Süddeutsche Zeitung

Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern:Mit dem Ballast von 500 Spielen

Acht Meistertitel, ein Tor zum Saisonabschluss und jede Menge offene Fragen: Nach seinem Jubiläumsspiel für den FC Bayern wirkt Bastian Schweinsteiger nachdenklich. Seine Zukunft in München ist ungewiss.

Von Saskia Aleythe

Das Stadion war schon halbleer, da saß Bastian Schweinsteiger noch immer mitten in der Arena. Der goldene Konfettiregen hatte sich mit den Biermassen der Meisterfeier zu klebrigen Klumpen verbunden, doch Schweinsteiger verharrte auf dem Podest, auf dem zuvor die Schale übergeben worden war. Neben ihm Robert Lewandowski, die beiden schauten selig ins Rund. Bereits zum achten Mal hat Schweinsteiger den Titel mit dem FC Bayern gefeiert, doch am Samstagnachmittag war etwas anders als die sieben Male zuvor.

Da war jüngst das Rumoren um ein Interesse von Manchester United, da war eine Rom-Reise mitten im Saison-Endspurt, die er nicht hatte geheim halten können, da war das Dauerrauschen in den Netzwerken über die Zukunft des Weltmeisters. Und wer genau hinsah am Samstag, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Schweinsteigers Auftritt auch ein kleines bisschen nach Abschied aussah. Und zwar nicht nur in die Sommerferien.

Alles hatte mit einem Blumenstrauß begonnen: Gegen Mainz 05 bestritt Schweinsteiger sein 500. Pflichtspiel für den FC Bayern, er wurde vor dem Anpfiff geehrt. Als die 75.000 Zuschauer danach die Meisterschalen in Papierform in die Höhe streckten, erstarrte er und nahm sich Zeit, den Anblick zu genießen. Es folgten: 90 Minuten Schweinsteiger-Spaßfußball, er ackerte viel und belohnte sich mit einem Tor zum 2:0. Die Fans skandierten seinen Namen. Schweinsteiger, Fußballgott.

Er ließ sich von seinem Spezl, dem Slalom-Experten Felix Neureuther, am BR-Mikro launig interviewen. Das Stadionheft feierte ihn per Poster, vom Trainer hatte er am Vortag das Prädikat "überragende Legende" verpasst bekommen. Aber Guardiola hatte auch diesen etwas zweideutigen Satz gesagt: "Er entscheidet über seine Zukunft. Nicht Pep."

Das alles muss am Ende nicht viel bedeuten. Doch wer würdevolle Abschiede kennt, der kann sich kaum passendere Szenen vorstellen. Als Schweinsteiger dann beim Pay-TV-Sender Sky zu seinen Plänen befragt wurde, verwies er auf seinen Vertrag, der noch bis Sommer 2016 laufe. Ansonsten wich er aus. Zu Manchester United werde er sich nicht äußern. Das kommentiere er nicht.

"Er entscheidet. Nicht Pep"

14 von 34 Spieltagen hat Schweinsteiger in dieser Saison verpasst. Zunächst machte ihm die Patellasehne zu schaffen, eine Nachwehe der WM. Erst Ende November bestritt er sein erstes Heimspiel der Saison. Später plagte ihn eine Kapselverletzung, die erneut einen wochenlangen Ausfall zur Folge hatte. Aus der Saison zuvor kannte er das schon. Seit mehr als zwei Jahren kämpft Schweinsteiger mit seinem Körper. Wie lange das noch gut geht? Im Januar meinte er, "drei, vier Jahre" auf hohem Niveau könnte er sich noch sehr gut vorstellen.

In München plant man jedenfalls höchst offiziell weiterhin mit ihm. "Mein Plan für die nächste Saison ist: Bastian Schweinsteiger ist hier", sagte Guardiola am Freitag. "Wenn er noch zwei, drei, vier Jahre hier bleiben will, kann er das tun." Aber: "Er entscheidet. Nicht Pep."

Die Belastung durch die Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League wird allerdings kommende Saison nicht geringer. Aber das ließe sich dosieren, und jetzt kommen ja erst einmal die Ferien. Und dann hat der - immer noch erst - 30-Jährige schließlich im Sommer 2016 ein großes Ziel: Die Europameisterschaft in Frankreich. Die Kapitänsbinde der Nationalelf hat er gerade erst nach dem WM-Sieg von Rio von Philipp Lahm übernommen. Dieser Status ließe sich kaum halten, würde er sich heute schon in eine Altersauskommen-Aufbesserungsliga wie der in den USA verabschieden. Das kann auch später kommen. England, die Premier League, ist unter solchen EM-Gesichtspunkten schon attraktiver - und Manchester United wird trainiert von Schweinsteigers einstigem Förderer Louis van Gaal.

Dass es in Schweinsteiger rumort, war vor wenigen Tagen zu beobachten. Als der FC Bayern gegen den FC Barcelona aus der Champions League ausschied, schlich kein Münchner so geknickt über den Rasen wie er. Tränen in den Augen, die Lippen aufeinander gepresst. Noch sind das stumme Botschaften.

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SZ vom 24.05.2015/jbe
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