Süddeutsche Zeitung

Raumfahrt:Was hinter Chinas neuer Mondmission steckt

China will bis Mitte Dezember Gestein vom Mond zur Erde bringen. Der Start des Raumschiffs ist geglückt, doch die größten Herausforderungen stehen noch bevor.

Von Julian Rodemann

Natürlich gibt es auch wissenschaftliche Gründe für Chinas jüngste Mondmission. Das unbemannte Raumschiff Chang'e 5, das am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) mit der Rakete Langer Marsch 5 auf der südchinesischen Insel Hainan ins All startete, soll Gesteinsproben aus dem "Ozean der Stürme" zur Erde bringen. Diese Mondebene ist mit 1,2 Millionen Jahren deutlich jünger als das Mondgestein, das die USA und die Sowjetunion vor Jahrzehnten eingesammelt hatten.

Zum ersten Mal werden der Wissenschaft also Proben aus der jüngeren Mondgeschichte zur Verfügung stehen. Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über die vulkanische Aktivität und die Geschichte des Mondes. Laut Pei Zhaoyu, Vizedirektor des chinesischen Mondprogramms, werden "heimische und ausländische Wissenschaftler eine Chance haben, Mondproben zu bekommen".

China wäre die dritte Raumfahrtnation nach USA und Sowjetunion, die Gesteinsproben vom Mond zur Erde bringt

Doch wie so oft in der Raumfahrt dienen solche Missionen nicht nur der Forschung, sondern auch der technologischen und politischen Machtdemonstration. So betont die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua denn auch die Komplexität des Unterfangens. Die Mission sei "eine der kompliziertesten und schwierigsten in der chinesischen Raumfahrtgeschichte". Erstmals soll eine chinesische Aufstiegsstufe - das ist der Teil der Sonde, der nicht auf dem Mond bleibt - wieder vom Mond abheben, Gesteinsproben mitnehmen und ein Docking-Manöver mit dem Orbiter 200 Kilometer über der Mondoberfläche vornehmen, bevor die Rückkehrkapsel wieder zur Erde fliegt. Wenn alles klappt, könnte sich die Volksrepublik als dritte Raumfahrtnation nach der USA und der Sowjetunion feiern lassen, die Gesteinsproben vom Mond zur Erde bringt - ein echter Image-Erfolg.

Schon am 16. oder 17. Dezember könnte es so weit sein, dann soll die Rückkehrkapsel mit dem wertvollen Gestein in der Inneren Mongolei landen. Die Sonde wird voraussichtlich diesen Sonntag bei Sonnenaufgang auf dem Mond landen und einen Mondtag - zwei Wochen auf der Erde - bleiben. So muss die Raumsonde nicht mit besonderen Heizgeräten ausgestattet sein, um die extrem kalten Temperaturen der Mondnacht auszuhalten. Die Komplexität des dreiwöchigen Fluges gilt auch als Vorbereitung auf mögliche bemannte Mondlandungen in der Zukunft.

China verfolgt sein Raumfahrtprogramm ehrgeizig

Das circa 8200 Kilogramm schwere Chang'e 5- Raumschiff besteht aus vier Modulen: dem Orbiter mit der Rückkehrkapsel sowie dem Lander mit der Aufstiegsstufe. Nach dem Aufsetzen auf der Mondoberfläche soll das Landegerät mit einem langen Arm rund zwei Kilogramm Mondgestein und Proben aus Bohrungen bis zu zwei Meter Tiefe zusammentragen und in einer Kammer verstauen. Nach dem Aufstieg und dem Docking-Manöver mit dem Orbiter werden die Gesteinsproben dann laut Plan in die Kapsel verladen, die schließlich zur Erde zurückkehrt.

Es ist erst der zweite reguläre Flug der mehr als 800 Tonnen schweren Rakete Langer Marsch 5, nachdem ein solcher Typ im Juli die Marssonde Tianwen-1 auf den Weg gebracht hatte. Anfangs gab es Probleme mit dem Triebwerk der neuen Schwerlastrakete, die zu einer Verschiebung der Mondmission um drei Jahre geführt hatten. China verfolgt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm mit Missionen zum Mond und zum Mars sowie dem Aufbau einer eigenen Raumstation. Im Januar 2019 landete China als erste Raumfahrtnation mit Chang'e 4 auf der relativ unerforschten erdabgewandten Seite des Mondes. Es wurde ein Rover ausgesetzt, der die Oberfläche erforscht.

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