Süddeutsche Zeitung

Britisches Bargeld:Der Penny darf bleiben

  • Das britische Finanzministerium empörte die Bürger zuletzt mit der Idee, die Ein-Penny- und Zwei-Pence-Stücke abzuschaffen.
  • Nun rudert der Minister zurück: Die Abschaffung ist vom Tisch, die Kleinstmünzen dürfen bleiben.
  • Auch in Deutschland ist eine lokale Initiative zur Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen zuletzt gescheitert.

Von Vivien Timmler

Der Penny gehört zu Großbritannien wie das schlechte Wetter und die Queen. Die Monarchin ist sogar auf der Vorderseite der verkupferten Stahlmünzen zu sehen - was das Finanzministerium nicht davon abhielt, im vergangenen Jahr öffentlich zu überlegen, ob man nicht auf Ein-Penny- und Zwei-Pence-Stücke verzichten könne. Die Aufregung war enorm.

Nun rudert Großbritannein zurück. Die Regierung will die Kleinstmünzen nun doch nicht abschaffen. "Es ist klar, dass viele Menschen immer noch auf Bargeld angewiesen sind. Und ich möchte, dass die Öffentlichkeit die Wahl hat, wie sie ihr Geld ausgibt", sagte der britische Finanzminister Philip Hammond. Das Ministerium schätzt, dass 2,2 Millionen Menschen in Großbritannien auf Bargeld angewiesen sind - etwa, weil sie kein Bankkonto haben.

Noch vor einem Jahr hatte Hammond erklärt, die Kupfermünzen würden ohnehin nur in Marmeladengläsern gehortet oder sogar weggeworfen. Dagegen hat sich die Wirtschaft gewehrt. "Eine Firma, die 99 Pence verlangen will, sollte immer noch die Freiheit haben, einem Kunden, der mit einer Ein-Pfund-Münze bezahlt, einen Penny Wechselgeld zu geben", sagte Mike Cherry, Vorsitzender einer britischen Unternehmensorganisation. Ein weiteres Argument gegen die Abschaffung: Ökonomen befürchten, ohne Ein-Penny- und Zwei-Pence-Stücke würden die Beträge, die Kunden an der Kasse zahlen, einfach gerundet. Konzerne könnten ihre Preise dann so gestalten, dass die Konsumenten am Ende draufzahlen.

Befürworter einer Abschaffung verweisen hingegen darauf, dass die Prägekosten der Kleinstmünzen oft deren eigentlichen Wert übersteigen. Zudem würden viele der verkupferten Münzen nur ein Mal wirklich verwendet, nämlich für die Herausgabe von Wechselgeld. Danach verschwänden sie in Sparschweinen oder Kaffeekassen. Hinzu komme, dass überall auf der Welt und gerade in Großbritannien Bürger immer häufiger mit Karte oder Handy bezahlten und seltener mit Barem.

Allerdings wäre Großbritannien nicht das erste Land gewesen, das auf die Kleinstmünzen verzichtet: Seit Januar 2018 werden in Italien keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen zumindest mehr als Umlaufmünzen ausgegeben, alle Beträge werden seitdem auf ein Vielfaches von fünf Cent gerundet. In Irland, Finnland, Belgien und den Niederlanden gelten ebenfalls solche Rundungsregeln. Auch in Deutschland gab es bereits einen solchen Vorstoß: Das nordrhein-westfälische Kleve hat zwei Jahre lang versucht, die kleinen Münzen abzuschaffen - ohne Erfolg. Die Initiative versandete, der Cent hat gesiegt.

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