Sadio Mané  nach dem 3:0
Sadio Mané nach dem 3:0
Torschütze  Jamal Musiala

FC Bayern

Der befreiende Moment

Mané trifft, Musiala in beachtliche Form: Es ist nicht alles perfekt beim FC Bayern nach dem 4:0 gegen Bayer Leverkusen – aber vieles deutet darauf hin, dass der Sieg einen bedeutenden Effekt für den Rest der Saison haben könnte.

Sadio Mané  nach dem 3:0
Sadio Mané nach dem 3:0

FC Bayern

Der befreiende Moment

Torschütze  Jamal Musiala
Torschütze Jamal Musiala

Mané trifft, Musiala in beachtliche Form: Es ist nicht alles perfekt beim FC Bayern nach dem 4:0 gegen Bayer Leverkusen – aber vieles deutet darauf hin, dass der Sieg einen bedeutenden Effekt für den Rest der Saison haben könnte.

1. Oktober 2022 - 5 Min. Lesezeit

Es zählt zu den Anomalien der Stadt München während der Oktoberfest-Zeit, dass für etwas mehr als zwei Wochen die Blasmusik zum Alltag gehört. Am ersten Wiesn-Wochenende noch läuteten die umherziehenden Kapellen die Rückkehr des lang ersehnten Wahnsinns ein, inzwischen erinnert der bayerische Defiliermarsch eher an die zigtausenden Verschnupften in der Stadt.

Als Oliver Kahn am Freitagabend nach dem 4:0 gegen Bayer Leverkusen in der Pressezone der Fröttmaninger Arena zu sprechen begann, spielte im Hintergrund eine aus dem Stadion ziehende Kapelle. Kahn hatte eine ähnliche Szene an anderer Stelle schon einmal erlebt, vor zwei Wochen, als er auf dem Oktoberfest die Krise des Vereins erklären musste und sich damals zum Takt der Blasmusik dazu genötigt sah, das Vertrauen in den Trainer Nagelsmann mit den Worten, man sei „von Julian total überzeugt“ zu untermauern.

Es war also durchaus ein Erfolg für Kahn und seinen Verein, dass nicht nur die Blasmusik aus der Vergangenheit widerzuhallen schien, sondern auch seine damaligen Worte. „Es war ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Kahn diesmal, es sei „extrem wichtig gewesen, dass die Mannschaft sich da jetzt wieder rausgezogen hat“. Und es blieb gar noch Zeit für eine Mahnung: „Wir sind alle gut beraten, das jetzt nicht zu hoch zu hängen.“

Tatsächlich gibt es einige Gründe, die Rückkehr des gewohnten, dominanten FC Bayern, der einer Bundesligamannschaft in einem Heimspiel keine Chance lässt, nicht zu hoch zu hängen, die Leverkusener Leistung etwa. Genauso gilt aber, dass es vor zwei Wochen Gründe gegeben hatte, die Krise nicht ins Existenzielle abdriften zu lassen, wie Nagelsmann selbst auch immer wieder betont hatte – obwohl er mit seiner in Augsburg präsentierten destruktiven Rhetorik („alles hinterfragen“) selbst seinen Teil dazu beigetragen hatte.

Nicht alles also war schlecht gewesen beim FC Bayern, nicht alles ist nach dem 4:0 gegen Leverkusen wieder perfekt, aber es gibt Indizien für den Effekt, den dieses Spiel auf den Rest der Saison haben könnte.

Es gab sicherlich zahlreiche strukturelle und taktische Elemente, die dazu beitrugen, dass die Münchner vor allem in der ersten Halbzeit zu einer beachtlichen Dominanz kamen, etwa weil sie Chancen häufig durch das wiederentdeckte Stilmittel des langen, öffnenden Balls aus der Innenverteidigung kreierten. Vor allem aber, das betonte auch Nagelsmann, war es wieder einmal die viel diskutierte Chancenverwertung, die das Spiel entschied – diesmal allerdings zu Gunsten des FC Bayern.

„Ein frühes Tor hilft, dass du nicht so viel über die Sachen nachdenkst“, sagte Nagelsmann bei DAZN, das sei schließlich schon bei den Spielen gegen Leipzig und Frankfurt zu Saisonbeginn der Fall gewesen. Bei allen fußballerischen Details, die er auch noch nannte, war dem Trainer anzumerken, dass es ihm um die Aufarbeitung der Vorwürfe ging, die zuletzt an ihn gerichtet wurden: „Es wurde extrem viel geschrieben über die Beziehung Trainerteam/Mannschaft“, antwortete Nagelsmann auf eine eigentlich offen gestellte Frage, er wollte eine Nachricht übermitteln: „Ich habe aber schon oft gesagt, dass wenn die Mannschaft so aus der Kabine herauskommt, dann hat man ein gutes Gespür dafür, ob die Spieler einen nicht mögen oder zumindest respektieren. Mögen müssen sie mich ja nicht.“

Tatsächlich spielte am Freitagabend eine Mannschaft auf dem Feld klar erkennbar für ihren Trainer, und dass die Elf von Bayer Leverkusen teilweise einen gegenteiligen Eindruck erweckte, ist ein ebenso wichtiger Teil der Erklärung, wie es zu diesem deutlichen 4:0 kommen konnte. Die Leverkusener – nach dem achten Spieltag nun auf Platz 16 der Tabelle eingereiht – präsentierten sich als ein Gegner, den sich der FC Bayern kaum besser hätte ausmalen können.

Passiv in der Verteidigung, wenig kreativ in der Offensive und darüber hinaus geradezu euphorisch beim Verteilen von Einladungen zu Torchancen spielte Bayer unter Gerardo Seoane.

„Wenn du in München bestehen willst, musst du ein perfektes Spiel machen“, so das Fazit des Trainers, doch von Perfektion war keine Spur.

Jamal Musiala bestätigte auf beeindruckende Art und Weise seine beachtliche Form mit einem Tor und zwei Vorlagen, konnte sich aber auch leicht im Dribbling gegen die Bayer-Defensive durchsetzen, anders als in den vergangenen Bundesligapartien gegen die physisch starken Mannschaften des VfB Stuttgart und des FC Augsburg.

Auf körperliche Härte verzichtete Leverkusen nahezu komplett, was auch dazu beitrug, dass Sadio Mané ein Tor erzielen konnte.

In der Anfangsphase hatte man ihm die Unsicherheit seiner vergangenen Auftritte noch angesehen, doch sein Abschluss zum 3:0 könnte eine Rückkehr zu alter Stärke einleiten, auf die die ganze Mannschaft zu hoffen schien: Nach der Reihe herzten alle Spieler Mané. „Ob es ein Knotenplatzer war, das zeigen wahrscheinlich dann die nächsten Spiele“, sagte Nagelsmann: „Ich hoffe es sehr.“

Passiv in der Verteidigung, wenig kreativ in der Offensive und darüber hinaus geradezu euphorisch beim Verteilen von Einladungen zu Torchancen spielte Bayer unter Gerardo Seoane.

„Wenn du in München bestehen willst, musst du ein perfektes Spiel machen“, so das Fazit des Trainers, doch von Perfektion war keine Spur.

Jamal Musiala bestätigte auf beeindruckende Art und Weise seine beachtliche Form mit einem Tor und zwei Vorlagen, konnte sich aber auch leicht im Dribbling gegen die Bayer-Defensive durchsetzen, anders als in den vergangenen Bundesligapartien gegen die physisch starken Mannschaften des VfB Stuttgart und des FC Augsburg.

Auf körperliche Härte verzichtete Leverkusen nahezu komplett, was auch dazu beitrug, dass Sadio Mané ein Tor erzielen konnte.

In der Anfangsphase hatte man ihm die Unsicherheit seiner vergangenen Auftritte noch angesehen, doch sein Abschluss zum 3:0 könnte eine Rückkehr zu alter Stärke einleiten, auf die die ganze Mannschaft zu hoffen schien: Nach der Reihe herzten alle Spieler Mané. „Ob es ein Knotenplatzer war, das zeigen wahrscheinlich dann die nächsten Spiele“, sagte Nagelsmann: „Ich hoffe es sehr.“

Auffällig viel hatten sich alle Beteiligten zuletzt mit dem Zugang vom FC Liverpool beschäftigt, an dessen zögerlichem Vorgehen man die Leistung der gesamten Mannschaft in den vier sieglosen Spielen erklären konnte. Wie immer ernsthaft man die Krise des FC Bayern vor der Länderspielpause im Rückblick bewerten möchte, sie hatte markante psychologische Züge einer Gruppe überaus talentierter Spieler, die minütlich mehr an ihren eigenen Fähigkeiten zweifelte, anstatt geduldig abzuwarten, bis sich die Dinge von selbst fügen würden.

Dass sich viele Ungleichheiten im Fußball über die Zeit wieder ausgleichen, gilt als banale Weisheit. Ein Blick in die Details der vergangenen Wochen des FC Bayern zeigt, dass es auch eine banale Wahrheit sein kann: Zu den vier sieglosen Spielen hatten unter anderem zwei unglaubliche Torhüterleistungen des Gegners beigetragen, ohne Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach und Rafal Gikiewicz vom FC Augsburg hätte die Blasmusik auf dem Oktoberfest vermutlich schon vor zwei Wochen so zünftig geklungen wie am Freitagabend auf dem Weg aus dem Stadion. Da spielte beim Gegner in Lukas Hradecky aber auch ein Torwart, der beim 2:0 einen einfachen Ball durchließ und beim 4:0 ausrutsche und den Ball zu Thomas Müller passte, somit also den Leverkusener Beitrag zum Ende der tristen Bayern-Serie noch einmal untermauerte.

„Wenn einer sehr viel nachdenkt, ist es auch gut, wenn er dann einen befreienden Moment hat“, sagte Julian Nagelsmann noch, als er eigentlich nur über Sadio Mané sprach. An dem man aber möglicherweise nicht nur die vergangenen Partien erklären konnte, sondern auch den Effekt eines 4:0-Sieges über Bayer Leverkusen.