Süddeutsche Zeitung

US-Strafzölle:Trump greift die kooperative Weltordnung an

Ausgerechnet der Mann, der versprochen hat, Amerika wieder groß zu machen, könnte alles zerstören, was Amerika groß gemacht hat. Und das nur, um sich Wählerstimmen zu sichern.

Wer noch immer gehofft hat, dass Donald Trump nicht glaubt, was er sagt, oder am Ende gar nicht tut, was er per Twitter in die Welt bläst, der muss sich nun endgültig eines Besseren belehren lassen. Der US-Präsident hat das Dekret unterschrieben, auf dessen Grundlage die US-Zollbehörden zusätzliche Abgaben auf Stahl- und Aluminiumimporte erheben werden.

Die Begründung ist fadenscheinig, die Trump mit Timbre in der Stimme vortrug. Es geht nicht um die Sicherheitsinteressen der USA. Die kann die US-Industrie noch immer ohne die Zölle garantieren. Selbst das Pentagon hat da keine Bedenken. Tatsächlich will Trump die maroden amerikanischen Stahlbetriebe vor allem deshalb schützen, weil dort jene Männer arbeiten, auf deren Stimmen er angewiesen ist, wenn er wiedergewählt werden will. Politik ist manchmal sehr durchsichtig, Trumps Beweggründe sind es allemal.

Mit einer Unterschrift setzt er sich nun über internationale Vereinbarungen hinweg. Es zählt nicht, was weltweit in langwierigem Interessenausgleich gemeinsam vereinbart wurde; es gilt allein der Mutwille des Präsidenten. Nicht einmal was das gewählte Parlament rät, was selbst Angehörige seiner eigenen Partei empfehlen, berücksichtigt er. Trump folgt allein den Vorschlägen obskurer Berater, deren Weltbild mit der komplizierten Wirklichkeit nicht Schritt hält.

Aber geht es nicht ohnehin nur um ein paar Zölle? Und hat Trump nicht am Ende sogar einen Punkt, wenn er das Handelsdefizit beklagt, das die USA tatsächlich haben - und das eine Exportnation wie Deutschland ausnutzt? Schließlich ist er nicht der Erste, der diese Klage führt. Schon seine Vorgänger Obama und Bush haben sich darüber beschwert. Darüber kann man diskutieren. Doch wer jetzt so fragt, wer so argumentiert, verkennt die Tragweite dessen, was Trump tut.

Trump schickt sich an, all das zu zerstören, was Amerika groß gemacht hat

So wie seine Kampfparole "America first" ein Rückgriff auf einen Slogan ist, den amerikanische Faschisten in den 1930er Jahren benutzt haben, so ist seine Unterschrift unter die Stahlzölle ein Angriff auf die kooperative Weltordnung, wie sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf Drängen und unter Führung der USA entstanden ist - und die Amerika und Europa beispiellosen Wohlstand verschafft hat.

Man könnte es fast eine Ironie der Geschichte nennen, dass ausgerechnet der Mann, der versprochen hat, Amerika wieder groß zu machen, daran geht, all das zu zerstören, was Amerika groß gemacht hat: den Glauben an die Überlegenheit demokratischer Institutionen und Strukturen. Das Vertrauen in die Vorzüge internationaler Kooperation. Die Überzeugung, ein Vorbild sein zu können für den Rest der Menschheit und damit verbunden die Einsicht, dass das ein besonderes Maß an Verantwortungsbewusstsein für die globale Gemeinschaft bedeutet. All das greift Trump mit seiner unüberlegten Unterschrift an.

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