Süddeutsche Zeitung

Krieg in Nahost:Sonderflüge für Deutsche in Israel starten

Vier Maschinen sollen an diesem Donnerstag und Freitag mehr als 2000 Menschen nach Frankfurt und München bringen. Bei der Buchungshotline der Lufthansa gibt es jedoch massive Probleme.

Von Paul-Anton Krüger und Kassian Stroh

Fünf Tage nach Beginn des Kriegs in Israel starten Sonderflüge, um Deutsche aus dem Land zu bringen. An diesem Donnerstag und Freitag wird die Lufthansa jeweils vier Flüge durchführen. Kurz nach der Freischaltung einer Hotline für deren Buchung sind jedoch große Probleme aufgetreten. Sie sei trotz Dutzender Anrufe nicht zu erreichen, berichteten mehrere deutsche Staatsangehörige der Süddeutschen Zeitung. Auch gebe es keine Warteschleife, sondern nur ein Besetztzeichen. Auch in sozialen Medien gab es entsprechende Beschwerden.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Abend dazu, die Lufthansa habe darüber informiert, dass ihr Callcenter derzeit mit einem extrem hohen Anfrageaufkommen konfrontiert sei. Sie habe versichert, mit Hochdruck an einer Lösung zu arbeiten.

Die Verbindungen seien Sonderflüge im Auftrag des Auswärtigen Amts, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums an Deutsche, die sich auf der Vorsorgeliste für Kriseninformationen eingetragen haben. Je zwei Flüge pro Tag sollen nach München und nach Frankfurt gehen - um 13.30 Uhr, 14.30 Uhr, 16 Uhr und 17 Uhr (Ortszeit). Dafür wird eine Gebühr in Höhe von 300 Euro pro Person fällig. Die Lufthansa stellt pro Person 550 Euro in Rechnung, 250 Euro übernimmt also die Bundesregierung.

Für die geplanten Sonderflüge will die Lufthansa auch zwei Großraumflugzeuge einsetzen: Nach Tel Aviv sollen eine Boeing 747-400 (371 Plätze) von Frankfurt und ein Airbus A350 (293 Plätze) von München starten. Dazu kommen pro Drehkreuz jeweils ein Airbus A321 mit jeweils 200 Sitzplätzen. Für beide Tage zusammen ergibt das eine Gesamtkapazität von 2128 Sitzplätzen. Für die Flüge hatten sich zahlreiche Piloten und Flugbegleiter trotz der bestehenden Sicherheitsrisiken freiwillig gemeldet, wie die Lufthansa auf Anfrage mitteilte.

Die Regierung empfiehlt auch die Ausreise über Jordanien

"Wir wissen um die Schwierigkeiten bei der Ausreise aus Israel", schreibt das Auswärtige Amt. Es gebe aber auch andere Möglichkeiten, das Land zu verlassen. Zum einen flögen verschiedene Airlines, nicht nur die israelische El Al, weiter den Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv an. Auf dem Landweg könnten Deutsche auch nach Jordanien fahren - über die Grenzübergänge Beit She'an im Norden und Eilat im Süden. Mit von der deutschen Botschaft in Tel Aviv organisierten Bussen seien so am Mittwoch etwa 100 Deutsche ausgereist. Geprüft werde zudem, ob es aktuell Fährverbindungen von Israel beispielsweise nach Zypern gebe.

In der Regierungsbefragung am Mittwoch im Bundestag fragte der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt, warum es so lange dauere, Deutsche aus Israel herauszubringen und warum die Bundesregierung dafür nicht Militärmaschinen genutzt habe, die nach seinen Informationen auf europäischer Ebene verfügbar gewesen wären. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) antwortete darauf, man habe aufgrund der Menge der Anfragen der Ausreise von Jugendgruppen Priorität eingeräumt; zudem seien Tausende Deutsche mit anderen Fluggesellschaften über Umsteigeverbindungen ausgereist.

Mehrere Jugendgruppen sind zurück in Deutschland

Mehrere deutsche Jugendgruppen konnten Israel bereits verlassen. So kamen am späten Mittwochabend ein Dutzend Jugendliche und ihre Betreuer am Berliner Flughafen an, die in der Stadt Aschkelon die Angriffe miterlebt hatten. Sie flogen am Dienstag nach Athen und tags darauf dann über Zürich nach Berlin. Auch mehrere Jugendgruppen aus Nordrhein-Westfalen sind wieder in Deutschland, sie kamen mit Flügen in die Türkei oder nach Zypern aus dem Land.

Das Krisenreaktionszentrum des deutschen Außenministeriums hatte zu Beginn der Woche mit Fluggesellschaften darüber verhandelt, Flugkapazitäten zu erweitern. Nach offiziellen Angaben halten sich mehr als 100 000 Deutsche in Israel auf, die Mehrzahl von ihnen haben beide Staatsbürgerschaften. In der Krisenliste "Elefand" hatten sich bis Mittwochmorgen mehr als 5000 von ihnen registriert. Unklar sei aber, wie viele von ihnen das Land verlassen wollen.

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