Süddeutsche Zeitung

Klimawandel:Die Brunnen funktionieren noch

Die Grundwasserpegel im Landkreis München fallen auf immer neue Tiefstände. Die Grünen sind alarmiert und fordern Maßnahmen auf allen Ebenen. Anders als etwa in Franken ist die Trinkwasserversorgung aber bisher nicht in Gefahr.

Von Martin Mühlfenzl, Aying/Sauerlach

Aus zwei Wasserwerken im Hauptort Sauerlach und im Gemeindeteil Arget werden die Sauerlacherinnen und Sauerlacher mit sauberem Trinkwasser aus den tief im Erdreich liegenden Speichern versorgt. Und beide Wasserwerke sind über einen Notverbund miteinander verzahnt, der etwa beim Ausfall eines der beiden Werke sicherstellen soll, dass auch weiter in den Haushalten Grundwasser aus den Hähnen läuft. In den kommenden Jahren soll die Technik der Wasserversorgung erneuert werden; auf einen zusätzlichen Hochbehälter zur Wasserspeicherung, wie anfangs angedacht, wird die Gemeinde aber verzichten, auch weil ausreichend Grundwasser unter der Schotterebene vorhanden ist - noch.

Denn in den vergangenen Wochen hat der Niedrigwasser-Informationsdienst des Bayerischen Landesamtes für Umwelt immer wieder neue Rekordwerte für die Gemeinde gemeldet - und zwar stets neue Tiefstände beim Grundwasserstand. Und das hat Folgen etwa auch für die Wasserversorgung in der Landeshauptstadt, die sich Alternativen suchen muss. Denn eigentlich besitzen die Münchner Stadtwerke gleich hinter dem Sportheim in Arget drei Brunnen auf Sauerlacher Gemeindegebiet. Derzeit aber werde von dort kein Wasser gezogen - eben weil die Grundwasserstände so niedrig sind wie noch nie, berichtet Sauerlachs Bürgermeisterin Barbara Bogner (Unabhängige Bürgervereinigung). Dennoch, sagt sie, sei die Lage nicht dramatisch. "Aber klar, wir merken die ganzen trockenen Sommer und vor allem auch die Winter", so Bogner.

Seit Ende März hat das Landesamt für Umwelt immer wieder Pegelstände in mehreren Kommunen vermeldet, die es so noch nicht gegeben hat: So wurde von Messständen nicht nur aus Sauerlach, sondern auch aus Aying, Unterbiberg und aus Haar bekanntgegeben: "Neuer Niedrigstwert." Quer durch den Landkreis München von Unterschleißheim, Oberschleißheim über Garching, Kirchheim, Siegertsbrunn, Oberschleißheim bis nach Grünwald und Planegg lautete der Befund: "Sehr niedrig".

"Unsere Schotterebene ist von der alpinen Zufuhr abhängig"

"Die Lage unseres Grundwassers ist dramatisch", sagt die Unterhachinger Landtagsabgeordnete Claudia Köhler von den Grünen. "Das sieht man an unseren Messstellen. Unsere Gletscher verschwinden, es kommt weniger Wasser, aber gerade unsere Schotterebene ist von der alpinen Zufuhr abhängig." Es müsse also auf allen politischen Ebenen etwas getan werden, fordert Köhler, die unlängst gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Markus Büchler aus Oberschleißheim auch Druck auf die Staatsregierung ausgeübt hat. Denn zunächst wollte das Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Lockerungen beim Wasserschutz durchsetzen, mit der Großkonzerne leichteren Zugriff auf das kostbare Gut gehabt hätten. Dann lehnte Söder den sogenannten Wassercent ab, eine zusätzliche Gebühr für die kommerzielle Nutzung von Grundwasser. Nach massiven Protesten von Umweltverbänden, aber auch aus der Opposition setzte beim Ministerpräsidenten ein Umdenken ein, nun soll es beim Schutz des Trinkwassers bleiben, und der Wassercent soll kommen.

Was diese Ankündigung so kurz vor der Landtagswahl wert sein wird? Die Landtagsabgeordnete Köhler hat so ihre Zweifel. "Es gab ja schon viele Versprechen vor Landtagswahlen. Wie beim letzten mal das 365-Euro-Ticket", sagt sie nur. Der Schutz des Grundwassers aber sei elementar wichtig, so die Unterhachingerin. "Wir müssen auch gemeinsam mit den Kommunen überlegen, wo können wir Flächen entsiegeln, wie kann man Alternativen schaffen, wenn es um die Bewässerung von Sportplätzen geht, wo können wir mit Zisternen Wasser auffangen", sagt sie. Nicht bei allen Kommunen, befürchtet Köhler, sei für diese Problematik bereits ein Bewusstsein entstanden.

Das sieht Ayings Bürgermeister Peter Wagner (CSU), der auch im Vorstand des Landschaftspflegeverbandes München-Land sitzt, etwas anders, auch wenn er natürlich Veränderungen feststellt. "Wir hatten schon trockene Perioden, gerade im letzten Sommer. Es kommt auch immer wieder zu Schadholzproblemen, oder die Wurzeln von Bäumen kommen nicht mehr an das Wasser heran", sagt Wagner. Es fehle am Niederschlag, sagt er, und: "Bei uns dauert es sehr lange, bis das Oberflächenwasser zu Grundwasser wird." Es müsse erst 40 bis 45 Meter absickern. Landwirte aber hätten sich noch nicht über Wassermangel beklagt.

Krisenwasserverbände wie etwa in Franken, wo die Dürre voll durchschlägt, brauche es im Landkreis München noch nicht, sagt der Ayinger Rathauschef. "Aber wir schauen uns das langfristig an und sparen natürlich auch Wasser, wo es möglich ist."

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5795075
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/wkr/belo
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.