Süddeutsche Zeitung

Vorsitz der Weltbank:Obama hat smart entschieden

Die USA nominieren einen Entwicklungsexperten als neuen Weltbank-Chef - ein cleverer Zug. Institutionen wie IWF und Weltbank gehören in die Hände von Experten. Obama hat das verstanden.

Stefan Kornelius

Smart Power ist die jüngste Erfindung der Großstrategen - die Fähigkeit eines Staates, seine klassische militärische und ökonomische Macht mit der ideologischen, kulturellen und sozialen Anziehungskraft zu kombinieren und so möglichst viel Gefolgschaft zu generieren.

Die USA haben unter Präsident George W. Bush nicht besonders viel Smart Power entwickelt. Nun zeigt Barack Obama, wie es besser geht. Viel besser. Die Nominierung von Jim Yong Kim für den Vorsitz der Weltbank ist ein in mehrfacher Hinsicht cleverer Zug, der den USA für die nächsten Jahre Legitimität in der Führung der Institution bescheren wird.

Die Weltbank ist längst die wichtigste Entwicklungshilfe-Institution auf der Erde. Deswegen ist es nicht falsch, wenn die Entwicklungs- und Schwellenländer einen der ihren an der Spitze sehen wollen. Obama hätte mit einem Kandidaten aus dem alten Finanz-Establishment seines Landes nicht überzeugt. Kim hingegen ist ein Amerikaner mit koreanischen Wurzeln aus dem weiten Orbit der Entwicklungshilfe.

Als ehemaliger Leiter des Aids-Programms bei der Weltgesundheitsorganisation hat er Glaubwürdigkeit in der Materie gesammelt. Wer ihn jetzt ablehnt, verweigert sich aus Prinzip - womöglich, weil er das Besetzungsrecht der USA bei diesem Posten grundsätzlich in Frage stellt. Dann aber muss geklärt werden, warum der mit Abstand größte Geldgeber der Weltbank eine nachgeordnete Rolle einnehmen sollte.

Die Weltgewichte mögen sich verschieben, multinationale Institutionen gehören nicht per se dem Westen. Sie gehören in die Hand von Experten, die - sei es in Weltbank oder IWF - ihr Handwerk verstehen. Obama signalisiert mit seiner Nominierung: Ich habe verstanden.

Linktipp: Kim ist bislang Direktor der Elite-Universität Dartmouth in den USA. Seine Fähigkeiten gehen über die reine Lehre hinaus - es gibt ein Video, wie er mit seinen Studenten "Time of my Life" rappt, und eines, wie er wie Michael Jackson tanzt.

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SZ vom 24.03.2012/ros, luk
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