Süddeutsche Zeitung

Personalie Bernd Redmann:Präsident der Musikhochschule überraschend abgewählt

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Er wollte die nach dem Skandal um Ex-Präsident Siegfried Mauser angeschlagene Institution neu aufstellen. Doch nun ist Bernd Redmann nicht wiedergewählt worden. Eine Frau soll seine Nachfolge antreten.

Von Susanne Hermanski

Die Nachricht vom Wechsel an der Spitze der Hochschule für Musik und Theater München kommt überraschend: Deren Präsident Bernd Redmann hatte vor einigen Jahren das schwierige Erbe von Siegfried Mauser auf diesem Posten angetreten und sich energisch für die Sanierung des historisch belasteten Hochschulgebäudes eingesetzt. Am Dienstag lehnte der Hochschulrat nun Redmanns erneute Kandidatur um das Präsidentenamt ab und berief Lydia Grün, aktuell Professorin für Musikvermittlung an der Hochschule für Musik Detmold, zu Redmanns Nachfolgerin.

Bernd Redmann, 57, war seit acht Jahren im Amt, hatte sich zur Wiederwahl gestellt - und ist in der Vergangenheit dafür durchs Stahlbad gegangen. Redmann war bereits Vizepräsident der Hochschule, als der mittlerweile wegen sexueller Nötigung verurteilte und inhaftierte Siegfried Mauser noch als dessen Präsident amtierte. Redmann konnte Hochschulrat und Ministerium davon überzeugen, dass er dennoch der richtige Mann war, die in ihrer Reputation schwer angeschlagene Institution in eine neue Zeit zu führen.

Redmann hatte in den Achtzigerjahren selbst an der Münchner Hochschule Komposition, Musiktheorie und Schulmusik studiert. Nach der Mauser-Zeit führte er Richtlinien gegen Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Gewalt ein, ließ Gleichstellungskonzepte erarbeiten und bezog Stellung zum Urteil gegen seinen ehemaligen Vorgesetzten. Ebenfalls fordernd stellte sich für Redmann der Kampf um die Sanierung des maroden Hochschulgebäudes dar. Bei dem Bau an der Arcisstraße handelt es sich um den ehemaligen sogenannten Führerbau der NSDAP. Jede Maßnahme, das Haus zu renovieren und in eine moderne Hochschule zu verwandeln, ist mit entsprechender politischer Brisanz versehen. Redmann hatte mithilfe von Bauamt und Ministerium vor der Pandemie einen Plan dafür erarbeitet.

Grün gilt als Expertin für kulturelle Bildung

In seiner Sitzung am Dienstag, 12. Juli, entschied sich der extern (neun Köpfe) wie intern (acht Köpfe) besetzte Hochschulrat, seine Bewerbung für eine dritte Amtszeit nicht anzunehmen, und stattdessen die Kulturmanagerin, Musikwissenschaftlerin und Publizistin Lydia Grün zur neuen Präsidentin zu empfehlen. Das Kunst- und Wissenschaftsministerium muss die Personalie noch bestätigen. Grün ist in Detmold auch stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte, von 2017 bis 2021 wirkte sie als Expertin im Rat für Kulturelle Bildung. Als Geschäftsführerin des Netzwerks Junge Ohren e.V. engagierte sie sich von 2013 bis 2019 für die Bedeutung von Musik in einer vielfältigen Gesellschaft. Zuvor war sie von 2008 bis 2012 als Referentin für Musik und stellvertretende Referatsleiterin im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

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