Süddeutsche Zeitung

Nachrichten aus Bayern:Die Oberpfalz - so oft verkannt

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Aus dem Osten Bayerns kommen derzeit viele verstörende Meldungen, bedingt durch die Corona-Pandemie. Dabei gäbe es doch auch so viel Schönes aus dieser Region zu berichten.

Glosse von Deniz Aykanat

Nachrichten aus Regensburg und der Oberpfalz lesen sich schon eine ganze Weile in etwa so: Impfschwindel in Schwandorfer Pflegeheim. Höchster Inzidenz-Wert deutschlandweit im Kreis Tirschenreuth. Chaos bei Unternehmen im Kreis Cham nach Grenzschließung zu Tschechien. Zudem ist auch noch TV-Kommissarin Lucas von Regensburg nach Nürnberg versetzt worden. Dabei gibt es doch auch aus der Oberpfalz gute Nachrichten - und da geht es um weit mehr, als dass hier mal wieder ein Luchs gesichtet wurde. Stichwort Regensburg: neulich angesichts der niedrigen Sieben-Tage-Inzidenz unter den Top Ten der Städte in ganz Deutschland!

So überraschend ist das aber auch wieder nicht. Regensburg ist nicht nur im Hinblick auf den hiesigen Dialekt eine Insel, sondern nimmt auch sonst gern eine Sonderstellung ein. Die Autorin dieses Textes muss dabei an ihren ersten Einsatz als Reporterin vor mehr als zehn Jahren zurückdenken. Der Bayernbund lud in den Immerwährenden Reichstag in der Regensburger Altstadt ein, um dort den Jahrestag der Eingliederung der Stadt ins Königreich Bayern zu feiern. Die Bayernbund-Menschen waren top gelaunt, der damalige Regensburger Oberbürgermeister wirkte mittelbegeistert.

Apropos Erinnerungen. Wenn die Gegenwart nur Hiobsbotschaften bereithält, lohnt sich ein Blick zurück: auf Tirschenreuth und Cham zum Beispiel. Die Autorin dieses Textes hat nicht nur ihre ersten Schritte als Journalistin in der Oberpfalz gemacht, sondern auch ihren Führerschein. Billiger sollte das sein und leichter als in der Heimatstadt München. Vor allem die lästigen Überlandfahrten wurden angepriesen. Die führten einen nämlich in die besagten Landkreise an der tschechischen Grenze, um billige Zigaretten für den Fahrlehrer und Schokolade für die Fahrschülerin zu kaufen.

Der sonst eher ruppige Fahrlehrer war danach fast gut gelaunt: fester Schulterklopfer gepaart mit dem knappen Lob "Anerkennung! Anerkennung!" Um der pädagogischen Devise "Ned gschimpft is globt gnua" gerecht zu werden, schob er aber noch hinterher: "Wenn Sie so in München fahren, werden Sie totgehupt!" Vielleicht wäre es angesagt, auch nach der Corona-Pandemie eine selbst auferlegte Oberpfalz-Quarantäne beizubehalten.

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Quelle:
SZ vom 20.02.2021/kafe
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