Süddeutsche Zeitung

Autoindustrie:VW-Konzern verdient gut

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Ginge es nach den Zahlen, hätte VW seinen Konzernchef nicht austauschen müssen. Der Autobauer steigert Umsatz und Gewinn, doch die Zweifel an der Doppelrolle des neuen Vorstandsvorsitzenden Blume bleiben.

Von Christina Kunkel

Blickt man auf die Zahlen, die VW-Finanzchef Arno Antlitz am Donnerstag präsentierte, dann könnte man fragen: Warum hat dieser Konzern gerade seinen Vorstandsvorsitzenden geschasst? Eigentlich hätte in der Telefonschalte, in der Medienvertreter und Analysten ihre Fragen an die Unternehmensführung stellen konnten, auch Herbert Diess sein sollen. Doch der ist bekanntlich seit einer Woche nicht mehr VW-Chef - und konnte deshalb auch nicht die überraschend guten Halbjahresergebnisse des Autobauers vermelden.

Denn bei Volkswagen und den Konzernmarken Porsche und Audi zeigt sich der gleiche Trend wie bei anderen Autoherstellern: Wegen fehlender Mikrochips, Corona-Einschränkungen in China und Auswirkungen des Ukraine-Kriegs hat VW zwar weniger Autos gebaut, den Umsatz und den Gewinn aber gesteigert. Das Ergebnis der Kernmarke nach Steuern stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwas mehr als ein Viertel auf 10,6 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis von Audi verbesserte sich in der ersten Jahreshälfte von rund 3,3 Milliarden auf fünf Milliarden Euro, bei Porsche von 2,7 Milliarden auf 3,3 Milliarden Euro.

Finanzvorstand Arno Antlitz sagte, Europas größte Autogruppe habe ungeachtet "beispielloser globaler Herausforderungen beachtliche finanzielle Robustheit bewiesen". Für die zweite Jahreshälfte geht er von einer Entspannung der Lieferketten-Probleme aus. In China habe schon gegen Ende des zweiten Quartals spürbare Erholung eingesetzt. "Allerdings lassen sich die konkreten Auswirkungen der Entwicklungen des Kriegs in der Ukraine oder der Covid-19-Pandemie (...) im Geschäftsjahr 2022 weiterhin noch nicht abschließend beurteilen", schränkte Volkswagen in seinem Ausblick ein.

Die Skepsis bleibt, ob die neue Doppelrolle von Oliver Blume gut für den Konzern sein wird

Und auch wenn der neue Konzernchef Oliver Blume noch nicht bei der Präsentation der Quartalsergebnisse dabei war, weil er den Vorstandsvorsitz bei VW erst im September übernehmen wird, war das Interesse der Investoren groß an der Zukunft unter neuer Führung. Vor allem die Sorge, dass die Doppelfunktion als Porsche- und Konzernchef zu viel für eine Person sei, war in den vergangenen Tagen mehrfach von Branchenexperten geäußert worden. Und natürlich geht es auch um mögliche Interessenkonflikte, die Blume haben könnte, vor allem im Zusammenhang mit dem geplanten Porsche-Börsengang, an dem der Konzern weiter festhält. Im Kern sei Oliver Blumes Vertrag "50 zu 50" zwischen beiden Unternehmen aufgeteilt, sagte Arno Antlitz, der den neuen Konzernchef im Tagesgeschäft unterstützen soll.

Volkswagen habe Vorkehrungen getroffen, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden, dazu seien auch externe Berater eingesetzt worden, so Antlitz weiter. Die genaue Aufteilung der Aufgaben an der VW-Konzernspitze nach dem geplanten Ausscheiden von Herbert Diess ist laut dem Finanzchef noch nicht im Detail geklärt. "Wir haben die Spezifika noch nicht ausgearbeitet. Aber meine Arbeit wird sich wahrscheinlich nicht sehr von dem unterscheiden, was ich heute tue", sagte der Manager.

Die Gewinne will der Konzern in den Umbau zu mehr E-Mobilität, eigene Software und Dienstleistungen stecken. Weitere elektrische Modelle sollen folgen, und nach dem Baustart der Batteriezellfabrik in Salzgitter Anfang Juli treibt VW die Planungen für die nächsten Zellwerke voran. Der Rückkauf von Europcar soll außerdem genutzt werden, um das Netzwerk der Mobilitätsdienste von Shuttle-Services über Carsharing bis zu Abo- und Mietangeboten auszubauen.

Bei der Entwicklung selbstprogrammierter Betriebssysteme für künftige Autos hakte es zuletzt. Abstimmungsprobleme bei der Softwaresparte Cariad kosten viel Geld, verzögerten geplante Modellanläufe und sollen mit zur Ablösung von Konzernchef Herbert Diess geführt haben. Im zweiten Quartal habe Cariad bei Software-Updates für die bestehende Fahrzeugflotte deutliche Fortschritte gemacht, sagte Finanzvorstand Antlitz. Der Verlust im laufenden Geschäft verdoppelte sich aber nahezu von 502 Millionen auf 978 Millionen Euro.

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