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Buchungen für den Sommerurlaub 2017:Lieber zum Griechen

Noch dauert es eine Weile bis zum Sommerurlaub. Doch es zeichnen sich inzwischen Trends ab, wohin die Reise diesmal geht.

Nach Ägypten, Griechenland, Spanien - oder doch in die Türkei? Viele Familien buchen jetzt ihren Sommerurlaub. Und es zeichnen sich bereits Trends ab, wohin die Reise in diesem Jahr geht. Spanien, das schon 2016 einen Besucherrekord erlebt hat, steht weiterhin hoch in der Gunst der Urlauber. Griechenland ist wieder im Kommen, ebenso Ägypten. Nun bleibt dort abzuwarten, ob die Attentate gegen koptische Christen vom Palmsonntag diesen Aufschwung gleich wieder zunichtemachen. Und die Türkei: Reiseveranstaltern bleibt nur die Hoffnung, dass es weniger schlimm wird als befürchtet.

Schon im vergangenen Jahr waren die Gästezahlen in der Türkei dramatisch eingebrochen. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) geht davon aus, dass in diesem Jahr die Zahl deutscher Gäste noch einmal um bis zu 60 Prozent sinken könnte. Die Angst vor Terroranschlägen ist ein Faktor. Hinzu kommen ein Staatspräsident mit Allmachtsfantasien und die Sorge, als Deutscher am Urlaubsort mit Vorwürfen konfrontiert zu werden.

All das trägt dazu bei, dass die Türkei derzeit sehr wenig gebucht wird. "Wahnsinnig traurig", sei das, sagt Frano Ilic, Sprecher des Studienreisen-Anbieters Studiosus. "Weil das Land so schön ist und so tolle Menschen hat". Studiosus hat sein Türkei-Angebot von 15 Reisen auf zwei reduziert. Istanbul ist, auch als Durchgangsstation, gestrichen. Man probiert es noch mit Kappadokien. Buchungen gibt es bislang keine.

Die Türkei wird in diesem Sommer wohl sehr günstig werden. Notgedrungen

Ebenfalls kaum angeboten wird der Osten des Landes. Im Kurdengebiet gebe es derzeit "zu viele Unsicherheiten", sagt Manfred Häupl, Geschäftsführer von Hauser Exkursionen. Touren auf den Ararat kann man in diesem Jahr nicht anbieten; die türkische Regierung hat keine Genehmigungen für das Grenzgebiet zu Armenien und Iran erteilt.

Häupl sagt, man habe dennoch bewusst ein "Rumpfprogramm" für die Türkei aufrechterhalten - dazu fühle man sich aufgrund der jahrelangen Partnerschaften mit Hotels und Fremdenführern verpflichtet. Vergleichsweise geringer betroffen sind die Küstenregionen der Türkei. Aber auch beim größten deutschen Anbieter, der Tui, heißt es, die Nachfrage nach der Türkei sei deutlich zurückgegangen. Man gehe aber davon aus, dass viele Urlauber aufgrund des "sehr günstigen Preisbildes" kurzfristig buchen werden, so Sprecherin Susanne Stünckel.

Profitieren wird Griechenland. Dort erwartet man dieses Jahr nach Schätzungen der griechischen Zentrale für Fremdenverkehr rund 30 Millionen Touristen. 2016 waren es etwa 27 Millionen. Besonders beliebt sind bei den Urlaubern Inseln wie Rhodos oder Kreta, das wegen der Überlastung des Flughafens Heraklion einen neuen Airport bei Kastelli bekommen soll. Beim Anbieter FTI ist die Insel Kos das Zielgebiet mit den größten Zuwachsraten.

Auch Ägypten scheint sich zu erholen - zumindest deutete bis zu den Terrorattacken am 9. April in Alexandria und Tanta vieles darauf hin. Vor diesen Anschlägen hatte es bei FTI, der Badeurlaub an Ägyptens Stränden anbietet, geheißen, man könne ein "hohes Besucherplus" verzeichnen und habe die Flugkapazität auf hundert Flüge pro Woche aus dem deutschsprachigen Raum verdoppelt. Kulturreisen und Nilkreuzfahrten werden allerdings nach wie vor kaum gebucht.

Tunesien zieht ebenfalls leicht an. Das nordafrikanische Land zählte nach Angaben des tunesischen Fremdenverkehrsamtes 2016 rund 130 000 Einreisen aus Deutschland, im Jahr zuvor waren es an die 220 000. Für den Sommer 2017 verzeichnen die Reiseveranstalter etwas mehr Buchungen als im Vorjahr.

Weiterhin sehr beliebt ist Spanien. Allein auf die Balearen reisten 2016 4,6 Millionen Deutsche. Angesichts des großen Andrangs dort und auf den Kanaren setzen die Reiseveranstalter zunehmend auch auf das Festland. Tui baut die Region um Huelva in Andalusien weiter aus und hat das Flugangebot nach Malaga und Jerez erhöht. Thomas Cook und Neckermann haben auf dem Festland die Hotelkapazitäten erweitert. Und auch der Nachbar Portugal wird wohl, wie schon im vergangenen Jahr, Zuwachs verzeichnen.

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SZ vom 06.04.2017/ihe
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