Süddeutsche Zeitung

Demo der Fußballfans:Polizist, gib dich zu erkennen!

"Stop USK" und "Kennzeichnungspflicht für Polizisten, sofort": Anhänger des FC Bayern, der SpVgg Greuther Fürth und des TSV 1860 demonstrieren in München dafür, dass USK-Beamte künftig identifizierbar sind. Anlass der Aktion waren Polizeieinsätze, bei denen es zu Übergriffen gegen Fußballfans gekommen sein soll.

Mit Transparenten kennen sich Fußballfans aus, sie nehmen sie mit ins Stadion und hängen sie dort von den Tribünen. Im Normalfall wollen sie damit ihre Vereine unterstützen, doch am Samstagvormittag am Münchner Marienhof war das anders. Da hatten die Fans des FC Bayern München und der SpVgg Greuther Fürth vor der Begegnung ihrer beiden Mannschaften in der Fröttmaninger Arena auch Transparente mitgebracht, darauf aber waren Kritik an der Polizei und politische Forderungen gedruckt: "Stop USK" hieß es und vor allem "Kennzeichnungspflicht für Polizisten, sofort". Das war die Grundforderung der Demonstration, zu der etwa 400 Anhänger gekommen waren.

Anhänger aus der Fürther Ultra-Szene, die sich zu den besonders leidenschaftlichen Fans zählen, waren extra nur für den Protest angereist. Gleich nach der Demonstration, die am Sendlinger Tor endete, machten sie sich wieder auf den Weg in die Heimat, ohne Stadionbesuch. Den "Ort des Schreckens", wie die Fans sagten, wollten sie nicht mehr betreten: Im Februar 2010, so klagen sie, seien Anhänger bei einer Partie zwischen dem FC Bayern und den Fürthern an der Arena von Polizisten grundlos mit Schlagstöcken und Pfefferspray attackiert worden. Ultras der Bayern wollten mit dem Protest auch an das Derby zwischen ihrem Amateurteam und dem der Löwen im Jahr 2007 erinnern, als ähnliche Vorwürfe gegen die Polizei laut wurden.

"Mit ihren Uniformen und den Helmen sind USK-Beamte nicht voneinander zu unterscheiden", sagte ein Fürther Fan. Polizisten des Unterstützungskommandos marschieren bei Fußballspielen in geschlossenen Einheiten auf: Bei den fraglichen Einsätzen aus den Jahren 2010 und 2007 seien Polizisten, die nach Aussagen von Fans rabiat geworden waren, aber nicht mehr identifizierbar gewesen, was eine Strafverfolgung unmöglich gemacht habe.

Um diese Sichtweise zu verdeutlichen, bauten die Fans am Marienhof zwei Tore auf und veranstalteten ein satirisches Fußballspiel: ein rotes Team gegen eines mit orangefarbenen Trikots - ohne Namen, ohne Rückennummern, mit Masken vor den Gesichtern. Bei Fouls hatte der Schiedsrichter keine Chance, den Schuldigen zu erkennen. Radioreporter Günther Koch, der das kurze Showmatch auf schneegefrorenem Boden für die Demonstranten über Mikrofon begleitete, hatte es so schwer zu kommentieren. Mit Kennzeichnung der Spieler, so die Botschaft an die Polizei, würden diese Probleme nicht entstehen.

Nummern statt Namen

Ein Sprecher der Polizei sagte zu den Vorwürfen, dass in beiden Fällen umfangreich und detailliert intern gegen die beschuldigten Beamten ermittelt worden sei. "Es stimmt nicht, dass die Polizisten nicht mehr identifiziert werden konnten." Interne Ermittlungen seien deshalb eingestellt worden, weil es unterschiedliche Aussagen gegeben habe, die eben nicht zu einer Verurteilung führten. Einem Beamten sei ein fehlerhaftes Verhalten nachgewiesen worden; er sei mit einem Bußgeld belegt worden. Andere seien versetzt worden. Eine Kennzeichnungspflicht sei gefährlich, weil Beamte dann identifizierbar seien und so Repressalien ausgesetzt sein könnten.

Anwalt Marco Noli, der mit der Initiative "für eine transparente/bürgerfreundliche Polizei", die unter anderem von Amnesty International unterstützt wird, schon länger für eine Kennzeichnungspflicht eintritt, will deshalb auch keine Namen, sondern Nummern auf den Uniformen. So könnte die Polizei nur intern die Kennzeichnung zuordnen. Von ihm bekamen die Parteien SPD, Grüne und FDP am Wochenende Post, mit der er sie an ihre Versprechen erinnerte, sich für eine Kennzeichnungspflicht von Polizisten in geschlossenen Einheiten einzusetzen.

Während die CSU sich seit Längerem gegen eine Kennzeichnungspflicht sperrt, nahmen mit Susanna Tausendfreund und Florian Ritter zwei Landtagsabgeordnete von Grünen und SPD an der Demo teil und machten klar, dass sie für dieses Anliegen einstehen wollen. "In Berlin, New York oder London gibt es auch Kennzeichnungen, von Racheakten war dort noch nie etwas zu hören", sagte Tausendfreund. "Wenn ein Fehlverhalten bei Polizisten festgestellt wird, muss es auch eine Möglichkeit geben, das Fehlverhalten zu ahnden", sagte Ritter.

Das Zusammentreffen von Polizei und Fans am Samstag verlief friedlich.Neben den Fürther Fans und denen der Bayern waren auch Mitglieder der Ultra-Gruppierung "Schickeria" und eine Handvoll Löwenfans gekommen.

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Quelle:
SZ vom 21.01.2013/wib
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