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Lockdown verlängert:Was Österreich-Urlauber wissen müssen

Getreidegasse in Salzburg

Nur wenige Passanten verlieren sich in der Getreidegasse in Salzburg. Der Lockdown in Österreich wurde bis 7. Februar verlängert.

(Foto: Barbara Gindl/dpa)

Österreich bleibt weiter im Lockdown. Welche Auswirkungen hat das auf Urlaubspläne? Und was ist mit der Skisaison?

Von Eva Dignös

Seit Herbst kämpft Österreich mit rasch steigenden Coronazahlen. Nach einer kurzen Zeit der Lockerungen gelten seit Ende Dezember wieder die harten Regeln eines Lockdowns. Ursprünglich sollte er bis 24. Januar dauern, mittlerweile wurde er bis 7. Februar verlängert. Schon Anfang November sprach das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für fast das gesamte Land aus, von österreichischer Seite wurden Einreisebeschränkungen verhängt.

Was bedeutet das für Urlauber aus Deutschland? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Darf man noch nach Österreich reisen?

Das Auswärtige Amt warnt zwar vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in die betroffenen Regionen, verbietet sie aber nicht. Eine Reisewarnung ist gedacht als "dringender Appell", nicht zu reisen, wie es das Auswärtige Amt formuliert. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wird sie ausgesprochen, wenn mit drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens, mit Quarantänemaßnahmen und einem erhöhten Ansteckungsrisiko zu rechnen ist.

Die Situation im jeweiligen Land wird regelmäßig überprüft und die Warnung gegebenenfalls angepasst. So wurden am 2. Oktober das Kleinwalsertal in Vorarlberg und die Gemeinde Jungholz in Tirol wieder von der Liste gestrichen. Die beiden österreichische Exklaven sind nur von Bayern aus erreichbar. Allerdings gelten auch hier die Ausgangsbeschränkungen, die Österreich verhängt hat.

Touristische Hotelaufenthalte sind aktuell wegen des Lockdowns ohnehin nicht möglich. Grundsätzlich haben Pauschalreisende in einem Risikogebiet aber das Recht, ihren Urlaub abzubrechen. Entsteht während des Urlaubs am Ziel "ein plötzlicher Hotspot, so dass Gefahr für Leib und Leben besteht, liegen außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vor", die dazu berechtigen, den Vertrag zu kündigen, informiert der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das Geld für nicht genutzte Leistungen müsse erstattet und, sofern vertraglich vereinbart, der Rücktransport durch den Reiseanbieter organisiert werden.

Welche Beschränkungen gibt es bei der Einreise?

Österreich schränkt seit 19. Dezember die Einreisemöglichkeiten stark ein: Nach einem Aufenthalt in einem Corona-Risikogebiet - und das sind bis auf wenige Ausnahmen wie Australien, Finnland, Japan oder Neuseeland fast alle Länder - muss man zunächst für zehn Tage in Quarantäne. Auch Einreisende aus Deutschland sind davon betroffen. Erst ab dem fünften Tag kann man sich mit einem negativen PCR- oder einem Antigen-Test freitesten. Die Durchreise durch Österreich bleibt ohne Einschränkungen möglich. Seit 15. Januar müssen sich Reisende zusätzlich online registrieren, Ausnahmen gibt es lediglich für Pendler, für den Transit sowie bei familiären Notfallsituationen. Erfasst werden Name, Geburtsdatum und Mail-Adresse sowie die Wohn- und die Aufenthaltsadresse in Österreich (hier finden Sie das Formular). Nach 28 Tagen sollen die Daten wieder gelöscht werden.

Wie ist die Infektionslage im Land?

Die Zahl der Neuinfektionen ist zwar durch den Lockdown im November gesunken, stagniert aber nun wieder und liegt immer noch bei rund 1600 pro Tag. Die Sieben-Tages-Inzidenz wird mit rund 130 angegeben.

Welche Anti-Corona-Auflagen gelten in Österreich?

Anfang Dezember durften zunächst alle Geschäfte wieder öffnen, doch nach Weihnachten war es mit den Lockerungen vorerst vorbei. Seit 26. Dezember sind - mit Ausnahme von Supermärkten und anderen Läden für Dinge des täglichen Bedarfs - die Geschäfte sowie "körpernahe Dienstleister" wie Friseursalons geschlossen, Ausgangsbeschränkungen gelten nicht mehr nur nachts, sondern auch tagsüber. Das Haus verlassen darf man nur, um zur Arbeit zu gehen, um Grundbedürfnisse zu erledigen, anderen Menschen zu helfen oder im Freien Sport zu treiben. Restaurants und Freizeiteinrichtungen bleiben ebenfalls zu, Hotels dürfen allenfalls Geschäftsreisende beherbergen. Ursprünglich sollte der Handel am 25. Januar wieder öffnen dürfen, doch wegen anhaltend hoher Zahlen und der Gefahr einer Ausbreitung von hochansteckenden Virusvarianten wurde der Lockdown nun bis 7. Februar verlängert und noch einmal verschärft: In den geöffneten Geschäften und in öffentlichen Verkehrsmitteln müssen FFP2-Masken getragen werden und statt einem sind zwei Meter Sicherheitsabstand zu anderen Menschen einzuhalten.

Müssen Österreich-Urlauber nach ihrer Rückkehr in Quarantäne?

Ja, das gilt in Deutschland in fast allen Bundesländern für Rückkehrer aus Risikogebieten. Sie sind verpflichtet, sich direkt nach der Ankunft "nach Hause oder in eine sonstige Beherbergung am Zielort" zu begeben und sich dort zehn Tage lang zu isolieren. Frühestens nach fünf Tagen darf man sich testen lassen, um bei einem negativen Ergebnis die Quarantäne vorzeitig zu beenden. Außerdem wird eine Online-Registrierung unter www.einreiseanmeldung.de verlangt. Die Details der Umsetzung der Quarantänepflicht unterschieden sich von Bundesland zu Bundesland. So gewähren einige Länder Ausnahmen für Grenzpendler oder bei Kurzreisen von weniger als 24 Stunden Dauer. Bayern hat davon allerdings wieder Abstand genommen: Von der Quarantäne befreien kann man sich nur noch mit triftigen Gründen wie Arbeit, Schule, Arztbesuchen oder Zusammenkünften mit engen Verwandten, nicht jedoch nach einem Tagesausflug zum Skifahren oder Wandern. Beschlossen hat das Bundeskabinett am 13. Januar außerdem eine Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten. Spätestens 48 Stunden nach der Einreise muss das Ergebnis vorgelegt werden, bei Staaten, die von hochansteckenden Virusvarianten betroffen sind oder einen Inzidenzwert über 200 haben, bereits vor der Einreise.

Was passiert, wenn man im Österreich-Urlaub Covid-19-Symptome entwickelt?

Nicht eigenmächtig zum Arzt gehen, sondern im Haus bleiben und die Hotline 1450 anrufen: So lautet die deutliche Maßgabe des Gesundheitsamtes Ages für Patienten mit verdächtigen Symptomen wie Husten, Fieber oder Halsschmerzen.

Mit der europäischen Krankenversicherungskarte, die auf der Rückseite der Gesundheitskarte aufgedruckt ist, besteht grundsätzlich Versicherungsschutz. Rücktransporte werden allerdings nicht bezahlt und oft auch nicht sämtliche Leistungen. Deshalb empfiehlt sich auf Reisen immer eine private Auslandskrankenversicherung. Manche Versicherer schließen allerdings Leistungen im Pandemie-Fall oder bei einer Reisewarnung aus. Ob das der Fall ist, steht in den kleingedruckten Versicherungsbedingungen.

Was wird jetzt aus der Skisaison?

Hygienekonzepte für die Skisaison wurden schon vor Monaten vorgelegt. Ob Urlauber aus dem Ausland in dieser Saison noch auf die Pisten dürfen, wird jedoch aufgrund der Einreisebeschränkungen und des verlängerten Lockdowns immer ungewisser. Mitte Februar solle die Lage für Gastronomie und Hotellerie neu beurteilt werden, kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz am 17. Januar an. Eine Öffnung sei aber frühestens im März möglich. Der Liftbetrieb ist seit den Weihnachtstagen erlaubt. Der Bund gibt den Rahmen vor, zum Beispiel die Maximalbesetzung in den Gondeln, in denen dann eine FFP2-Maske getragen werden muss. Viele Einheimische und Tagesausflügler aus dem Inland zog es vor allem in den Weihnachtsferien auf die Pisten - manches kleinere Skigebiet bekam Probleme, auf Parkplätzen und an Gondelstationen die Abstandsregeln durchzusetzen. Das sorgte auch über Österreich hinaus für viel Kritik. Denn in Fahrt kam die erste Infektionswelle unter anderem, weil aus dem Après-Ski-Hotspot Ischgl ein Corona-Hotspot wurde und das Virus, nachdem zunächst niemand reagierte, mit den heimkehrenden Urlaubern munter auf Europareise ging.

Können Reisen nach Österreich storniert werden?

Pauschalurlauber dürfen bei "unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen" am Urlaubsort, die eine "Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen", vom Vertrag zurücktreten, ohne die sonst üblichen Stornogebühren bezahlen zu müssen. Eine Reisewarnung gilt dafür als "starkes Indiz". Selbst wenn sie nicht vorliegt, gibt es seit einem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt (Az.: 32 C 2136/20) recht gute Chancen auf einen kostenlosen Rücktritt, sofern eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine gesundheitsgefährdende Ausbreitung des Virus vorliegt. Zum Zeitpunkt der Buchung darf diese Entwicklung allerdings noch nicht absehbar gewesen sein. (Was man dabei beachten muss, erfahren Sie in diesem Interview mit dem Reiserechts-Experten Paul Degott.) Alle schon geleisteten Zahlungen müssen innerhalb von 14 Tagen erstattet werden. Das gilt auch, wenn es der Veranstalter ist, der die Reise absagt.

Findet die Reise allerdings erst in einigen Monaten statt, können sich Verbraucher nicht auf die aktuelle Reisewarnung oder die derzeitige Infektionslage berufen. Dann sind - sofern der Veranstalter keine Umbuchung erlaubt - Stornogebühren zu entrichten.

Was ist mit individuell gebuchten Reisen?

Individualreisende, die Anreise und Unterkunft getrennt voneinander organisieren, sind rechtlich schlechter gestellt als Pauschalreisende: Selbst eine Reisewarnung berechtigt sie nicht zum kostenfreien Rücktritt. Je kurzfristiger die Absage, umso höher sind in der Regel die Stornogebühren. Sogar der Gesamtpreis kann fällig sein. Die Details der Stornostaffelung stehen im Vertrag, der mit dem Hotelier oder Ferienhausvermieter geschlossen wurde. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert, vor der endgültigen Absage Kontakt mit dem Gastgeber aufzunehmen: Vielleicht lässt sich der Aufenthalt auf das kommende Jahr verschieben. Wer jetzt erst bucht, sollte auf möglichst kulante Stornobedingungen achten. Viele Hoteliers und Ferienhausvermieter kommen ihren Kunden derzeit entgegen.

Anders sieht es aus, wenn das Urlaubsziel aufgrund der Einreisebestimmungen gar nicht erreichbar ist: Kann eine Leistung wegen behördlicher Auflagen nicht erbracht werden, ist der Preis zurückzuzahlen, erklärt Beate Gelbmann, Leiterin der Abteilung Rechtsklagen des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Sie beruft sich dabei auf Österreichs Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (§ 1168 Abs 1).

Allerdings versuchten sich einige Betriebe - etwa Skilift-Besitzer, die Saisonkarten verkauft hatten - mit geänderten Allgemeinen Geschäftsbedingungen vor einer Rückzahlung zu drücken: Plötzlich ist diese nur noch eingeschränkt oder überhaupt nicht mehr vorgesehen. "Solche Klauseln sind unseres Erachtens meist gröblich benachteiligend und daher unzulässig", erklärt Rechtsexpertin Gelbmann. Der VKI habe deshalb einige Skilift-Betreiber bereits abgemahnt. Weil diese aber Unterlassungserklärungen abgegeben hätten, sei es noch nicht zu einem Gerichtsverfahren gekommen, auf das sich Verbraucher berufen könnten. Der VKI vertritt nur Konsumenten, die in Österreich leben - die Kontrolle von Allgemeinen Geschäftsbedingungen kann aber jeder anregen.

© SZ.de/bix
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