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Tipps für Los Angeles:Entdeckungen in der Stadt der Engel

Die Mega-City Los Angeles macht es Touristen nicht leicht, ihre Sehenswürdigkeiten sind weit über die Stadt verstreut. Wie Sie trotzdem zu den wahren Attraktionen kommen, welche Sie sich sparen können und wo es den besten Burger gibt.

Städtereisende wollen vieles erleben, am besten aber Orte entdecken, die nicht in jedem Reiseführer oder jeder App zu finden sind. Wer könnte besser durch die Stadt führen als jemand, der dort wohnt oder zumindest eine ganze Weile gelebt hat? Süddeutsche.de hat SZ-Korrespondenten in fernen Metropolen gebeten, "ihre" Stadt anhand eines Fragebogens zu präsentieren. Diesmal verrät Jörg Häntzschel, wo Sie in Los Angeles echte mexikanische Küche genießen können, was Sie auf Ihren Wegen durch die Stadt bedenken und was Sie einfach übersehen sollten.

Was macht Los Angeles als Stadt aus - und unterscheidet sie von anderen Städten?

Gegründet wurde LA von Missionaren und Spekulanten. Groß wurde es mit Hollywoods Glamourmärchen. Von Anfang an lebte die Stadt vom Versprechen, unter Kaliforniens Sonne liege der irdische Garten Eden. Obwohl Millionen Glückssucher hier schon gescheitert sind, wird an diesem Traum beharrlich festgehalten. Schein und Sein liegen deshalb nirgends so nahe beieinander wie in LA. Es gibt Tage, da sieht man nichts als schöne Menschen zwischen Rhododendronbüschen. An anderen erscheint einem alles elend und verlogen. Genau das macht die Stadt so interessant: LA ist wie ein befahrbarer Film von David Lynch.

Während New York seine wilden Zeiten hinter sich hat und immer braver und europäischer wird, ist LA so radikal fremd, verstörend und begeisternd wie immer. Das liegt nicht nur am Wetter und an den Freeways, sondern auch an den vielen Einwanderern aus Südamerika und Asien. Europa ist weit weg.

Hinzu kommt, dass LA, das man ja seit jeher gerne als Welthauptstadt von Kommerz und Oberflächlichkeit abtut, auch jenseits von der Filmindustrie immer mehr kulturellen Einfluss erlangt. Weil in LA das Leben viel billiger und entspannter ist, wird es für Künstler, Musiker und andere Kreative als Alternative zu New York immer bedeutender.

Los Angeles als Ziel für Touristen

LA macht es Touristen nicht ganz leicht. Bis auf ein paar Überbleibsel aus LAs Vergangenheit als Missionsstädtchen (rund um die Union Station in Downtown) gibt es fast nichts Altes. Die Sehenswürdigkeiten und Museen sind weit über die Stadt verstreut und ohne Auto schwer zu erreichen. Durch die Straßen spazieren wie in Europa oder New York, das ist allenfalls in den Shopping-Distrikten um den Rodeo Drive in Beverly Hills oder am Melrose Boulevard möglich.

Umso wohler fühlt man sich als europäischer Besucher auf dem Farmers Market an der Fairfax Avenue, der kalifornischen Version des Münchner Viktualienmarkts. Direkt nebenan liegt das Einkaufszentrum The Grove, mit Nostalgie-Straßenbahn, Weihnachtsbaum und Livemusik die Mutter aller Open-Air-Malls.

Diese Sehenswürdigkeit dürfen Sie nicht verpassen:

Disneyland. Ob mit oder ohne Kinder: Walt Disney's straff organisiertes Glücksuniversum muss man gesehen haben. Besonders empfehlenswert: der umwerfende "Enchanted Tiki Room", der Klassiker "It's a Small World" und ein Mittagessen im Big Thunder Ranch Barbecue, wo Steaks und Bohnen in Blecheimern serviert werden. Auf dem gut einstündigen Weg nach Anaheim durch den nicht endenden Brei aus Möbeldiscountern, Erdölraffinierien und Schrottplätzen beginnt man ein Gefühl für die wahren Dimensionen der Stadt zu bekommen.

Unbedingt besuchen sollte man natürlich das aberwitzig pompöse Getty Center, das 1996 auf einen Hügel in Brentwood gebaut wurde. Die Architektur, die wunderbaren Gärten und der Blick auf die Stadt sind oft interessanter als die Ausstellungen. Danach lohnt es sich, das kurze Stück Richtung Pacific Palisades weiterfahren, wo vor sechs Jahren die ebenso irrwitzige Getty Villa mit ihrer riesigen römischen und etruskischen Sammlung wiedereröffnet wurde.

Wenn Sie vom Autofahren genug haben, parken Sie irgendwo in Santa Monica, zum Beispiel im Will Rogers State Park, und gehen von dort aus am schönen und meistens leeren Strand spazieren.

Weitere Sehenswürdigkeiten, Transport und ein Imbiss

Hier verrät Ihnen Jörg Häntzschel weitere Sehenswürdigkeiten, was Sie sich in Los Angeles sparen können, wie Sie am besten durch die Stadt kommen und wo es den besten Imbiss für unterwegs gibt.

Was ist noch sehenswert?

LAs ärmere Viertel: Watts mit den Watts Towers, dem rätselhaften Lebenswerk des Bauarbeiters und Outsider-Künstlers Simon Rodia; oder Downtown mit dem Grand Central Market und Clifton's Cafeteria.

Welches Viertel sollten Sie unbedingt besuchen?

Beverly Hills, Bel Air und Pacific Palisades. Ob mit oder ohne "Star Map" durch die Milliardärsschluchten zwischen Sunset Boulevard und Mulholland Drive zu cruisen, macht größten Spaß. Anschließend können Sie sich am Highway 1 Richtung Malibu einen schönen Badeplatz suchen.

Den schönsten Blick auf Los Angeles haben Sie ...

... vom Griffith Observatory, am besten in einer der raren smogfreien Nächte.

Das können Sie sich in Los Angeles sparen:

Den Hollywood Boulevard rund um den früher Kodak und heute Dolby Theatre genannten Schauplatz der Oscar-Verleihung. Statt Stars treffen Sie dort vor allem Touristen und Obdachlose. Verzichten Sie außerdem auf den meist zum Scheitern verurteilten Versuch, sich zum Fuß des Hollywood-Zeichens durchzuschlagen. Lohnender ist eine Wanderung über die Hügellandschaft des benachbarten Griffith Park. Einfach am Observatory parken und loslaufen.

So kommen Sie am besten durch die Stadt:

Am einfachsten mit dem Auto. Andernfalls probieren Sie es mit dem Auto. Oder Sie nehmen doch das Auto. - Ja, es gibt immer mehr Freaks, die mit dem Fahrrad oder gar zu Fuß unterwegs sind, und auch U-Bahn- und Trambahnlinien soll es geben. Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Städten kommen Sie der Realität der Stadt damit nicht näher. Was nicht heißen soll, dass Autofahren in LA nur Freude macht. Ganz im Gegenteil. Irgendwann, vielleicht in den Fünfzigern, war LA wohl die wahrgewordene Utopie der autogerechten Stadt. Seitdem bringen Millionen Fahrer den Spaghettiteller von Freeways zweimal täglich zum Kollaps. Auf den Nebenstraßen geht es übrigens noch schlimmer zu.

Steigen Sie bloß nicht ....

... in die winzige Straßenbahn "Angels Flight" am Bunker Hill in der Innenstadt. Das Bähnchen, das so funktioniert wie die Cable Cars in San Francisco, rühmt sich, "die kürzeste Eisenbahn der Welt" zu sein. Und ist genau deshalb den Besuch nicht wert.

Wenn Sie hungrig werden, probieren Sie unbedingt ...

... die unendlichen Varianten mexikanischer Küche, die mit dem Enchilada- und Corona-Klischee wenig zu tun haben. Unter den Ingredienzen: zerriebene Gusano-Würmer, geröstete Heuschrecken und Skorpione, die im Mescal-Schnaps schwimmen, zum Beispiel im Restaurant Guelaguetza auf dem Olympic Boulevard in Koreatown. Wenn sich ein bis zwei Tage später der Hunger zurückmeldet, bietet sich in derselben Gegend ein koreanischer Barbecue an.

Essen, Nachtleben, Knigge-Tipps

Auf dieser Seite bekommen Sie Restaurant-, Ausgeh- und Kniggetipps.

Das schönste Café:

Clifton's Cafeteria, Downtown: Uralt-Institution, die innen rührend zur Holzfäller-Hütte dekoriert ist.

Das beste Restaurant:

The Gorbals. Schottisch-jüdische Küche. Aber das ist nur der Anfang.

Der Imbiss für unterwegs:

Der klassische Burger, "Animal Style", bei In-N-Out Burger. Oder die Gourmet-Version bei Umami Burger.

Typisch für das Nachtleben in Los Angeles ist:

Die Abende beginnen früh und enden früh. Und dann muss man ja auch noch mit dem Auto nach Hause kommen, ohne seine Garageneinfahrt zu verfehlen oder vom LAPD (Los Angeles Police Department) beim DUI (Driving under the influence) erwischt zu werden. Kein Wunder also, dass viele bei Miller Light oder Eistee bleiben.

Hier beginnt der Abend:

Lazy Ox Canteen. Es ist zu laut, um den Kellner zu verstehen, und zu dunkel um die Speisekarte zu entziffern oder das Fleisch auf dem Teller zu erkennen. Es kann sich aber eigentlich nur um Fuß, Hirn oder Innerei eines Tieres handeln. Wem das zu wüst ist, geht in die benachbarte "Wurstküche".

Dann ziehen Sie weiter ins:

The Varnish, eine der besten Adressen für die Cocktailmanie, die in LA vor kurzem ausgebrochen ist.

Hier wollen alle rein:

SoHo House West Hollywood, ein Privat-Club nur für Mitglieder, meist aus der Kunst-, Medien - und Mode-Szene.

Dabei ist es hier viel besser:

Musso and Frank Grill. Das alte, ganz alte Hollywood. Eine Bar wie aus der Schwarzen Serie.

Dies ist der beste Platz für den Sonnenaufgang:

Machen Sie einen Abstecher ins zwei Stunden entfernte Palm Springs und schauen Sie sich den Sonnenaufgang in der Wüste an.

Daran sollten Sie in Los Angeles denken:

Planen Sie für jede Fahrt reichlich Extrazeit ein. Wer mit dem An- und Abschwellen des Verkehrs in LA nicht vertraut ist, kommt zu jedem Termin eine halbe Stunde zu spät. Und wenn Sie endlich angekommen sind, sollten Sie die Hoffnung, das Auto umsonst loszuwerden, gleich aufgeben. An exorbitant teuren Privatparkplätzen oder dem albernen "Valet-Parking", das einem oft wie eine ABM-Maßnahme für arbeitslose Schauspieler erscheint, führt kein Weg vorbei.

Mit diesem Satz kommen Sie überall zurecht:

"Oh my god, that's awesome!"

Darüber spricht man in Los Angeles:

Da das Wetter nicht der Rede wert ist - es ist jeden Tag 25 Grad warm und sonnig - spricht man vom Verkehr. Das allerdings in aller Breite. Besonders schön: Die Verkehrsdurchsagen im Radio, in denen auch kleinste Unfälle bis ins Detail beschreiben werden ("Auf dem 405 South liegt auf der 4. Spur von links eine Leiter auf der Straße.")

Vorsicht, Fettnäpfchen!

Die monströsen Busen, handgeschnitzten Pos und Schlauchbootlippen: Tun Sie einfach so, als sähen Sie sie nicht - so schwer es auch fällt.

Informationen zum Autoren der Los Angeles-Städtereise-Tipps:

Jörg Häntzschel, geboren 1968 in München, hat in Berlin, London und Frankreich Komparatistik studiert. Seine Arbeit als Journalist begann er im Feuilleton der taz. Nach dem Studium schrieb er für die NZZ, die Zeit und verschiedene Magazine - erst von London aus, dann, vor allem für die SZ, aus New York. Nach zwei Jahren als stellvertretender Ressortleiter im SZ-Feuilleton in München kehrte er 2007 für fünfeinhalb Jahre als Kulturkorrespondent dorthin zurück. Seit September ist er nun wieder in der Münchner Zentrale.

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