Süddeutsche Zeitung

Bayern-Sieg in Stuttgart:Schmollende stören die Harmonie

Ein Sieg ohne Mühe und elf Punkte Vorsprung auf Leverkusen: Die Bayern wirken beim 2:0 in Stuttgart gefestigter denn je. Ein Konflikt droht jedoch durch die unglücklichen Ersatzleute Robben und Gomez - weshalb die Verantwortlichen bemüht sind, an die Rotation im Team zu erinnern.

Von Jonas Beckenkamp, Stuttgart

Es hatte etwas Rührseliges, wie Cristian Molinaro dastand und sich in schönstem Italo-Deutsch mehrfach entschuldigte. Denn dass der VfB Stuttgart an diesem 19. Spieltag gegen die Bayern 0:2 verlor, lag letztlich auch an einer ziemlich haarsträubenden Aktion von Molinaro.

"Das war ganz klar mein Fehler," sagte er, "ich habe Mandzukic einfach nicht gesehen." Die Rede war von seinem grotesken Rückpass, der Bayerns Stürmer als Traumvorlage zum 0:1 (50. Minute) gereichte und diese wenig aufregende Partie zugunsten der Münchner entschied. Elf Punkte liegen die Bayern in der Tabelle nun vor den zweitplatzierten Leverkusenern, was in der Bundesliga einen Trend zur Langeweile andeutet.

Dass die Verantwortlichen des Rekordmeisters damit nicht das geringste Problem haben, ist verständlich - und doch gab es bei aller Zufriedenheit ein paar Dinge zu diskutieren. Zum einen ging es darum, dass die Münchner zwar ordentlich, aber nicht berauschend gespielt hatten.

Sportdirektor Matthias Sammer glaubt, den Grund dafür zu kennen: "Wir hatten auf der einen Seite eine gute Vorbereitung, auf der anderen Seite Gegner, die Probleme hatten. Das sah alles ziemlich leicht bei uns aus." Deshalb habe die Elf wie auch gegen Fürth erst nach dem Rhythmus suchen und die prägenden Momente der Partie nicht erspielen, sondern erarbeiten müssen.

Den anderen Kern der Gespräche mit den Reportern bildete die Personalsituation um die Bankspieler Mario Gomez und Arjen Robben. Der eine (Gomez) war gegen seinen alten Verein erst nach 88 Minuten unter Pfiffen aus der Stuttgarter Kurve eingewechselt worden, der andere (Robben) lehnte gar die komplette Schlussphase des Spiels mit verschränkten Armen an der Bande.

Sagen wollten beide dazu nichts - doch ihr wortloses Schlendern in den Mannschaftsbus verriet auch so genug: Fußballerglück sieht anders aus. "Es ist bei unserem starken Kader doch normal, dass Spieler enttäuscht sind, wenn sie nicht drankommen," rechtfertigte Trainer Jupp Heynckes seine Entscheidung, die erste Elf fast unverändert durchspielen zu lassen.

"Wir werden noch jeden Spieler brauchen"

Als Stimmungsaufheller hätte den Ersatzleuten ein wenig Spielzeit sicher gutgetan, doch der Bayern-Coach hat derzeit eben andere Prioritäten: Er wollte sein A-Team an diesem Abend nicht durcheinanderwürfeln, schließlich seien alle Spieler fit. "Ich sah keine Notwendigkeit, zu wechseln," versicherte Heynckes, "und die Spieler wissen, dass ich auch wieder rotieren werde."

Sammer wurde da schon deutlicher: "Ich will nichts hören, überhaupt gar nichts hören. Das Momentum spricht aktuell für die Spieler, die heute gespielt haben." Weiter sagte er: "Wir werden aber noch jeden Spieler brauchen. Das Momentum spricht gegen diese Spieler, aber sie trainieren gut. Ich möchte überhaupt nicht erleben, dass Egoismen eintreten und völlig unnötigen Diskussionsstoff bringen. Wir lassen noch nicht mal den Ansatz von Egoismen zu."

Gomez und Robben haben es aber auch schwer, Argumente in eigener Sache zu präsentieren. Ihnen werden zwar Woche für Woche herausragende Trainingsleistungen attestiert, doch wirkt eine anständige Übungseinheit ohne Zuschauer eben nicht so nachhaltig wie prägende Momente in aller Öffentlichkeit.

Die präsentieren eben die Konkurrenten: Mandzukic war nach zwei Treffern gegen Fürth diesmal erneut der Eisbrecher nach dem Fauxpas von Molinaro, Thomas Müllers 0:2 auf Pass des Kroaten (72.) tütete den verdienten Bayern-Sieg endgültig ein.

"Wir waren heute geduldig und haben die Fehler von Stuttgart eiskalt genutzt," erklärte Müller, der in dieser Saison schon zehn Tore erzielt hat und seine Position in der ersten Elf gefestigt sieht. "Es läuft gut für mich und natürlich weiß ich noch, wo das Tor steht." So redet einer, der auf der Position rechts außen zurzeit klar vorne liegt im Positionsgerangel mit dem Holländer.

Immerhin gab es an diesem harmonischen Abend auch Verständnis für Robben. "Es ist für alle schwer, die nicht spielen," sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, "klar, dass er nicht zufrieden ist, aber wir werden auch ihn noch brauchen." Eine ernsthafte Debatte scheint es also derzeit wegen unzufriedener Profis noch nicht zu geben.

Und Trainer Heynckes hat auch angekündigt, eine solche Debatte nicht führen zu wollen: "Das müssen sie akzeptieren. Es gibt keine Unruhe - dafür werde ich sorgen." Heißt übersetzt: Schmollend an der Bande stehen, ist erlaubt - mehr aber auch nicht.

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