Süddeutsche Zeitung

Nowitzki nach Auftakt in der NBA:"Wir können gefährlich sein"

Lesezeit: 3 min

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Dirk Nowitzki ist, das ist für diese Geschichte wichtig zu wissen, mit dem Gemüt eines buddhistischen Mönches gesegnet. Es muss schon etwas Außergewöhnliches oder Hundsgemeines geschehen, damit der Flügelspieler der Dallas Mavericks die Contenance verliert - und am Donnerstagabend schien es während der Partie bei den Los Angeles Clippers so weit zu sein: Gegenspieler DeAndre Jordan hatte ihm kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit einen heftigen Ellenbogenschwinger verpasst, Nowitzki taumelte über das Feld, hielt sich die rechte Gesichtshälfte und guckte recht böse drein.

Um die mögliche Brisanz dieses Momentes zu verstehen, muss man wissen, was in diesem Sommer passiert ist. Die Mavericks hatten heftig um Jordan geworben und dafür Tyson Chandler nach Phoenix ziehen lassen. Jordan bekannte sich mündlich zu den Mavericks, die durch den Zugang ein stabiles Gerüst zu haben schienen - doch dann vermeldete der beste Korbbeschützer der NBA vorsichtige Zweifel an seiner Entscheidung. Die Clippers verstanden die Botschaft, Trainer Doc Rivers sowie Chris Paul und Blake Griffin verbarrikadierten sich mit Jordan bis zur Vertragsunterschrift in dessen Haus in Los Angeles. Die Mavericks waren die Gelackmeierten.

"Ich kann doch einem Menschen nicht böse sein, nur weil er seine Meinung ändert", sagte Nowitzki am Donnerstagabend (Ortszeit) der SZ nach der deutlichen 88:104-Niederlage und wirkte dabei wieder wie ein buddhistischer Mönch: "Das wird doch alles immer von den Medien hochgespielt. Wir alle haben in unserem Leben schon mal unsere Meinung geändert. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass er es bei uns besser gehabt hätte - aber deswegen bin ich nicht sauer auf ihn."

16 Punkte, sieben Rebounds

Nowitzki stellte auch klar, nur ja nicht zu viel in den Schwinger von Jordan zu interpretieren: "Da war eigentlich gar nichts - er wollte sich aufbauen und hat mir unabsichtlich den Ellenbogen ans Ohr gedonnert. Ich war eher sauer auf die Schiedsrichter, weil die kein Foul gepfiffen haben." Er scherzte, Jordan gar dankbar für den Schlag gewesen zu sein: "Ich habe ein paar Minuten mein Gleichgewicht verloren - aber ich spiele besser, wenn ich keine Balance habe." Am Ende schaffte Nowitzki 16 Punkte und sieben Rebounds.

Auch die Rangelei wenige Minuten später sei lediglich auf die Hitze des Gefechts in dem bis dahin spannenden Spiel zurückzuführen: "Er hat einen Offensiv-Rebound geholt und wollte den Ball in den Korb stopfen - ich wollte das verhindern und habe ihn festgehalten. Das waren zwei Jungs, die gegeneinander spielen und dabei hart kämpfen. Da passiert halt manchmal was." Keine große Sache also, alles halb so wild.

Wo er schon mal dabei war, stellte er auch noch andere Dinge richtig, die seiner Meinung nach falsch dargestellt würden. Die Behauptung einiger Experten etwa, dass die 18. Spielzeit von Nowitzki in der nordamerikanischen Profiliga NBA die erfolgloseste seiner Karriere werden könnte - noch schlimmer als die verkürzte Spielzeit 1998/99, als die Mavericks nur 19 von 50 Spielen gewannen und Nowitzki nach nur einer Spielzeit eine Rückkehr nach Deutschland in Erwägung zog.

Die Mavericks werden derzeit nicht nur vom erfolglosen Werben um Jordan und dem Weggang von Tyson Chandler geplagt. Flügelspieler Chandler Parsons befindet sich nach einer Knie-Operation im Aufbautraining, laut Nowitzki könnte er womöglich am Sonntag gegen die Los Angeles Lakers auflaufen. Aufbauspieler Wes Matthews hat Probleme mit der frisch geflickten Achillessehne, Spielmacher Deron Williams plagt sich sowohl mit der Wade als auch mit dem Knie. "Es fehlen ganz einfach drei Stammspieler - es gab bislang in vier Wochen noch keine einzige Trainingseinheit, bei der alle Spieler anwesend waren", sagt Nowitzki.

"Wir können die Playoffs erreichen"

Aus den ersten beiden Partien der Saison - vor der heftigen Niederlage in Los Angeles hatten die Mavericks mit 111:95 bei den Phoenix Suns gewonnen - sei deshalb wenig für den weiteren Verlauf der Saison zu lesen. "Viele Basketball-Kenner sagen uns keine gute Saison voraus, aber das ist uns egal", sagt Nowitzki: "Wir sind eine solide Truppe, viele Spieler sind schon lange dabei und haben auch einiges erreicht in dieser Liga. Ich glaube, dass wir eine gefährliche Mannschaft sein können, wenn alle Spieler gesund sind."

Als Nowitzki das sagte, ging an der Kabine der Mavericks DeAndre Jordan vorbei - er führte seine Mutter aus dem Staples Center in Downtown Los Angeles. "Wir sind eine gute Truppe, die Chemie stimmt, wir können die Playoffs erreichen", sagte Nowitzki: "Und noch was: Ich mag DeAndre Jordan. Das können Sie ruhig mal so aufschreiben." Wird gemacht, Herr Nowitzki.

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