Süddeutsche Zeitung

Coronavirus weltweit:Britischer Minister hält regelmäßige Auffrischung der Impfung für nötig

Österreichs Bundeskanzler Kurz will Vakzine aus Russland und China im eigenen Land produzieren lassen. Der Impfstoff von Astra Zeneca wirkt nur begrenzt bei Südafrika-Variante.

Großbritannien rechnet mit einer regelmäßigen Auffrischung der Coronavirus-Impfung. "Wir sehen sehr wahrscheinlich eine jährliche oder eine Auffrischungsimpfung im Herbst und dann eine jährliche (Impfung)", sagte der für den Einsatz der Impfstoffe verantwortliche Minister Nadhim Zahawi der BBC. So werde es auch bei Grippeimpfungen gemacht, "bei denen man schaut, welche Variante des Virus sich auf der Welt ausbreitet". Großbritannien hat bereits fast 11,5 Millionen erste Dosen des Corona-Impfstoffs bereitgestellt. Bis Mitte Februar sollen dort alle Menschen in den am stärksten gefährdeten Gruppen geimpft sein.

Österreich verschärft Grenzkontrollen

Österreich will aus Sorge vor der Verbreitung des Coronavirus Grenzkontrollen zu Deutschland und den weiteren Nachbarländern ab Montag massiv verschärfen. So sollen alle nicht notwendigen Reisen in der Pandemie verhindert werden, teilte das Innenministerium am Sonntag mit. "Die Grenzkontrollen dienen als Wellenbrecher für Infektionsketten, die gerade durch neue Virusmutationen immer gefährlicher werden", sagte Innenminister Karl Nehammer. Zu dem Thema habe Nehammer auch ein positives Gespräch mit seinem deutschen Amtskollegen Horst Seehofer (CSU) geführt. Das Netz der Kontrollen an den Grenzen solle nun deutlich dichter werden. Bisher hat Österreich schon die Grenzen zu Ungarn, Slowenien, Tschechien und der Slowakei kontrolliert. Die bisher stichprobenmäßig durchgeführten Kontrollen an den übrigen Grenzen sollen nun deutlich intensiviert werden.

Anfang der vergangenen Woche waren bereits striktere Regeln für Einreisende nach Österreich verkündet worden. Jeder Reisende muss künftig beim Grenzübertritt einen negativen Coronatest vorlegen. Ausnahmen gibt es nicht mehr. Auch sei eine zehntägige Quarantäne einzuhalten. Das Freitesten nach fünf Tagen wurde abgeschafft. Pendler müssen sich - wie andere Einreisende auch - nun online registrieren und einmal pro Woche einen negativen Coronatest vorzeigen. Um mögliche Grenzübertritte von Touristen zu verhindern, kündigten die Behörden zudem verstärkte Kontrollen in Skigebieten an. "Es gilt in Zeiten der Pandemie, Reisebewegungen auf das absolute Minimum zu reduzieren", so Nehammer.

Seit Beginn der Grenzkontrollen im Dezember wurden nach Angaben des Innenministeriums drei Millionen Menschen überprüft und 200 000 in Quarantäne geschickt. Österreich lockert den Corona-Lockdown am Montag nach sechs Wochen. Handel, Friseure und Schulen können unter strengen Hygienebedingungen wieder öffnen.

Kurz will Impfstoffe aus Russland und China in Österreich produzieren

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz will im Kampf gegen die Corona-Pandemie die Impfstoffe aus Russland und China im eigenen Land produzieren lassen. Voraussetzung sei eine Zulassung in Europa, sagte der konservative Politiker der Welt am Sonntag. Dann "würde Österreich ganz bestimmt versuchen, Produktionskapazitäten bei geeigneten einheimischen Unternehmen für russische oder chinesische Impfstoffe zur Verfügung zu stellen". Es gehe einzig darum, so schnell wie möglich viel sicheren Impfstoff zu erhalten. Kurz sagte weiter, er würde sich auch selbst mit beiden Präparaten impfen lassen. "Es geht bei den Impfstoffen einzig um Wirksamkeit, Sicherheit und um schnelle Verfügbarkeit, nicht um geopolitische Kämpfe." Die Bürger der Europäischen Union seien aktuell nur "suboptimal" mit Impfstoffen versorgt. Der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) warf er vor, bei der Zulassung "bürokratisch und langsam" zu arbeiten. Zulassungen außerhalb der EU gingen viel schneller.

Astra-Zeneca-Impfstoff wirkt nur begrenzt bei Südafrika-Variante

Der Corona-Impfstoff von Astra Zeneca bietet laut dem Pharmakonzern nur begrenzten Schutz bei einer mild verlaufenden Infektion mit der südafrikanischen Variante des Virus. Dies hätten erste Ergebnisse einer Studie der südafrikanischen Universität Witwatersrand und der Universität Oxford, mit der Astra Zeneca den Impfstoff zusammen entwickelte, ergeben, teilte das britisch-schwedische Unternehmen am Samstag mit. Astra Zeneca reagierte damit auf einen Bericht der Financial Times, die zuvor über den womöglich geringeren Impfschutz bei der Mutation berichtet hatte. Südafrikas Gesundheitsminister Zweli Mkhize kündigte bereits an, den Einsatz des Impfstoffes von Astra Zeneca auszusetzen, solange Wissenschaftler über die beste Verwendung der Arznei beraten.

2026 Personen hatten an einer noch nicht durch Experten begutachteten Studie zur Wirksamkeit des Impfstoffs gegen die Mutante teilgenommen, berichtet die FT. Keiner der Teilnehmer habe demnach einen schweren Verlauf gehabt oder sei gestorben. Astra Zeneca geht davon aus, dass der Impfstoff auch Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bietet. Allerdings gebe es noch nicht genügend Erkenntnisse darüber, da es sich bei den Studienteilnehmern überwiegend um junge, gesunde Erwachsene gehandelt habe.

Neben der südafrikanischen Virus-Mutation kursieren derzeit zwei weitere Varianten, die zuerst in Großbritannien und Brasilien entdeckt wurden. Sie alle gelten als ansteckender als die Ursprungsvariante und haben sich bereits in vielen Ländern weltweit verbreitet. Astra Zeneca zufolge soll der Impfstoff nun so angepasst werden, dass er auch bei der Südafrika-Mutante wirksam ist.

Mehr als eine Million bestätigter Infektionen in den Niederlanden

In den Niederlanden überschreitet die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen die Schwelle von einer Million. Seit dem ersten festgestellten Fall am 27. Februar des vergangenen Jahres wurden 1 001826 Menschen positiv auf das Virus getestet, wie das Institut für Öffentliche Gesundheit mitteilt. Die Summe der tatsächlichen bisherigen Infektionen in dem 17-Millionen-Einwohner-Land dürfte allerdings deutlich höher sein, weil die Testkapazitäten zeitweise nicht ausreichten.

Dänemark verschärft Einreiseregeln

Reisende, die über den Landweg oder Häfen nach Dänemark einreisen, müssen sich von Sonntag an binnen 24 Stunden nach Ankunft einem Corona-Test unterziehen. Nach dem Test wird eine zehntägige häusliche Quarantäne verlangt, wie die dänische Regierung am Samstag bekanntgab. Von Ausländern, die in Dänemark nicht gemeldet sind, kann zudem verlangt werden, bereits bei der Einreise einen negativen Corona-Test vorzuweisen. Flugreisende dürfen seit Januar nur mit einem negativen Corona-Test, der nicht älter als 24 Stunden sein darf, ins Land. Personen die die Regeln nicht einhalten, droht eine Geldbuße von umgerechnet 470 Euro. Die Maßnahmen wurden mit dem Auftreten von neuen, wohl ansteckenderen Varianten des Coronavirus vor allem im Großbritannien begründet.

US-Kongress stellt Weichen für Bidens Hilfspaket

Der US-Kongress hat das billionenschwere Corona-Hilfspaket von US-Präsident Joe Biden ein entscheidendes Stück vorangebracht. Nach dem Senat billigte am Freitag auch das Repräsentantenhaus mit der Mehrheit von Bidens Demokraten einen entsprechenden Haushaltsplan. Das ist die Voraussetzung dafür, dass das Paket in den kommenden Wochen das Parlament passieren kann. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, erwartet eine endgültige Zustimmung des Kongresses vor dem 15. März. Im Senat hatte das Votum von Vizepräsidentin Kamala Harris den Ausschlag gegeben, weil bei der Abstimmung ein Patt von 50 zu 50 Stimmen entstanden war.

Biden will mit dem 1,9 Billionen Dollar schweren Programm die Folgen der Corona-Pandemie abfedern und die Konjunktur anschieben. Nach Vorstellungen der Republikaner sollte dafür allerdings weniger als ein Drittel der Summe ausreichen. Als Teil der Haushaltsplanung deklariert, konnten die Hilfsmaßnahmen mit einfacher Mehrheit durch beide Häuser des Parlaments gebracht werden. Flankierend sind aber noch weitere Gesetzesvorhaben erforderlich, damit Bidens großes Konjunkturpaket umgesetzt werden kann.

Dänemark: Alle Nerze auf Farmen tot

Alle Nerze auf den dänischen Nerzfarmen sind nun tot. Wenige Wochen nach dem Inkrafttreten eines entsprechenden Haltungsverbots bis Ende 2021 sind die letzten überlebenden Nerze in Betrieben in Dänemark getötet worden, wie die zuständige Lebensmittelbehörde Fødevarestyrelsen am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Kopenhagen bestätigte. Es kann demnach allerdings noch sein, dass es vereinzelte Pelztiere in Zoos und als Haustiere in Privathaushalten gibt. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen hatte Anfang November verkündet, dass alle Nerze im Land getötet werden sollen. Begründet wurde der radikale Schritt damit, dass das Coronavirus in den Tieren mutiert sei und sich auf den Menschen übertragen habe.

Die Massenkeulung der mehr als 15 Millionen Nerze hatte zu einer größeren Debatte im Land geführt, unter anderem, weil für die Tötung länger die Rechtsgrundlage gefehlt hatte. Die Regierung bekam dafür viel Kritik, Lebensmittelminister Mogens Jensen trat zurück. Die gesetzliche Grundlage wurde im Nachhinein geschaffen, die Nerzhaltung zudem bis zum 31. Dezember 2021 verboten. Die Züchter und weitere von den Pelztieren abhängige Betriebe werden mit einem Milliardenbetrag entschädigt.

Britische Aufsicht: Impfstoff von Astra Zeneca wirkt auch bei Älteren

Der von der Universität Oxford und dem Pharmakonzern Astra Zeneca entwickelte Corona-Impfstoff wirkt den britischen Gesundheitsbehörden zufolge auch bei älteren Menschen. Das hätten neue Studiendaten des britisch-schwedischen Pharmakonzerns bestätigt, sagt ein Vertreter der Aufsichtsämter. Seit der Zulassung seien mehr Daten von Astra Zeneca eingegangen, da mehr Menschen die Studie abschlössen, und es gebe keinen Hinweis auf eine mangelnde Wirksamkeit bei Älteren.

Während der Impfstoff in Großbritannien und auch von der EU-Arzneimittelbehörde EMA ohne Altersbegrenzung zugelassen wurde, wird in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern das Vakzin nur unter 65-Jährigen verabreicht. Als Grund wurde angeführt, dass es keine ausreichenden Daten für die Wirksamkeit bei Älteren gibt.

Großbritannien sichert sich 50 Millionen zukünftige Curevac-Impfdosen

Großbritannien hat seinen Kurs der frühzeitigen Corona-Impfstoff-Beschaffung ausgeweitet und sich 50 Millionen Dosen eines zukünftigen Impfstoffs des deutschen Herstellers Curevac gesichert, der auch gegen Virus-Varianten wirken soll. Das Tübinger Unternehmen werde mit der britischen Regierung zusammenarbeiten, um solche Impfstoffkandidaten zu entwickeln, teilte Curevac mit. Teil der Vereinbarung sind 50 Millionen Dosen, die Großbritannien zustehen sollen, wenn die Vakzine zugelassen werden.

Auch bei anderen Impfdosen hat die britische Regierung frühzeitig große Impfstoffmengen bestellt und hat daher aktuell weniger Nachschubprobleme als etwa die Europäische Union. Die zukünftigen Curevac-Vakzine sollen der Mitteilung zufolge teilweise in Großbritannien hergestellt und vertrieben werden. Curevac kooperiert außerdem mit Bayer zur Herstellung seines aktuellen, noch in klinischen Tests befindlichen, mRNA-Impfstoffs sowie mit dem britischen Pharmakonzern Glaxosmithkline für die Vakzine der nächsten Generation.

Johnson & Johnson beantragt Zulassung seines Impfstoffs in den USA

Johnson & Johnson hat in den USA eine Notfallzulassung seines Corona-Impfstoffs beantragt. Ein entsprechender Schritt in Europa solle in den kommenden Wochen folgen, teilte der US-Pharmakonzern mit.

Vor knapp einer Woche hatte Johnson & Johnson mitgeteilt, dass sein Impfstoff in einer weltweiten Studie eine Wirksamkeit von 66 Prozent erzielt habe. Der Impfstoff bietet den Vorteil, dass eine einmalige Dosis ausreichen soll statt zweien. Zudem muss das Präparat nicht tiefgefroren gelagert werden, was die Verteilung erleichtert. Der Impfstoff basiert anders als einige Vakzine der Konkurrenz nicht auf einer völlig neuen Technologie, sondern auf einem normalen Erkältungsvirus.

Sobald das Zulassungsverfahren der US-Arzneimittelbehörde FDA abgeschlossen und die Genehmigung erteilt worden sei, könne mit der Auslieferung begonnen werden, sagte der Chef des Unternehmens, Paul Stoffels. Die FDA setzte eine Besprechung ihres unabhängigen Beratungsausschusses für Impfstoffe für den 26. Februar an. Dieser gibt dann eine Empfehlung ab. Bei den bereits zugelassenen Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna erfolgte jeweils einen Tag später die Zulassung.

Insgesamt will Johnson & Johnson in diesem Jahr eine Milliarde Dosen bereitstellen. Produziert werden soll das Vakzin in den USA, Europa, Südafrika und Indien. Die USA haben sich für eine Milliarde Dollar 100 Millionen Dosen gesichert. Johnson & Johnson rechnet mit der Auslieferung in der ersten Jahreshälfte. Zudem haben die USA eine Option auf weitere 200 Millionen Dosen. Die EU hat sich bis zu 400 Millionen Dosen von dem Mittel gesichert.

Rumänien lässt aus Deutschland nur noch mit negativem Test einreisen

Rumänien verschärft die Einreisebestimmungen für Menschen aus Ländern, die in dem EU-Mitgliedsland als Corona-Risikogebiete gelten. Auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz darf vom 12. Februar an nur noch einreisen, wer ein negatives PCR-Testergebnis auf das Virus Sars-Cov-2 vorweisen kann. Das beschloss das nationale Katastrophenschutz-Komitee in Bukarest am Donnerstagabend.

Ausgenommen sind Reisende, die nachweisen können, dass sie bereits beide Dosen einer Impfung bekommen haben oder drei Monate vor der Einreise eine Corona-Infektion überstanden haben. Auch für bestimmte Berufsgruppen im Transportgewerbe gibt es Ausnahmen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Rumänien derzeit bei 86,9 Fällen pro 100 000 Einwohner, niedriger als in vielen anderen Staaten Europas.

Beschaffung von Corona-Impfstoff: Von der Leyen räumt Fehler ein

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen räumt Fehler bei der Beschaffung von Corona-Impfstoffen ein. "Wir haben uns sehr stark auf die Frage fokussiert, ob es ein Vakzin geben wird, also die Entwicklung", sagte sie in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung und einigen ausländischen Medien. "Rückblickend hätten wir stärker parallel über die Herausforderungen der Massenproduktion nachdenken müssen."

Die Brüsseler Behörde orderte für die 27 EU-Mitgliedstaaten bei sechs Herstellern bis zu 2,3 Milliarden Impfdosen, doch im Moment liefern die Unternehmen weniger als erhofft oder versprochen. So kann Astra Zeneca bis Ende März nur 40 statt 80 Millionen Dosen zur Verfügung stellen, wegen Problemen in einem Werk in Belgien. Die CDU-Politikerin gestand ein, unterschätzt zu haben, "welche Komplikationen auftreten können". Das könnte auch überzogene Erwartungen geweckt haben: "Wir hätten den Menschen erklären sollen, dass es vorangeht, aber langsam, und dass es bei diesen komplett neuen Verfahren Probleme und Verzögerungen geben wird."

Mit Blick auf die stete Kritik, die EU habe zu zögerlich bei den Firmen bestellt, sagte von der Leyen, dass Entscheidungen mit 27 Beteiligten manchmal etwas länger dauern könnten: "Natürlich, ein Land kann ein Schnellboot sein, und die EU ist mehr ein Tanker." Sie betonte jedoch, dass alle Regierungen eng eingebunden gewesen seien in die Verhandlungen mit den Pharmakonzernen.

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