Polizeigewalt gegen Fußballfans "Nie wieder Allianz-Arena!"

Schlagstöcke und Pfefferspray: Bei einem Spiel in München sollen USK-Polizisten mit unglaublicher Brutalität gegen Fürther Fußballfans vorgegangen sein. Nun hat die Staatsanwaltschaft Strafbefehl gegen einen der Beamten beantragt. Insider bei der Polizei kritisieren, der Mann sei nur ein "Bauernopfer".

Von Susi Wimmer

"Nie wieder Allianz-Arena!" Etliche Fangruppen der SpVgg Greuther Fürth werden am Samstag, 17. März, aus Protest nicht zum Spiel ihrer Mannschaft nach München anreisen, sondern stattdessen daheim für die Kennzeichnungspflicht von Polizisten demonstrieren. Denn bei einem Spiel im Februar 2010 sei das Unterstützungskommando (USK) der Polizei laut Fürther "mit unglaublicher Brutalität gegen die Fußballfans" vorgegangen.

Drei Beamte wurden nach dem Spiel aus der Polizeieinheit genommen und versetzt. Alle Strafverfahren wegen Körperverletzung im Amt wurden eingestellt - bis auf eines: Nach Informationen der SZ hat die Staatsanwaltschaft Strafbefehl gegen den 36-jährigen USK-Polizisten Frank G. beantragt.

Insider bei der Polizei kritisieren das Verfahren und sehen Frank G. als "Bauernopfer". Tatsache ist, dass ein Strafbefehl wegen Körperverletzung im Amt gegen ihn beim Amtsgericht vorliegt. "Wie das Gericht darüber entscheidet, wissen wir noch nicht", bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.

Nach SZ-Informationen geht es um einen Vorfall am Rande des DFB-Pokal-Viertelfinales gegen 1860 München am 10. Februar 2010: Ein Fürther Fan soll in der Allianz-Arena aus Frust über die fußballerische Leistung seiner Vereins gegen einen am Boden liegenden Plastikbecher getreten haben, der etwa zwei Meter weit flog. Frank G. soll den Fürther daraufhin von hinten am Fanschal gezogen, ihn mit dem Hinterkopf gegen eine Mauer gedrückt und zu Boden gebracht haben mit den Worten: "Arschloch, was soll der Scheiß." Das Opfer soll auch gefesselt worden sein.

Ein anderer Polizeibeamter wollte dem Fan angeblich zu Hilfe kommen, schließlich soll ein Zugführer des USK den Beamten zurückgepfiffen haben. Der Fürther erlitt einen Schwächeanfall und leichte Blessuren.

Dieser Vorfall soll allerdings eher noch harmlos gewesen sein. Die Polizei sprach nach dem Spiel von 150 stark alkoholisierten und aggressiven Fürther Ultra-Fans, die ohne Grund die USK-Beamten angegriffen hätten. Daraufhin habe man die Fans mit Schlagstöcken und Pfefferspray abgewehrt.

Die Fans hingegen sehen einen Gewaltausbruch seitens der Polizei gegen Fürth-Anhänger, die bei den polizeilichen Übergriffen Gehirnerschütterungen sowie diverse Brüche erlitten hätten. Der SPD-Landtagsabgeordnete Horst Arnold schaltete sich ein. Es handle sich um gut situierte Bürger, normale Fans, erklärte er. Und er erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt.

Etliche Ermittlungsverfahren liefen an. Eine Beteiligte erklärte, sie sei vor der Toilette von einem USK-Beamten mit dem Schlagstock im Gesicht getroffen worden, eine andere Frau erzählte, ihre Töchter seien geschlagen worden; als sie protestiert habe, sei sie verhaftet worden. Alle Verfahren gegen die Beamten wurden eingestellt. In einigen Fällen stand Aussage gegen Aussage, in anderen Fällen waren die schwarzgekleideten USK-Beamten später nicht mehr zu identifizieren.

Die Fürther Fans laden nun auf ihrer Homepage zur Demo am 16. März ein. Sie fordern eine Kennzeichnung des USK, damit Polizisten nicht ungeschützt "Gewalt ausüben" können und "damit das Fehlverhalten Einzelner nicht auf alle Beamten zurückfällt".

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