass Klonovsky sich im März diesen Jahres in einem mittlerweile gelöschten Eintrag auf seiner Blogseite darüber beschwert hatte, dass der Verlag ihm "neuerdings sämtliche Nebentätigkeiten" untersagt habe.

Seine "Natur" spricht gegen Parteibeitritt

Nun verlässt der Autor das Magazin in "gegenseitigem Einvernehmen", wie er selbst und gleichlautend eine Pressesprecherin des Burda-Verlags mitteilen. Das Arbeitsverhältnis ende am 31. Mai, schreibt Klonovsky, am 1. Juni beginnt seine Tätigkeit für die AfD.

Beim AfD-Bundesparteitag in Stuttgart soll am Wochenende neben Klonovsky noch eine weitere Neubesetzung vorgestellt werden. Markus Frohnmaier, der Vorsitzende der AfD-Nachwuchsorganisation, soll Petry-Sprecher werden. Ob damit der parteiinterne Streit um den bisherigen Sprecher Christian Lüth erledigt ist, den die Parteichefin schassen wollte, wird sich zeigen.

Der neue Berater Klonovsky wird "allenfalls als Gast und stummer Beobachter" zum Parteitag fahren, wie er schreibt. Warum er überhaupt zur AfD wechselt? "Ein Freund der Demokratie kann es nur wünschen, dass sich im Parlament die gesamte Gesellschaft abbildet", antwortet Klonovsky. Dabei wolle er behilflich sein. Der AfD beitreten will er allerdings nicht. Seine "Intellektuellen- und Künstlernatur" vertrage sich nicht mit Parteimitgliedschaften.

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