Süddeutsche Zeitung

Einigung über Rückgabe der Benin-Bronzen:Ende eines Unrechts

Deutschland und Nigeria einigen sich auf die Rückgabe eines Großteils der Benin-Bronzen, zusammen etwa 1100 Stück aus fünf deutschen Museen.

Von Jörg Häntzschel

Der jahrzehntelange Kampf Nigerias um die Rückgabe der Benin-Bronzen ist noch nicht gewonnen. Doch einen bedeutenden Etappensieg kann das Land jetzt feiern: Die fünf deutschen Museen mit den größten Benin-Sammlungen werden das Eigentumsrecht an ihren sämtlichen Benin-Bronzen an Nigeria übertragen, etwa 1100 Stück. Ein entsprechendes Abkommen werden Außenministerin Annalena Baerbock, Kulturstaatsministerin Claudia Roth und ihre nigerianischen Amtskollegen am Freitag in Berlin unterschreiben. Zwei Bronzen aus der Berliner Sammlung sollen die nigerianischen Minister gleich mitnehmen. Die übrigen werden vorläufig bleiben, wo sie sind, nun jedoch als Leihgaben Nigerias.

Schon in den vergangenen Monaten hatten Museen und Universitäten aus Europa und den USA einzelne Benin-Bronzen an Nigeria restituiert. Doch eine Restitution in diesem Umfang gab es noch nie. Sie übertrifft auch bei eitem die Rückgabe von 26 Werken aus dem Pariser Musée du Quai Branly an das Land Benin vom vorigen Oktober.

Verhandlungen mit British Museum und Metropolitan Museum "weit fortgeschritten"

Die Erklärung, die jetzt unterschrieben werden soll, betrifft vorläufig nur fünf Häuser: das Hamburger Museum am Rothenbaum, das Ethnologische Museum in Berlin, das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum, die Völkerkundemuseen in Leipzig und Dresden und das Stuttgarter Linden-Museum. Notwendig ist für die Eigentumsübertragung noch die Zustimmung der Träger, also der Landesregierungen, doch die hat sich Andreas Görgen, früher Abteilungsleiter im Außenministerium, jetzt Amtschef von Claudia Roth und die maßgebliche Figur hinter den Rückgaben, bereits gesichert. Nach und nach sollen anschließend die übrigen 15 deutschen Museen mit Benin-Beständen die Restitution vollziehen.

Nach der Vereinbarung werden nigerianische Museumsleute in Zukunft entscheiden können, welche Bronzen aus Deutschland für Ausstellungen verliehen werden und wie diese präsentiert werden. Das betrifft vor allem die noch zu eröffnenden Flächen des Humboldt-Forums, wo ab September ein Teil der 400 Bronzen aus der Berliner Sammlung gezeigt werden wird.

Der Chef der nigerianischen Museums- und Denkmalsbehörde, Abba Tijani, lobte Deutschland für die Rückgaben und sagte, die Entscheidung habe eine Signalwirkung für andere Länder. Gespräche mit dem British Museum und dem Metropolitan Museum in New York seien weit fortgeschritten.

Deutschland unterstützt finanziell den Bau eines neuen Museums in Nigeria

Die etwa 5000 Benin-Bronzen, die vor allem in Museen in Europa liegen, sind zu Schlüsselobjekten der Restitutionsdebatte geworden. Teils liegt das an ihrem Wert und ihrer auch für Europäer zugänglichen Schönheit, teils daran, dass es keinen Zweifel an ihrem Raub gibt. Sie stammen praktisch alle aus einer einzigen, bestens dokumentierten Plünderung: der "Strafexpedition" von 1897, bei der britische Soldaten Benin City stürmten, den Palast des Oba, des Königs, zerstörten und anschließend so viele der Skulpturen und Halbreliefs nach London schafften, wie sie nur konnten. Die Strafexpedition wurde teils mit den an Museen in ganz Europa verkauften Werken finanziert.

Die Idee, dem Herkunftsland das Eigentum zu übertragen, ohne die Objekte unbedingt physisch zurückzugeben, ist neu. Damit lässt sich das Unrecht zügig beenden, auch wenn die Museumsinfrastruktur im Herkunftsland noch fehlt. Im Fall von Benin City wird dieses Manko nun aber behoben, auch das ist Teil des Abkommens. Deutschland unterstützt finanziell den Bau eines neuen Museums für die Benin-Bronzen und hilft bei der Ausbildung des Personals.

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