Süddeutsche Zeitung

Europameister für Union Berlin:"Ciao, ich bin Leonardo Bonucci"

Lesezeit: 2 min

Erst Real Madrid gezogen, dann Leonardo Bonucci verpflichtet: Der 1. FC Union Berlin erlebt eine bemerkenswerte Woche. Sogar Trainer Urs Fischer gerät ins Schwärmen - der erfahrene Abwehrmann könnte schon am Sonntag spielen.

Von Javier Cáceres, Berlin

Am Freitag trat Leonardo Bonucci, 36, seinen Dienst beim 1. FC Union Berlin an, kurz nach dem Medizincheck stand er schon auf dem Trainingsplatz. Und er hinterließ einen Eindruck, den die Italiener wohl fantastico nennen würden. "Das hat man irgendwie gespürt", sagte Unions Trainer Urs Fischer, der eigentlich nicht zur Schwärmerei neigt, aber am Freitag regelrecht levitierte: "Seine Vita, seine Aura auf dem Feld... Er ist ein Spieler mit einer Wahnsinnsmentalität."

Und wer weiß, sagte Fischer: Könne gut sein, dass der italienische Europameister von 2021 bereits am Sonntag gegen RB Leipzig (17.30 Uhr, Dazn) in den Kader rückt, obwohl er zuletzt von seinem Trainer Massimiliano Allegri bei Juventus Turin ausgemustert worden war und deshalb nicht die ganze Saisonvorbereitung mitgemacht hat. "Er fühlt sich gut. Und was ich gesehen habe, sah auch gut aus", erklärte Fischer.

Bonucci beim Bundesliga-Spitzenreiter Union - das war die eine Nachricht des Tages, die sie in Köpenick nicht so recht glauben können. Die andere, vom Donnerstagabend: Union trifft als Champions-League-Debütant auf den SC Braga aus Portugal, auf den italienischen Meister SSC Neapel - und auf Real Madrid. Was einen Besuch im Estadio Santiago Bernabéu beinhaltet: "Da zu spielen, da geht auch für einen Trainer ein Traum in Erfüllung", schwelgte Fischer. Dann hielt er aber inne: "Kerngeschäft ist Sonntag. Und die Aufgabe heißt: Leipzig!"

Coach Fischer spricht von einem "knallharten Verteidiger mit Wahnsinnserfahrung"

Dass Bonucci am Sonntag ein Thema werden könnte, hat einerseits damit zu tun, dass Innenverteidiger Danilho Doekhi, 25, aufgrund einer Jochbeinverletzung, die operativ behandelt werden musste, ein Wackelkandidat ist. Andererseits damit, dass Bonucci nach über einem Jahrzehnt auf höchstem Niveau glaubhaft vermitteln kann, eine gesunde Selbsteinschätzung zu haben. Er habe sich mit dem Neuen "ausführlich ausgetauscht", berichtete Fischer, als Schweizer kann er leidlich Italienisch sprechen und Dantes Sprache gut verstehen.

Was auf dem Platz geschieht, hat Bonucci eh bestens unter Kontrolle, zumindest in der Theorie: "Er kann das Spiel lesen, er schaut voraus, er antizipiert. Ich hoffe, dass er seine Qualität in die Mannschaft einbringt", sagte Fischer über seinen neuen "knallharten Verteidiger mit Wahnsinnserfahrung".

Bonucci selbst wurde auf den vereinseigenen Medien gezeigt und zitiert ("Ciao. I am Leonardo Bonucci"). Man konnte sehen, wie vergnügt er mit dem roten Union-Leibchen posierte. "Es ist für mich etwas Besonderes, erstmals in meiner Karriere den Schritt ins Ausland zu gehen", sagte der neunmalige italienische Meister und viermalige Pokalsieger. Der Schlüssel für seinen Wechsel aus dem Piemont in den Südosten der deutschen Hauptstadt? "Bei Union habe ich die Möglichkeit, weiter auf höchstem Niveau zu spielen", erklärte Bonucci. Bei Union sind sie jedenfalls glücklich. "Wir sind überzeugt davon, dass er mit seiner Mentalität und Flexibilität unsere Möglichkeiten in der Abwehr erweitert und das Niveau noch einmal steigern wird", erklärte Unions Geschäftsführer Oliver Ruhnert.

Er hat Fischer einen Kader hingestellt, der besser zu sein scheint als die Belegschaft des Vorjahres. Dafür stehen allein Zugänge wie Robin Gosens, Kevin Volland, der am Samstag gesperrte Brenden Aaronson, David Datro Fofana - und eben Bonucci. "Ich glaube schon, dass wir an Qualität gewonnen haben", sagte Fischer, "aber am Schluss musst du es auf den Platz bekommen." Der Subtext lautete, dass es weiter darum gehe, immer ans Limit zu gehen, zu arbeiten, solidarisch und kompakt zu sein. Namen hin, Namen her: "Es gilt dranzubleiben."

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