Süddeutsche Zeitung

Stars, Konzerte, Poetry Slam:Das läuft beim Kino-Open-Air in Starnberg

Das Event mit 34 Vorstellungen findet zum zweiten Mal in der Pandemie statt - und geht diesmal nahtlos ins Fünfseen-Filmfestival über.

Von David Costanzo

Normalerweise geht beim Film nichts über die Premiere - die Magie des Ungesehenen, die von der Leinwand strahlt, das Knistern des nie Dagewesenen. Beim diesjährigen Kino-Open-Air im Starnberger Seebad und darauffolgenden Fünfseen-Filmfestival gilt das Gegenteil: Die Abläufe sind erprobt, fast schon Routine, "keine Premiere", betont Leiter Matthias Helwig - zumindest, wenn es um die gesamte Veranstaltung geht. "Mit ist wichtig, dass sich die Leute sicher fühlen", sagt er, "und wir tun alles dafür."

Kommenden Mittwoch beginnt das Open-Air in der Pandemie-Fassung, Teil zwei, Mitte August schließt sich das Festival praktisch nahtlos bis Ende August an. Und es bleibt das größte Kulturspektakel in der Region. Bis zu 500 Besucher dürfen an jedem der 34 Kino-Abende im Strandbad Platz nehmen - vor einer der schönsten Kulissen mit Blick auf den Starnberger See und die Alpenkette. Und natürlich haben sich wieder Stars angesagt, gibt es Konzerte und Poetry Slam, erwarten das Publikum Weltpremiere, Vorpremieren und beim Festival mehr als 150 Filme, die auch in den Kinos Starnberg, Gauting und Seefeld zu sehen sein werden.

Die italienische Komödie mit dem programmatischen Titel "Auf alles, was uns glücklich macht" übernimmt nach einem Konzert den Auftakt des Kino-Open-Airs. Gleich vier Mal steht das "Kaiserschmarrndrama" auf dem Programm, am 1. August sogar noch als Vorpremiere vier Tage vor dem eigentlichen Kinostart und ebenfalls mit Konzert. Als Special Guest kommt Gerhard Wittmann, der in der bayerischen Burleske Eberhofers ungeliebten Bruder Leopold spielt und im Filmgespräch Fragen des Publikums beantwortet.

Der Abend mit Oscar-Gewinner "Nomadland" wird eingeläutet von einer Weltpremiere: Der Wörthseer Regisseur und Komponist Axel Werner präsentiert seinen Tanz-Musik-Kurzfilm "Colour Your Mind", der in dreieinhalb Minuten eine Feier der Freiheit nach Corona sein soll. Im vergangenen Jahr zeigte Werner beim Open-Air erstmals den Kurzfilm "Come Closer", der in der Folge 28 Preise und Ehrungen abräumte.

Nach aktuellen Blockbustern, Klassikern, erstmals einem Anime-Comic und einem Polit-Streifen mit Poetry-Slam bildet der Seeshaupter Filmemacher Walter Steffen mit der Vorpremiere seiner Doku "Auf Tour - z'Fuaß" den Abschluss. "Eigentlich wollte ich keinen Film mehr machen", sagt der 66-Jährige. Aber dann habe ihn die verrückte Idee der beiden Anarcho-Jazzer Matthias Schriefl und Johannes Bär begeistert - eine 200-Kilometer-Wanderung durch die Alpen mit 8000 Höhenmetern und mit 55 Kilo schweren Instrumenten samt Alphörnern, Akkordeon und Trompeten im Gepäck, um im Lockdown die Musik zu den Leuten zu bringen, wie Steffen sagt. "Es ist zwar ein Corona-Film geworden, aber einer, der Spaß macht." Selbstverständlich spielen die beiden vor der Aufführung auf und stehen mit Regisseur Steffen beim Filmgespräch Rede und Antwort.

Die Hygieneregeln ähneln denen des Vorjahres, zumindest derzeit: Die Liegestuhl-Reihen werden nummeriert sein und auf Abstand stehen. Auf dem Weg dorthin und in der Gastronomie gilt Maskenpflicht, am Platz nicht. In die Tonanlage hat Helwig nach Beschwerden von Nachbarn investiert. Sie soll das Strandbad nun zielgerichteter beschallen. Einlass ist um 20 Uhr. "Film ab!", heißt es je nach Dämmerung: Die setzt Ende Juli gegen 21.30 Uhr ein, Ende August ist es schon eine Stunde früher dunkel genug.

Nach einem einzigen Tag Pause steigt am 18. August die Eröffnung des Fünfseen-Filmfestivals im Strandbad. Fast jeden Abend werden Regisseur, Filmteam oder Schauspieler der gezeigten Streifen anwesend sein. Birgit Minichmayr erhält am 21. August den Hannelore-Elsner-Preis, neun weitere Kategorien umfasst der Wettbewerb. Senta Berger und Michael "Bully" Herbig haben zugesagt. Festival-Chef Helwig hofft, dass auch Marcus H. Rosenmüller zu dessen "Rotzbub" am 30. August und Regie-Legende Mika Kaurismäki am 31. August zum Abschluss des Festivals mit dessen Streifen "Gracious Night" kommen. Von den mehr als 150 Filmen will Helwig keinen herausheben. Es sei, als habe man 150 Kinder. Er liebt sie einfach alle.

Das Open-Air-Programm: 28.7. Auf alles, was uns glücklich macht (mit Konzert Yeni-Toro-Ensemble), 29.7. Minari, 30.7. Demon Slayer - The Movie, 31.7. Der Rausch, 1.8. Kaiserschmarrndrama (mit Konzert Hansi Zellner, Finni Melchior, Kiko Pedrozo), 2.8. The Longest Wave, 3.8. Mein Liebhaber, der Esel und ich, 4.8. Die Reifeprüfung (mit Konzert Christina Jesinghaus & Claus Angerbauer), 5.8. Kaiserschmarrndrama, 6.8. Bohemian Rhapsody, 7.8. Master Cheng in Pohjanjoki, 8.8. Eine Frau mit berauschenden Talenten, 9.8. Nomadland (mit Premiere Colour Your Mind), 10.8. Kaiserschmarrndrama, 11.8. Tides, 12.8. Und morgen die ganze Welt (mit Poetry-Slam), 13.8. Kaiserschmarrndrama, 14.8. Der Rausch, 15.8. Fabian, 16.8. Auf Tour - z'Fuaß (mit Konzert Schriefl & Bär). Karten unter www.fsff.de: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro. Mit Konzert und Poetry Slam 15 Euro.

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SZ vom 23.07.2021
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