Süddeutsche Zeitung

FC Bayern in der Basketball-Euroleague:"Das war ein gewaltiger Sieg für uns"

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Ein hochspannendes Duell mit großen Taten und entscheidenden Fehlern: Beim 101:95 der Münchner gegen Alba zeigt sich die ganze Dramatik des Basketballs - ein Berliner hadert besonders.

Von Joachim Mölter

Maodo Lo hatte den Ball schon fast in den Händen, doch der flutschte ihm noch durch die Finger, und damit entglitt ihm am Freitagabend auch der Sieg für seine Mannschaft, den deutschen Basketball-Meister Alba Berlin. Lo und Co. führten im deutschen Euroleague-Duell beim FC Bayern 44 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung 95:94, als sich der Guard streckte, um einen scharfen Pass von Münchens Spielmacher Wade Baldwin abzufangen und möglicherweise zum Gegenangriff zu starten. Doch Lo streckte sich vergebens, die Kugel rutschte ihm durch, hin zu Münchens Flügelspieler Vladimir Lucic, und der verwandelte einen Dreipunkte-Wurf zur Führung der Gastgeber, die sie nicht mehr abgaben. Am Ende siegte der FC Bayern 101:95 (87:87, 33:43).

In der Tabelle hat sich dadurch nicht viel verändert: Alba bleibt mit 8:16 Siegen auf dem 16. Platz, der FC Bayern mit 15:9 auf Rang fünf. Für die Münchner war der Erfolg aber eminent wichtig im Kampf um einen der acht Playoff-Plätze. Es sind noch zehn Spieltage zu absolvieren im höchsten europäischen Wettbewerb, und sie haben fünf Verfolger mit geringem Abstand im Nacken. Da gilt jeder Vergleich mit einem Team aus dem unteren Tabellendrittel schon als Pflichtsieg. "Eine Niederlage hätte unser Leben in der Euroleague verkompliziert", sagte Trainer Andrea Trinchieri. "Das war ein gewaltiger Sieg für uns", fand Lucic, der wie Paul Zipser 20 Punkte beigesteuert hatte, "der bedeutet viel für die Playoffs."

Lucic war nach längerer Verletzungspause erstmals wieder so effizient aufgetreten wie zu Beginn der Saison, und vor allem so clever wie eh und je. Unmittelbar nach seinem Dreier zum 97:95 ließ er bei Albas Gegenstoß Maodo Lo so geschickt auflaufen, dass die Schiedsrichter diesem ein Offensivfoul attestierten und die Münchner dadurch erneut in Ballbesitz brachten. "Das war meiner Meinung nach kein Foul", sagte Lo später ins Mikrofon von Magentasport, "wir sind aneinandergeraten, er ist gefallen." Mit anderen Worten: blöd gelaufen.

"Wir hatten es selber in der Hand, wir hätten es besser über die Bühne bringen sollen", resümierte Lo selbstkritisch, "am Ende habe ich dann noch einen dummen Turnover geschmissen." Mit dem Ballverlust vergab der Guard kurz vor Schluss die wohl letzte Chance der Berliner, und damit war er endgültig die tragische Figur der Partie.

Maodo Lo stand ja besonders im Fokus, nicht nur, weil er im vorigen Sommer vom FC Bayern zu Alba gewechselt war - üblicherweise verläuft der Karriereweg entgegengesetzt. Die Partie vom Freitag war ja nicht die erste, in der er seinem früheren Team gegenüberstand: Die deutschen Spitzenklubs trafen bereits zum dritten Mal in dieser Saison aufeinander. Im Euroleague-Hinspiel im Oktober unterlagen die Berliner 72:90, in der Bundesliga gewannen sie Anfang Januar 85:72, beide Male war Lo eher unauffällig geblieben.

Das ging nun nicht mehr: In die sowieso schon lange Verletztenliste der Berliner hatten sich in dieser Woche auch Jayson Granger (Handbruch) und Peyton Siva (Oberschenkelverletzung) eingetragen, die sich für gewöhnlich in der Spielgestaltung abwechseln. Nun war das die Aufgabe von Maodo Lo.

Und der 28-Jährige trieb sein neues Team an seiner früheren Wirkungsstätte auch gleich an: Zur 9:0-Führung steuerte er sieben Punkte bei, zur Halbzeit war er schon bei 13 angelangt. Lo hatte das Tempo forciert, mit dem Alba den FC Bayern zunächst überrollte. Vor allem das erste Viertel (10:26) "hat uns sehr, sehr viel gekostet", bilanzierte Trinchieri nach der kräftezehrenden Aufholjagd.

Dem Tempo zollte freilich auch Lo Tribut, im dritten Viertel bekam er Wadenkrämpfe und musste sich fortan immer wieder kurz behandeln lassen. In seiner Abwesenheit erhöhten die Münchner den Druck auf seinen Vertreter Jonas Mattisseck, sie erzwangen mehr und mehr Ballverluste, kamen heran. Der nun sichtlich gehemmte Lo dirigierte sein Team zwar noch einmal nach vorn, bis zum 80:67 fünf Minuten vor Schluss der regulären Spielzeit, aber die Hauptlast des Scorings schulterten nun Simone Fontecchio (21 Punkte) und Ben Lammers (20), ihm selbst gelangen nur noch drei Zähler.

Und bei den Münchnern lief neben Center Jalen Reynolds (24) vor allem Los direkter Gegenspieler Baldwin heiß. Er erzwang mit einem Dreier zum 87:87 die Verlängerung, 14 seiner insgesamt 21 Punkte verbuchte er in den 15 Minuten des letzten Viertels und der Verlängerung. "Bayern hat in der zweiten Halbzeit mit großer Intensität gespielt, und wir haben viele Fehler gemacht, viele Würfe verworfen, die wir normalerweise treffen", bilanzierte Berlins Coach Aito Garcia Reneses. Seine Spieler hatten den Sieg in der Hand - aber sie konnten ihn nicht festhalten.

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