Süddeutsche Zeitung

FC Ingolstadt 04:Relegation 3.0

Der FC Ingolstadt 04 verlängert erneut seine Saison im Kampf um einen Platz in der zweiten Fußball-Bundesliga. Im Duell der Dinos der Zweitliga-Entscheidungsspiele will der Verein endlich erfolgreich sein.

Von Johannes Kirchmeier

Als der mittelfränkische Schiedsrichter Deniz Aytekin im Duell zweier oberbayerischer Fußball-Drittligisten am Samstag ein letztes Mal in die Pfeife blies, da war der weitere Fortgang der Saison bereits allen Beteiligten klar. "Der liebe Gott will eben, dass wir in diese Relegation gehen", sagte der Trainer Tomas Oral in all der Pragmatik, die er sich als Trainer des FC Ingolstadt 04 in den vergangenen Jahren angeeignet hat. Aller guten Dinge seien eben drei, fand der Kapitän Stefan Kutschke.

Sie scherzten schon wieder und haderten nicht mit der unfreiwilligen Saisonverlängerung, es schien so, als wäre ihnen die Teilnahme an der dritten Zweitliga-Relegation in Serie ohnehin länger klar gewesen. Durch das 3:1 (2:0) gegen den TSV 1860 München zog der Tabellendritte zwar noch gleich mit dem FC Hansa Rostock, dessen Abschlussspiel bereits zuvor beendet war. Drei Tore fehlten zum direkten Aufstieg. Am Samstag trafen Toptorjäger Stefan Kutschke, Marc Stendera und Marcel Gaus per Foulelfmeter für die Ingolstädter, Dennis Erdmann erzielte das zwischenzeitliche 1:2 für den TSV. Anders als beim 2:0 gegen die Sechziger am letzten Spieltag vor einem Jahr waren die Ingolstädter nach dem Schlusspfiff aber auch nicht für wenige Minuten aufgestiegen (damals zogen die Würzburger Kickers noch vorbei). So geht man vermutlich grundsätzlich eher mit einem Grinsen in die Entscheidungsspiele.

Gegner VfL Osnabrück hat bislang noch keine Zweitliga-Relegation gewinnen können

Zudem haben sie ja noch diese zwei Rechnungen offen: 2019 unterlagen sie dem SV Wehen Wiesbaden im Kampf um einen Zweitliga-Platz nur aufgrund der Auswärtstorregel, 2020 galt das gleiche gegen den 1. FC Nürnberg. Für Nummer drei fordert Oral: "Wir müssen eben noch einen Ticken konsequenter sein, gerade in der Schlussphase." Nach dem K.o. in der sechsten Minute der Nachspielzeit im Juli 2020 gegen Nürnberg beobachtete er noch zu Saisonbeginn, "dass die Spieler einen Hass in ihren Augen hatten am Anfang der Vorbereitung", berichtete er am Sonntag im Bayerischen Rundfunk. "Da hat die Vereinsführung kontinuierliche Arbeit geleistet." In der Tat war der FCI während der Saison schnell wieder in der Bahn - schon erstaunlich, wie schnell er es geschafft hat, sich von diesem Niederschlag zu erholen.

Sie haben also schon Erfahrung damit, wenn so eine Saison doch mal wieder länger dauert. Und mit "sie" ist in diesem Fall nicht nur der FC Ingolstadt gemeint, sondern auch sein Gegner, der VfL Osnabrück: Beide Klubs treten zum insgesamt vierten Mal in der Zweitliga-Relegation an, so oft wie keine andere Mannschaft. Die Bilanz ist auf beiden Seiten malade: Osnabrück misslangen alle Versuche, Ingolstadt hat einen Erfolg gegen Hansa Rostock 2010 vorzuweisen.

Grundsätzlich sind die Drittligisten in diesem Kräftemessen übrigens erfolgreicher. 8:4 steht es seit der Wiedereinführung der Entscheidungsspiele im Jahr 2009. Das Hinspiel im Sportpark findet dieses Mal am Donnerstag (18.15 Uhr) statt, das Rückspiel am Sonntag (13.30 Uhr) beim Drittletzten der zweiten Liga an der Bremer Brücke. "Klar ist, dass wir in jedem Fall zwei sehr gute Spiele brauchen, um uns am Ende durchzusetzen", sagt FCI-Sportdirektor Michael Henke. Er dürfte dabei an die jüngsten Auftritte der Osnabrücker denken, die den Klub überhaupt erst auf Rang 16 hievten: 3:1 siegten sie in Würzburg, wo sie auch den Mythos der gelben Gewinner-Trikots ersannen. In diesen bezwangen sie anschließend den Hamburger SV 3:2, ehe sie zum Schluss darin doch wieder 1:2 in Aue verloren. Trainer Markus Feldhoff ist übrigens ein alter Bekannter in Ingolstadt: Er arbeitete 2018 als Co-Trainer von Alexander Nouri beim FCI, erlebte dabei aber keinen einzigen Sieg.

An Feldhoffs persönlicher Ausbeute im Sportpark soll sich aus Ingolstädter Sicht auch am Donnerstag nichts ändern. "Wir müssen gucken, dass wir im ersten Spiel zuhause unseren Nimbus behalten hier im Stadion und dann vorlegen", sagt der Vorstandsvorsitzende Peter Jackwerth. Seit 17 Partien haben die Oberbayern im eigenen Stadion nicht mehr verloren. In Liga drei waren sie das stärkste Heimteam. Osnabrück glänzte eine Etage darüber dagegen vor allem auswärts - und war das schwächste Heimteam.

Den K.o. 3.0 will Orals Mannschaft mit aller Macht verhindern, nicht nur, um sich eine gewisse psychische Gesundheit zu erhalten. Es geht schließlich auch um die Zukunft des Vereins. In Liga drei müsste der Kader künftig weiter verjüngt werden, in der zweiten Bundesliga würde er dagegen an weitaus üppigeren TV-Geldern teilhaben und könnte großzügiger planen. Zudem würden sich dem Vernehmen nach noch Verträge von Spielern beim Aufstieg verlängern. Und die zuletzt so erfolgreiche Mischung aus Jung und Alt könnte gemeinsam weiterwerkeln.

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